Ein Ende für das Ortsmuseum – ein neues Zuhause für Wilas Geschichte
Ein Ende kann auch ein Anfang sein – das ist beim Ortsmuseum Wila der Fall. Der Abschied aus dem Batzhaus markiert nicht das Ende der Ortsgeschichte, sondern ihren Neuanfang.
Die Tage des Ortsmuseums Wila sind gezählt: Das Batzhaus, in dem die Sammlung untergebracht ist, wird umgebaut. Mit der Annahme des Objektkredits bei der kürzlich durchgeführten Urnenabstimmung ist es definitiv: Das Ortsmuseum muss die Räume verlassen. Künftig soll das historische Gebäude als Mehrzweckhaus genutzt werden – mit der Bibliothek als neuem Herzstück.
Letzte Sonderausstellung im alten Batzhaus
Am Sonntag, 12. April, öffnet das Ortsmuseum Wila zum letzten Mal die Türen für die Sonderausstellung «Nudli Felsenegg – die Teigwarenfabrik Hotz in Wila» um 14 Uhr an der Tösstalstrasse 33.
«Schon seit dem Umzug ins Batzhaus im Jahr 2010 war bekannt, dass dies nur eine Übergangslösung ist», sagt Wolfgang Wahl, Präsident der Ortsmuseumskommission. «Dass aus dem ‹vorübergehend› 16 Jahre wurden, dafür sind wir dankbar.»
Der geschlossene Rücktritt der vier Kommissionsmitglieder habe verschiedene Gründe und stehe nicht im Zusammenhang mit der Neuausrichtung. Wahl selbst wird der Gemeinde Wila künftig als Geschichtsbeauftragter erhalten bleiben. Der pensionierte Historiker und Archivar versteht sich dabei als Hüter und Vermittler des lokalen Kulturerbes. Als fachliche Anlaufstelle für historische Fragen, als Forscher zur Ortsgeschichte und als Erzähler, der Wissen lebendig macht. Ob bei Vorträgen, Führungen oder in der Arbeit mit Archivalien – Wahl will Geschichte nicht nur bewahren, sondern zugänglich machen. Langfristig soll daraus auch eine fundierte Ortsgeschichte respektive eine neue Chronik für Wila entstehen.
Was dies für das Ortsmuseum bedeutet
Wolfgang Wahl zufolge markiert der Umbruch den Beginn einer neuen Phase. «Es ist an der Zeit, die Vermittlung von Ortsgeschichte neu zu denken», sagt Wahl.
Wie diese neue Form aussehen kann, zeigt ein Besuch im Schaudepot Tösstal in Turbenthal. Dort werden wir von Wolfgang Wahl sowie Fritz Fuhrimann und Anne Caroline Liechti erwartet. Fuhrimann ist Präsident des Museumsvereins Turbenthal, Liechti ist vom Verein als Beauftragte für die Sammlung engagiert.



Untergebracht ist das Schaudepot unterhalb des Schulhauses Risi in einer ehemaligen Zivilschutzanlage, die vor sechs Jahren übernommen und in rund 1400 Stunden Fronarbeit ausgebaut wurde. Seit 2024 ist das Schaudepot öffentlich zugänglich.
Ähnliche Ausgangslage
Auch die Sammlung des Ortsmuseums Wila soll künftig hier eingelagert werden. «Ähnlich wie Wila standen auch wir vor der Frage, wie es weitergehen soll», erklärt Fuhrimann. Zwar ist ein Teil der Turbenthaler Sammlung noch im historischen Stiefelhaus untergebracht, doch Platzmangel und ungeeignete Lagerbedingungen machten eine neue Lösung nötig.
Im Bunker herrschen konstante, kühle Temperaturen – ideale Voraussetzungen für empfindliche Exponate. «Temperatur und Luftfeuchtigkeit lassen sich gut regulieren, zudem fehlt schädliches Tageslicht», erklärt Liechti. Die erfahrene Museumsfachfrau inventarisierte bereits die rund 3500 Objekte der Turbenthaler Sammlung und wird sich nun auch der etwa 1000 Wilemer Exponate annehmen. «Die Sammlung bleibt Eigentum von Wila, sie erhält hier lediglich einen professionellen Standort», betont sie.
Bei einem Rundgang durch die Räumlichkeiten fällt die Professionalität auf, mit welcher die Exponate nach Themengebieten geordnet und beschriftet sind. Detailreich und lebensnah wird hier das Kulturerbe lebendig weitervermittelt – und ist viel mehr «Schau» als bloss «Depot».







Wolfgang Wahl sieht im Umzug denn auch eine Chance. «Künftig wollen wir stärker auf Vernetzung und Austausch setzen», sagt er. «So können neue Projekte entstehen.»
Daraufhin entsteht ein reger Gedankenaustausch zwischen der Expertin und den zwei Experten. Ideen werden angedacht, Anekdoten erzählt. «In der Kulturvermittlung sind persönliche Geschichten aus dem früheren Alltag das Fleisch am Knochen», sagt Anne Caroline Liechti.
Dass das Ortsmuseum sein bisheriges Zuhause der Bibliothek überlässt, bedauert Wahl nicht weiter. «Die Sammlung wird im Schaudepot weiterleben.» Das Privatbestandsarchiv werde weitergeführt, ebenso die Ortsgeschichte weiter erarbeitet und vermittelt – unter anderem online. Auch Ausstellungen sollen weiterhin möglich sein. «Wir werden künftig einfach zuerst bei der Trägerschaft anfragen müssen, wenn wir im neuen Mehrzweckhaus einen Raum für eine Sonderausstellung benötigen.»
Geschichte der Kulturerbearbeit in Wila im Überblick
1921: «Chronik der Gemeinde Wila» von Hermann Lüssi erscheint.
1978–1980: Renovation der Kirche Wila, Publikation der Kantonalen Denkmalpflege (KDP) dazu 2007.
1978: Gründung einer Heimatmuseumskommission durch den Gemeinderat.
1980–2008: Sammlung von Objekten durch Hans König und Hansjörg Leiser, Ausstellungen im Sekundarschulhaus, Führungen, Beratungen.
1990er Jahre: Geschichtswerkstätten «Grabe-wo-du-stehst», organisiert vom Verein Weberei Rosenberg respektive von Martin Widmer.
1994–2014: Jahreschroniken von Walter Fankhauser, Schriften zu Kirche und Kindergarten Wila und zum Schulhaus Talgarten.
2002: 24 Gebäudetafeln «Spuren der Zeit», organisiert durch den Verkehrsverein Wila.
2005: Gründung des Vereins Alte Windenmacherei Brüngger Wyla.
2008: Othmar Breitenmoser wird Nachfolger von Hans König.
2010: Gebäude Tösstalstrasse 33 wird Ortsmuseum wegen Renovation des alten Sekundarschulhauses.
2012: Gründung einer Ortsmuseumskommission, Leiterin Karin Fink-Batz (bis 2014), Othmar Breitenmoser und Silvia Bosshard, beide bis 2026 dabei, René Lang bis 2014.
2026: Rücktritt aller Kommissionsmitglieder aus verschiedenen Gründen.