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Kultur

Hier hält der Museumsverein die Turbenthaler Geschichte lebendig

Der Museumsverein Turbenthal öffnet die Türen seines Schaudepots. Dort hat es noch viel Platz – aus einem guten Grund.

Museumsfachfrau Anne Caroline Liechti zeigt einen alten Brechbock, auf dem Flachsstängel zerquetscht wurden.

Foto: Bettina Schnider

Hier hält der Museumsverein die Turbenthaler Geschichte lebendig

Neues Schaudepot

Über 3000 Objekte lagert der Museumsverein Turbenthal in seinem neuen Depot. Obwohl er diese der Öffentlichkeit zeigen will, ist es trotzdem kein Museum.

Die Gittertür gleich unterhalb des Schulhauses Risi in Turbenthal ist unscheinbar. Hinter ihr befindet sich die ehemalige Zivilschutzanlage – ein Labyrinth mit zahlreichen Räumen.

Sie beherbergen Gegenstände, die man in einer solchen Anlage nicht erwartet: Mistgabeln, landwirtschaftliche Geräte, Schulbänke oder alte Ski. Gemeinsam sind sie Teil des Schaudepots, das der Museumsverein Turbenthal hier eingerichtet hat.

«Bis vor etwa drei Jahren lagerten wir viele unserer Objekte im Ortsmuseum im Stiefelhaus», sagt Fritz Fuhrimann. Er ist langjähriges Vorstandsmitglied und seit diesem Jahr Vereinspräsident. «Und dort ist vieles verrottet.» Ausserdem fehlte es an Platz.

Ohne «Entsammeln» geht es nicht

Es war also Zeit, die Sammlung neu zu organisieren – und an einen geeigneteren Ort zu bringen. Fündig wurde der Verein per Zufall in der alten Zivilschutzanlage. Diese darf er unentgeltlich nutzen. Doch mit dem Transport der Sammlung war die Arbeit noch nicht getan. Es musste auch ein neues Konzept her.

Dafür zuständig war unter anderem Anne Caroline Liechti. Die Museumsfachfrau ist beim Verein als Sammlungsbeauftragte angestellt.

«Als Erstes mussten wir uns die Frage stellen, was wir eigentlich sammeln wollen», erklärt sie. Es galt, gewisse Schwerpunkte zu setzen. Und einige Gegenstände habe man «entsammelt».

So zum Beispiel die zahlreichen Schreibmaschinen. Behalten konnte der Verein nicht alle. «Wir haben leider keine Abnehmer mehr gefunden, daher mussten wir einige entsorgen», sagt Liechti.

3109 Zeitzeugen

«Für uns ist wichtig, dass die Gegenstände einen Bezug zum Tösstal haben», erklärt Fuhrimann. Gleichzeitig wolle man bestehende Museen ergänzen. «Wir haben hier keine Textilmaschinen, denn es gibt ja das Textilmuseum Neuthal.»

Trotzdem hat die Sammlung des Museumsvereins eine stattliche Grösse. Wie gross, weiss Anne Caroline Liechti ganz genau: «Wir haben zurzeit 3109 Gegenstände im Inventar, die ältesten davon stammen von Ende des 18. Jahrhunderts.»

Jeder davon hat eine Nummer, wurde fotografiert und ist elektronisch erfasst. «So können wir auch wichtige Informationen zum Gegenstand und seinen Kontext festhalten», erläutert die Museumsfachfrau.

Zudem steht im Inventar, wo sich das Objekt im Depot befindet. Insgesamt nutzt der Verein 18 Räume – aufgeteilt auf gut 600 Quadratmeter.

Diese hat der Verein in den letzten Jahren leicht saniert und frisch gestrichen. 2650 Arbeitsstunden stecken im Projekt, davon wurden gemäss dem Vereinspräsidenten rund 1300 davon ehrenamtlich geleistet.

Drei Schwerpunkte

Doch ohne Geld hätte sich das Schaudepot nicht realisieren lassen. Der Museumsverein Turbenthal hat vom Kanton rund 90’000 Franken als Beitrag für ein sogenanntes Transformationsprojekt erhalten. Diese Gelder waren Teil der Corona-Hilfen für Kulturinstitutionen. Sie sind dazu da, dass sich diese strukturell neu ausrichten und Publikum gewinnen können.

