Abo

Politik

Wiederkehrende Themen

Gemeinderat Uster diskutiert über Geld, Kinder und Bäume

Die Politik zeigt immer wieder, eine Stimme kann vieles ausmachen. So auch im Ustermer Gemeinderat am Montagabend, wo knappe Entscheidungen über Personalkosten, Kinderprojekte und Grünflächen bestimmen.

Wie grün soll Uster sein, und was darf das Stadtpersonal kosten? Fragen, über die man sich im Parlament nicht immer einig ist. (Archivfoto)

Foto: Simon Grässle

Gemeinderat Uster diskutiert über Geld, Kinder und Bäume

Wiederkehrende Themen

Die Politik zeigt immer wieder, dass eine Stimme vieles ausmachen kann. So auch im Ustermer Gemeinderat am Montagabend, wo knappe Entscheidungen über Personalkosten, Kinderprojekte und Grünflächen bestimmten.

Bevor im Ustermer Gemeinderat über Motionen, Projekte und Postulate diskutiert wird, steht der Saal am Montagabend zunächst still. Mit einer Schweigeminute gedenkt der Rat des am 9. März verstorbenen Beat Berger. Der 50-Jährige war Geschäftsfeldleiter Sport der Stadt und «im ganzen Rat» sehr geschätzt, wie Ratspräsident Ali Özcan (SP) sagt.

Nach diesem Moment des Innehaltens kehrt der Gemeinderat zur politischen Arbeit zurück. Den Auftakt macht eine Leistungsmotion, die den Personalaufwand der Stadt auf maximal 3300 Franken pro Einwohner begrenzen will – nicht zum ersten Mal.

Bereits im Dezember 2025 haben die SVP-Parlamentarier Daniel Schnyder, Andres Ott und Ulrich Schmid eine ähnliche Motion eingereicht. Damals wurde sie mit 18 zu 17 Stimmen knapp abgelehnt. Für die drei Gemeinderäte ein Zeichen, ihr Anliegen überarbeitet noch einmal in den Rat zu bringen.

Eine Leitplanke, keine starre Kontrolle

Die SVP/EDU-Fraktion argumentiert am Montagabend, der Personalaufwand der Stadt sei in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Eine verbindliche Obergrenze von 3300 Franken pro Einwohner und Jahr soll deshalb als politische «Leitplanke» dienen, um die Kostenentwicklung zu bremsen.

Stadtpräsidentin Barbara Thalmann (SP) erklärt, der Personalaufwand sei zwar überproportional gewachsen, jedoch nicht unkontrolliert. Ein Grossteil der Kostensteigerung wurde für Aufgaben aufgewendet, die zuvor von Dritten erbracht wurden, oder auf die Übernahme von Leistungen anderer Gemeinden, die kostendeckend erfolgt.

Bereits 2025 hat der Stadtrat deshalb einen verbindlichen Deckel von 3300 Franken pro Einwohner abgelehnt und stattdessen vorgeschlagen, die Stellenentwicklung und den Personalaufwand transparent in Berichten mit Kennzahlen auszuweisen. An dieser Strategie halte man auch jetzt fest.

Erneut ein knapper Ausgang

Die Fraktionen zeigen deutliche, aber unterschiedliche Sichtweisen auf die Motion. Die SVP/EDU-Fraktion pocht auf die verbindliche Deckelung. Die anderen Fraktionen halten die Kennzahlen des Stadtrats für ausreichend.

Grüne, SP und GLP betonen, dass eine starre Obergrenze den Handlungsspielraum der Stadtverwaltung stark einschränke. Die FDP unterstützt die Motion, da sie «Hand in Hand» mit der eigens lancierten Initiative «Personalbremse Uster» gehe. Die Abstimmung fällt knapp aus: Nach 17 zu 17 Stimmen entscheidet Ratspräsident Ali Özcan, dass die Motion erneut mit 18 zu 17 Stimmen abgelehnt wird.

Kinder aktiv einbeziehen

Für die Zukunft der Stadt Uster sind aber nicht nur die Mitarbeitenden wichtig, sondern auch die Kleinen. Dass Kinder die Zukunft sind, darin ist man sich grundsätzlich einig. Und doch gehen die Meinungen zur Motion von Nina Nussbaumer (SP), Marco Kranner (GLP), Walter Meier (EVP) und Lukas Adam (Grüne) auseinander.

Mit dieser fordern sie den Stadtrat auf, ein vierjähriges Pilotprojekt für offene Arbeit mit Kindern im Mittelstufenalter aufzusetzen, das Freizeitangebote, Beratung, Partizipation und Gesundheitsförderung umfasst. Die Kosten würden sich pro Jahr auf zirka 160'000 Franken belaufen.

