Abo

Gesellschaft

Feuerwerksliebhaber versus Tierschützer

Belastung oder Vergnügen? Feuerwerk spaltet Gemeinden und Gemüter

Ein Feuerwerksprofi verteidigt seine Kunst, eine Tierschützerin fordert ein Verbot. Doch es zeigen sich auch Gemeinsamkeiten in ihren Forderungen.

Kultur oder Belästigung? Darüber wird im Zürcher Oberland, aber auch landesweit diskutiert. (Archiv- und Symbolfoto)

Foto: Simon Grässle

Feuerwerksliebhaber versus Tierschützer

Das Feuerwerksverbot wird landesweit diskutiert. Pyrotechniker Janosch Bär fürchtet um seine Kunst, Nationalrätin Meret Schneider setzt sich für ein Verbot ein. Trotzdem finden sie gemeinsame Ansätze.

Das Thema Feuerwerk polarisiert. Immer mehr Gemeinden der Region sagen den knallenden Raketen den Kampf an. Allein im Juni haben sich an vier Gemeindeversammlungen Bürgerinnen und Bürger definitiv für ein Verbot von lautem Feuerwerk ausgesprochen, nämlich Fällanden, Wangen-Brüttisellen, Mönchaltorf und Schwerzenbach.

In weiteren Orten des Zürcher Oberlands gilt das Verbot schon länger – und zeigt Wirkung. So zum Beispiel in Dürnten, wo jüngst das Silvesterfeuerwerk auf dem Hasenstrick der neuen Regelung zum Opfer gefallen ist.

Schweizweit ist das Thema ein Dauerbrenner: Eine nationale Volksinitiative fordert ein Verbot des Verkaufs und des privaten Abbrennens von lauten Feuerwerkskörpern. Grossfeuerwerke sollen weiterhin erlaubt bleiben – allerdings nur mit Bewilligung und bei überregionalen Anlässen wie dem Nationalfeiertag oder an Silvester.

Der Ustermer Pyrotechniker Janosch Bär sieht dieser Entwicklung mit Sorge entgegen. Feuerwerk ist seit vielen Jahren seine Leidenschaft. Ob an Silvester, dem 1. August oder sonstigen Feiern, Bär lässt es gerne auf professioneller Ebene knallen. Und genau da liege das Problem: «Wir Profis werden mit den Privaten in den gleichen Topf geworfen. Das ist nicht fair.»

Verständnis ja, aber …

Während Privatpersonen nur wenige Vorgaben haben – oder sich kaum daran halten –, was das Ablassen von Feuerwerk angeht, ist jede seiner Feuerwerksshows minutiös geplant, bewilligt und gesichert. «Wir arbeiten mit hohen Sicherheitsstandards, lassen nur innerhalb klar definierter Zeitfenster Feuerwerk los und sorgen dafür, dass niemand zu Schaden kommt», sagt Bär. Abfälle würden danach eingesammelt, oft sei er noch am nächsten Tag auf Fötzeltour.

Man sieht einen jungen Mann mit Feuerwerkskörpern in den Händen.
Pyrotechniker Janosch Bär bangt um seine Kunst – er fordert andere Lösungsansätze statt ein Verbot. (Archiv)

Er zeigt Verständnis für den Ärger der Bevölkerung über Lärm und Abfall. «Ich kann nachvollziehen, dass die Leute genervt sind, wenn es schon Tage vor und nach den grossen Feiertagen ständig knallt.» Aber: «Ein ganzheitliches Verbot wird dieses Problem nicht beseitigen.»

Im Gegenteil: Es fördere den Einkaufstourismus im Ausland und erhöhe das Risiko für schwere Unfälle. Denn: «Wer Feuerwerk zünden will, besorgt sich dieses dann im Ausland oder auf dem Schwarzmarkt. Genau dort bekommt man oft Artikel, die deutlich gefährlicher sind als das, was heute in der Schweiz verkauft wird.» Diese Produkte seien meist nicht geprüft und entsprächen weder den hiesigen Lärm- noch den Sicherheitsnormen.

Ein lauter Vorteil

Ein Argument, das Nationalrätin Meret Schneider (Grüne) aus Uster nur bedingt nachvollziehen kann. «Auch dieses Feuerwerk darf dann nicht abgelassen werden», kontert sie.

Schneider setzt sich schon länger für ein Verbot von Feuerwerk ein – in Uster, aber auch national. «Alle Tiere leiden. Ob im Stall, zu Hause oder wild lebend im Wald – der Lärm ist für sie purer Stress», begründet sie.

An Silvester erwachen Tiere teilweise aus dem Winterschlaf und fallen aus ihrem Lebensrhythmus – und sterben im schlimmsten Fall. Hinzu komme der ganze Abfall, der achtlos liegen gelassen werde. «Die Situation in Uster oder am Greifensee ist nach dem 1. August oder Silvester katastrophal», sagt Schneider.

