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Ruhig und ohne Knallerei

So feiern die Oberländer den Geburtstag der Schweiz

Fondue oder Raclette im Sommer, Höhenfeuer oder politische Reden? Das unternehmen die Oberländerinnen und Oberländer am Nationalfeiertag wirklich.

Tim Fonyad, Jacqueline aus Wildberg und Esther De Vries (von links) erzählen, was sie am 1. August vor haben.

Fotos: Marie Fredericq

So feiern die Oberländer den Geburtstag der Schweiz

Ein gemütliches Zusammensein geniessen, das Feuerwerk bestaunen, eine Bratwurst braten oder Fondue im Sommer verspeisen? So verbringen die Oberländerinnen und Oberländer ihren 1. August wirklich.

Rot und weiss, so flattert und flackert es am Freitag von überall her. Die Schweiz feiert nämlich Geburtstag, und das bereits zum 734. Mal. Eine lange Tradition, auf die das Binnenland zurückblickt.

Auch im Oberland wird mitgefeiert: mit Raketen und Funkenregen, mit Promis am Rednerpult oder verfrühten Schwingfreuden. Diverse Veranstaltungen finden in den hiesigen Gemeinden statt.

Doch wo und wie feiern die Oberländerinnen und Oberländer wirklich? In einer Umfrage haben sie im übertragenen Sinn ihre Tür geöffnet und erzählt, wie sie den Nationalfeiertag verbringen.

Ein Geburtstag mit den Liebsten

So die 31-jährige Wildbergerin Jacqueline, die mit ihrem Baby unterwegs ist. Bei ihr wird es dieses Jahr ein ruhiger 1. August: «Wir feiern, aber nicht im grossen Rahmen, sondern eher ruhig.» Sie wolle einfach gemütlich was mit ihren Liebsten essen.

Auch Verena Schmid, die sonst allein lebt, trifft sich am Nationalfeiertag mit einer Freundin zum Znacht. Und das, obwohl die 80-jährige Ustermerin kein grosser Fan des Schweizer Geburtstags oder der Traditionen um diesen herum ist: «Ich mag Nationalismus nicht. Ich finde, kein Land ist besser als das andere, wir sind alle gleich.»

Ronja Siebner aus Grüningen umgibt sich am Schweizer Geburtstag mit denselben Menschen wie an ihrem eigenen: «Ich feiere mit meinen besten Freundinnen und Freunden, wir grillieren und stossen an», sagt die 37-Jährige. Weil sie am Samstag aber arbeiten müsse, werde es vermutlich nicht feuchtfröhlich.

Die Suche nach Ruhe

Etwas spezieller verbringt Laura Lacoste ihren 1. August, denn die 24-Jährige aus Uster feiert im Ausland: «Wir werden auf den Seychellen auf die Schweiz anstossen.» Dass sie dem Nationalfeiertag ins Ausland entfliehe, sei aber Zufall und nicht gewollt.

Auch Miro Schildknecht aus Esslingen verlässt das schöne Oberland für ein paar Tage und verweilt in seinem Ferienhäuschen im Tessin. «Das machen wir jedes Jahr, früher mit den Eltern, jetzt mit Freunden. Ansonsten pflegen wir aber keine Tradition», sagt der 28-Jährige.

Tim Fonyad aus Bubikon nimmt es dieses Jahr locker. Obwohl er am Feuerwerksstand zwar 1.-August-Stimmung verbreitet, ist er selbst eher ein ruhiges Gemüt – und will einfach mit Freunden gemütlich beisammen sein. «Ich lasse auch nie Feuerwerk ab, was jetzt vielleicht widersprüchlich klingt», sagt der 21-Jährige schmunzelnd. Seinen Job möge er dennoch gern.

Die Sache mit dem Feuerwerk

Ja, die Sache mit dem lärmenden Feuerwerk scheint dieser Tage aktueller denn je: so auch in Gossau, denn dort wurde nur kurz vor dem 1. August das neue Polizeireglement mit dem gesetzlichen Verbot für lärmendes Feuerwerk in Kraft gesetzt.

Damit ist die Gemeinde nach Bubikon und Dürnten die dritte Oberländer Gemeinde, die das Gesetz nicht nur festgelegt, sondern auch bereits umsetzt hat. Nach den Sommerferien will Schwerzenbach folgen, am 1. September dürfte Mönchaltorf nachziehen und am 1. Oktober Fällanden. Es ist mehr und mehr ein eindeutiger Trend im Oberland zu spüren, auf das lärmende Feuerwerk zu verzichten.

Auch im Rahmen der Umfrage scheint kaum noch jemand ein grosser Befürworter der knallenden Tradition zu sein. So erzählt Chris Spray, er habe mit den Kindern früher zwar Feuerwerk abgelassen, was auch viel Freude bereitet habe, aber heute seien die Kinder gross, und sie würden den Nationalfeiertag ruhig angehen. «Wir gehen vielleicht wandern, essen mit Freunden – ohne viel Feuer.»

Das Tierleid bewegt

Das Feuer stört Esther De Vries nicht – aber die Knallerei, die möchte die 85-Jährige aus Mönchaltorf nicht mehr akzeptieren. «Früher hat mir das Freude gemacht, aber solange es ‹chlöpft›, gehe ich nicht mehr zu den Festlichkeiten. Das ist so schädlich für die Tiere, am nächsten Tag sieht man keine Vögel mehr. Das ist einfach unnötig.»

Auch Laura Lacoste, die während der etwaigen Böllerei auf den Seychellen verweilen wird, sorgt sich um ihre Vierbeiner. Ihre zwei Kätzchen, die mögen die Knallerei nämlich gar nicht. «Ich bin nicht prinzipiell dagegen und finde kleinere Sachen auch nicht so schlimm, aber für die Tiere ist es schon blöd, wenn es so arg knallt», sagt sie.

Und mit dieser Meinung ist sie nicht allein: Fast alle Befragten sind dem lärmenden Feuerwerk nicht gut gesinnt. «Ich finde es gut, wenn das verboten wird. Es ist nicht gut für die Umwelt, es wird Geld aus dem Fenster geschmissen, und die Tiere leiden», fasst Sibylle Ryf aus Uster zusammen. Die 49-Jährige ist der Meinung, eine Lichtshow mit Drohnen sei wesentlich zeitgemässer.

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