Der Olympia-Neuling profitiert auch neben der Loipe vom Höhenflug
Nicola Wigger hat an den Winterspielen bisher überzeugt. Der Gibswiler läuft unter dem Motto: «Ich kann bringen, was ich habe.»
Wie erlebt Nicola Wigger seine Premiere?
Seine Geschichte hätte man nicht besser schreiben können. Wie Nicola Wigger bei letzter Gelegenheit die Selektionskriterien erfüllte, tags darauf die Olympia-Kleider fasste und nun, knapp drei Wochen später, an seinen ersten Spielen auf drei gelungene Rennen zurückblicken kann. «Es ist extrem schön, wie im Moment alles aufgeht.» Der Gibswiler ist im Hoch und schwärmt: «Es ist genial.» Dabei sind die Spiele als Ganzes für ihn gar nicht so richtig fassbar. Mit den Begegnungen und Erlebnissen, die seine Eltern Jeremias Wigger und Sylvia Wigger-Honegger bei ihren drei Olympia-Teilnahmen machten, kann er nicht mithalten.
Der Grund dafür ist simpel: Die Schweizer Langläufer wohnen nicht im Athletendorf, sondern im Hotel und bewegen sich in einer Blase, um ihre Gesundheit möglichst gut zu schützen. Das macht aus sportlicher Sicht Sinn. In Wiggers Brust schlägt aber auch ein anderes Herz. «Ich lerne gerne neue Leute kennen und erlebe etwas», sagt er und weiss: «Wenn viel los ist, nutze ich dies als positive Energie.» Für den 24-Jährigen ist darum klar: Er möchte einmal dasselbe wie seine Eltern erleben. «Mit einem Village und vielen Leuten.»
Welche Bilanz zieht er nach drei von vier Rennen?
Eine durchwegs positive. Druck hat sich Nicola Wigger im Vorfeld keinen gemacht und darauf verzichtet, Rangziele festzulegen. Er trat unter dem Motto an: «Ich kann bringen, was ich habe.» Dass er gut in Form ist, war ihm klar. Und das zeigen jetzt auch die Resultate des Langläufers, der im Weltcup erst einmal in die Top 30 lief. Im Skiathlon klassierte sich Wigger auf Rang 30, danach wurde er in seiner wohl schwächsten Disziplin über 10 km im Skating-Stil 24. «Das kam viel überraschender als der 30. Platz vorher. Da hatte ich mit meiner Form etwas mehr erwartet.»
In der Staffel (Rang 9) erledigte der Olympia-Neuling seine Aufgabe. Für ihn ein Zeichen seiner körperlichen und mentalen Fortschritte. Vor zwei Jahren beim Staffel-Debüt im Weltcup sei er am Druck zerbrochen, sagt Wigger. «Dieses Mal war ich vor dem Start völlig ruhig und konnte meine Leistung abrufen.» Am Samstag läuft Wigger zum Abschluss das Rennen über 50 km. Was ihn erwartet, kann er nicht einschätzen. Der Tösstaler ist erst einmal über diese Distanz angetreten. Erneut packt er das Rennen ohne Rangziel an. Der Ansatz ist derselbe wie zuletzt: «Mit positiven Emotionen laufen.»
In welchen Bereichen profitiert er von Olympia?
An erster Stelle sportlich. Wigger sammelt auf bestmöglichem Niveau Erfahrungen. Direkt nach Olympia darf er an den Weltcups in Schweden, Finnland und Norwegen starten. «Den Flow weiterziehen» will der Gibswiler im hohen Norden. Und spricht zugleich von Riesenchancen, die sich ihm durch die Weltcup-Starts bieten. Nicht nur in der Loipe hat ihm die Olympia-Teilnahme Schub gegeben, auch daneben spürt er diesen. «Es ging extrem viel rundherum», sagt Wigger. In den sozialen Medien oder in Nicis Circle.
Letzteres ist ein Gönnerklub, den der für seine originellen Beiträge in den sozialen Medien bekannte Langläufer erst vor zwei Wochen ins Leben rief. Für den Jahresbeitrag von 200 Franken gibt es unter anderem einen Langlaufausflug, vor allem aber regelmässige Updates und Rennberichte auf privater Ebene. «Da bringe ich die Emotionen roh rüber», sagt Wigger. Aktuell in Form von Videos von den Olympischen Spielen, die ein idealer Startpunkt für den Gönnerklub waren. 50 Mitglieder hat dieser schon. «Es funktioniert extrem gut», sagt Wigger. Olympia hat vieles ausgelöst bei ihm. Und werde ihm auch nach der Karriere helfen, ist er überzeugt. «Das Ganze zeigt mir: Wenn man lange für etwas hart arbeitet, kann es aufgehen.»