Denn das Schaudepot, wie es der Name schon sagt, soll nicht nur die Objekte der Ortsgeschichte bewahren. An bestimmten Tagen wird es die Türen für die Öffentlichkeit öffnen, auch Führungen sind geplant.

«Dabei setzen wir drei Schwerpunkte», sagt Fuhrimann. «Die Geschichten von Kinderbuchautorin Olga Meyer, die Entwicklung vom Kleinbauerntum zur Industrie und die Geschichte der Gemeinde.»

Entsprechend wurden die Räume thematisch gestaltet. In einem stehen alte Schulbänke und Utensilien aus dem Klassenzimmer, daneben befinden sich historische landwirtschaftliche Maschinen. Auch der Geschichte des Gewerbes wird viel Platz gewidmet.

Schaudepot will kein Museum sein

Wie man es sich aus einem Museum gewohnt ist, finden sich an den Wänden Fotos und kurze Texte über Persönlichkeiten aus der Region.

Es war auch oft ein hartes Leben, mit viel harter Arbeit.

Anne Caroline Liechti

Anne Caroline Liechti freut sich besonders darauf, Schulkindern die Ortsgeschichte von Turbenthal näherzubringen. «Wichtig ist, dass man eine Verbindung zu heute herstellen kann», erklärt sie.

«Wenn man beispielsweise zeigt, wie damals vieles sehr aufwendig in Handarbeit hergestellt und lange verwendet wurde, ist das nachhaltig.» Trotzdem wolle man nicht den Eindruck erwecken, früher sei alles besser gewesen. «Es war auch oft ein hartes Leben, mit viel harter Arbeit.»

Mann und Frau stehen vor einem Gestell
Museumsfachfrau Anne Caroline Liechti und Vereinspräsident Fritz Fuhrimann im neuen Schaudepot des Museumsvereins.

Dennoch wird das Schaudepot kein eigentliches Museum sein. «Wir werden weiterhin thematische Ausstellungen im Ortsmuseum durchführen», betont Vereinspräsident Fuhrimann. Die benötigten Objekte hole man dann im Depot ab.

Sammlung ist nicht fertig

Und der Platz in der alten Zivilschutzanlage ist nicht nur für Gegenstände aus Turbenthal gedacht. Haben andere Ortsmuseen aus der Region zum Beispiel ähnliche Platzprobleme, können auch sie einen Teil ihrer Sammlung hier lagern.

Obwohl die Räume entfeuchtet werden müssen, herrschen gute Bedingungen. «Es ist zwar im Winter etwas kalt und ungemütlich, das macht den Objekten aber nichts», bestätigt Fuhrimann. «Wichtig ist, dass der Temperaturabfall nicht sofort, sondern langsam geschieht», ergänzt die Museumsfachfrau.

Platz hat der Museumsverein noch genug. Auch seine eigenen Gestelle im Depot sind noch nicht voll – aus guten Gründen. «Unsere jüngsten Objekte stammen aus den 1970er Jahren», sagt Liechti.

Doch die Sammlung ist damit nicht abgeschlossen. «Im Verein stellen wir uns immer wieder die Frage, wie es dereinst weitergeht», sagt Fuhrimann. «Wo hört das Sammeln auf?»

Das zu klären, sei eine Aufgabe für die Zukunft. Anne Caroline Liechti hingegen ist überzeugt, dass bald auch neuere Objekte ins Schaudepot kommen: «Es braucht manchmal etwas zeitlichen Abstand, bis man den Sammlungswert eines Gegenstands erkennt.»

Eröffnungsfest

Am Samstag, 23. September, öffnet der Museumsverein zum ersten Mal die Türen zum Schaudepot für die Öffentlichkeit. Um 9.30, 13.30 und 15 Uhr finden Führungen statt. Zudem gibt es eine Festwirtschaft und Mitmachangebote – auch für Kinder. Der Eintritt ist frei, ein Unkostenbeitrag willkommen. Mehr Informationen findet man auf der Website des Museumsvereins.

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