Ziel ist es, die bestehende Lücke in der offenen Arbeit für Neun- bis Zwölfjährige zu schliessen, indem die Kinder aktiv in Entscheidungen einbezogen werden, die sie betreffen. So erhalten sie die Möglichkeit, eigene Erfahrungen zu sammeln, sich mit den Angeboten zu identifizieren und gleichzeitig dazu beizutragen, dass die Stadt kinderfreundlicher wird. Die GLP/EVP-Fraktion unterstützt das Projekt und betont, dass Schutz und Mitwirkung der Kinder entscheidend für die Zukunft der Stadt sind.

Bestehende Angebote genügen

Kritische Stimmen kommen insbesondere aus der SVP/EDU- und der FDP/Mitte-Fraktion. SVP/EDU-Sprecher Markus Zoller (SVP) stellt den Nutzen des Projekts grundsätzlich infrage: Die beschriebenen Angebote seien wenig konkret und würden sich aus seiner Sicht mit bestehenden Strukturen wie Schule, Elternhaus oder vorhandenen Unterstützungsstellen überschneiden.

Auch die FDP/Mitte-Fraktion zeigt sich zurückhaltend. Zwar erkennt sie eine Angebotslücke für die Mittelstufe an, weist jedoch darauf hin, dass bestehende Angebote wie Vereine bereits pädagogisch wertvoll sind.

Wie beim Personalaufwand fällt auch hier die Abstimmung knapp aus: Ratspräsident Ali Özcan entscheidet, wodurch die Motion mit 18 zu 17 Stimmen überwiesen wird.

Bäume bewegen

Auch der Schutz der Bäume ist ein wiederkehrendes Thema im Ustermer Parlament. Das Postulat der Fraktion der Grünen verlangt vom Stadtrat, zu prüfen, wie er bei eigenen Projekten den Bestand an Bäumen besser schützen kann.

Patricio Frei (Grüne) betont die zentrale Bedeutung von Bäumen für die Stadt und verweist auf einen Rückgang des Kronendeckungsgrads – also der von Bäumen bedeckten Fläche – im gesamten Siedlungsgebiet. Er fordert, dass die Stadt bei eigenen Projekten mit gutem Beispiel vorangeht.

Die Fraktionen bewerten das Anliegen unterschiedlich. Während SP sowie GLP/EVP das Postulat unterstützen und betonen, dass sowohl der Schutz bestehender Bäume als auch Neupflanzungen für die Stadtentwicklung wichtig seien, fordert die GLP/EVP zusätzlich, den Baumerhalt auch bei Baugesuchen stärker zu gewichten und weiterzudenken.

Die FDP/Mitte- sowie die SVP/EDU-Fraktion hingegen lehnen den Vorstoss ab. Sie verweisen auf bestehende gesetzliche Grundlagen und laufende Arbeiten und warnen vor zusätzlichem Aufwand sowie möglichen Einschränkungen für Bauprojekte.

Das Postulat wird letztlich mit 18 zu 16 Stimmen überwiesen.

Zudem hat der Gemeinderat entschieden

– Das Postulat «Essbare Stadt» der Fraktion der Grünen wird mit 25 zu 5 Stimmen abgewiesen.

– Das Postulat «Die Stadt Uster setzt konsequent auf den öffentlichen Verkehr» von Paul Stopper (BPU) wird mit 28 zu 2 Stimmen abgewiesen. (tas)

Abo

Möchten Sie weiterlesen?

Liebe Leserin, lieber Leser

Nichts ist gratis im Leben, auch nicht Qualitätsjournalismus aus der Region. Wir liefern Ihnen Tag für Tag relevante Informationen aus Ihrer Region, wir wollen Ihnen die vielen Facetten des Alltagslebens zeigen und wir versuchen, Zusammenhänge und gesellschaftliche Probleme zu beleuchten. Sie können unsere Arbeit unterstützen mit einem Kauf unserer Abos. Vielen Dank!

Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

Sie sind bereits Abonnent? Dann melden Sie sich hier an

Digital-Abo

Mit dem Digital-Abo profitieren Sie von vielen Vorteilen und können die Inhalte auf zueriost.ch uneingeschränkt nutzen.

Sind Sie bereits angemeldet und sehen trotzdem nicht den gesamten Artikel?

Dann lösen Sie hier ein aktuelles Abo.

Fehler gefunden?

Jetzt melden.