Man sieht Meret Schneider neben einer Katze.
Meret Schneider setzt sich unter anderem wegen des Tierwohls für ein Verbot von Feuerwerk ein. (Archiv)

Werde trotz Verkaufsverbot Feuerwerk illegal importiert und abgebrannt, sei das unüberhörbar, sagt Schneider. «Knallendes Feuerwerk hat den Vorteil, dass man es eben hört.»

Dadurch brauche es keine proaktiven Polizeikontrollen – eine Meldung aus der Nachbarschaft reiche, um ein solches Vergehen zu verfolgen. «Bei anderen Delikten funktioniert das schliesslich auch: Wer das Gesetz brechen will, tut das – aber der Grossteil der Bevölkerung hält sich daran. Und wer erwischt wird, zahlt eine Busse.»

Ein gemeinsamer Ansatz

Meret Schneider stellt klar, dass sie kein generelles Feuerwerksverbot fordert. Öffentliche Feuerwerke, wie zum Beispiel jenes in Zürich am Jahreswechsel, sollen weiterhin erlaubt bleiben. «Das ist ein schöner Anlass in einem geschützten und koordinierten Rahmen für die Allgemeinheit», führt sie aus.

Private Feuerwerke hingegen würden immer lauter, länger und extremer. «Zwei Tage vor und nach dem eigentlichen Feiertag hat das mit Schweizer Kultur nichts mehr zu tun.» Höhenfeuer oder koordinierte Stadtfeuerwerke ja – Privatgeknalle nein. «Letzteres hat keinen Mehrwert. Es hinterlässt vor allem Lärm, Abfall und gestresste Tiere.» Ihr Fazit: «Die knallenden Produkte sollen weg; es gibt so viele schöne Effekte ohne laute Explosion.»

Ein Lösungsansatz, den auch Janosch Bär vertritt, wenn auch etwas anders: Einige der aktuell erlaubten Produkte sollen vom Markt genommen werden – so würde es ruhiger werden, auch ohne ein nationales Verbot. «Pfeifraketen, Knallraketen und Thunders explodieren, haben aber keinen visuellen Effekt. Deshalb werden sie auch schon tagsüber abgelassen. Könnte man diese nicht mehr kaufen, wäre es schon einiges ruhiger», ist Bär überzeugt.

Ein Gegenvorschlag

Aktuell wird die nationale Verbotsinitiative im eidgenössischen Parlament beraten. Ein Gegenvorschlag der Wissenschafts-, Bildungs- und Kulturkommission des Ständerats (WBK-S) sieht vor, dass Feuerwerk nicht verboten wird, aber für Böller künftig eine Bewilligung eingeholt werden muss.

Geht es nach der Kommission, soll es eine gezielte Regelung für Knallkörper ohne visuelle Effekte – beispielsweise Böller – geben, ohne jedoch Feuerwerkskörper allgemein zu verbieten oder einer Bewilligungspflicht zu unterstellen. Konkretere Details müssen von der WBK-S noch ausgearbeitet werden, ehe die Vorlage in die Vernehmlassung geht.

Ein Brennpunkt, zwei Perspektiven

Janosch Bär wie auch Meret Schneider verfolgen das aktuelle Geschehen gespannt mit – wenn auch aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Für Janosch Bär ist klar: «Kommt ein schweizweites Verbot, hat meine Kunst einen schweren Stand.» Vor allem, weil es in seinem Fall «nur» ein Nebenerwerb ist; das mit dem Feuerwerk verdiente Geld investiert er jeweils in Ausbildungen und Produkte im Bereich der Pyrotechnik.

Meret Schneider ist optimistisch, dass ein Verbot früher oder später kommen wird. In welcher Form, werde sich dann zeigen. «Die Frage nach einem Verbot ist keine der politischen Ausrichtung, sondern eine der Argumente. Lärmschutz, Umweltschutz und das Wohl der Tiere sprechen für sich. Das zeigt sich daran, dass Gemeinden verschiedener politischer Ausrichtungen Verbote diskutieren oder schon entschieden haben.»

Abo

Möchten Sie weiterlesen?

Liebe Leserin, lieber Leser

Nichts ist gratis im Leben, auch nicht Qualitätsjournalismus aus der Region. Wir liefern Ihnen Tag für Tag relevante Informationen aus Ihrer Region, wir wollen Ihnen die vielen Facetten des Alltagslebens zeigen und wir versuchen, Zusammenhänge und gesellschaftliche Probleme zu beleuchten. Sie können unsere Arbeit unterstützen mit einem Kauf unserer Abos. Vielen Dank!

Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

Sie sind bereits Abonnent? Dann melden Sie sich hier an

Digital-Abo

Mit dem Digital-Abo profitieren Sie von vielen Vorteilen und können die Inhalte auf zueriost.ch uneingeschränkt nutzen.

Sind Sie bereits angemeldet und sehen trotzdem nicht den gesamten Artikel?

Dann lösen Sie hier ein aktuelles Abo.

Fehler gefunden?

Jetzt melden.