Wirtschaft

Pläne für Beteiligung

GZO Spital und Gemeinden wollen Deal mit Thurmed

Die Thurgauer Spitalgruppe plant, beim Spital Wetzikon mit einer Mehrheitsbeteiligung einzusteigen. Der GZO-Verwaltungsrat und die Aktionärsgemeinden sehen darin das beste Angebot für die Gläubiger.

GZO Spital und Gemeinden wollen Deal mit Thurmed

Angebot aus dem Thurgau

Die Thurgauer Spitalgruppe plant, beim Spital Wetzikon mit einer Mehrheitsbeteiligung einzusteigen. Der GZO-Verwaltungsrat und die Aktionärsgemeinden sehen darin das beste Angebot für die Gläubiger.

Drei Kauf- beziehungsweise Übernahmeangebote für das GZO Spital Wetzikon lagen zuletzt auf dem Tisch. Die US-Beteiligungsgesellschaft Kawa mit dem Spitalbetreiber Swiss Medical Network und die Thurgauer Spitalgruppe Thurmed interessieren sich für das kriselnde Wetziker Spital. Und erst am Mittwochmorgen wurde bekannt, dass auch die Immobiliengesellschaft Infracore eine Offerte unterbreitet hatte.

Nur wenige Stunden später wurde klar, welche Option der Verwaltungsrat des GZO Spitals und die elf verbliebenen Aktionärsgemeinden weiterverfolgen werden: das Angebot der Thurmed. Der Entscheid fiel nach einer wochenlangen Prüfung der verschiedenen Optionen.

«Die Analyse hat ergeben, dass mit dem Angebot der Thurmed AG zur strategischen Beteiligung an der GZO AG eine wirtschaftlich tragfähige Sanierung mit der höchsten Nachlassdividende für die Gläubiger resultiert», heisst es in einer um 17 Uhr verschickten Mitteilung des Spitals.

Die Aktionärsgemeinden schreiben von einer «soliden und nachhaltigen Sanierungslösung». Und auch die Sachwalter des Spitals, die die laufende Nachlassstundung begleiten, schreiben vom «besten Ergebnis für die Gläubiger».

Höhere Nachlassdividende und Beteiligung an Neubau

Konkret verspricht der Deal eine Nachlassdividende von bis zu 47,5 Prozent für die Gläubiger. Mit dem bisher vorliegenden Sanierungskonzept hätten die Gläubiger nur 30 bis 35 Prozent ihrer Investitionen zurückerhalten.

Mittelfristig sieht das nun präsentierte Angebot vor, dass die Thurmed eine Mehrheit von 51 Prozent der Aktien des GZO Spitals übernehmen wird. Die restlichen 49 Prozent sollen gemäss dem heutigen Verteilschlüssel bei den elf Aktionärsgemeinden verbleiben. Über einen Aktionärsbindungsvertrag sollen sie weiterhin bei strategischen Fragen mitreden können.

Die Mehrheitsbeteiligung ist eine Voraussetzung, damit auch der Thurgauer Regierungsrat der Vereinbarung zustimmt. Diese Zustimmung ist wiederum zwingend nötig, da die Thurmed AG dem Kanton Thurgau und damit der öffentlichen Hand gehört.

Insgesamt will die Thurmed AG 35 Millionen Franken in das GZO Spital einschiessen. Darüber hinaus sieht das Angebot ein Darlehen von weiteren 35 Millionen Franken vor. Es ist für die Fertigstellung des Neubaus bestimmt.

Thurmed AG: «Keine staatlichen Mittel»

Über das vorliegende Angebot und den Nachlassvertrag entscheiden müssen schliesslich die Gläubiger. Geplant ist die Gläubigerversammlung in der zweiten Oktoberhälfte.

Stimmen die Gläubiger dem Nachlassvertrag zu, stellt die Thurmed AG in einem ersten Schritt ein sogenanntes Wandeldarlehen über 7 Millionen Franken in Aussicht. Damit soll der Schuldenschnitt verbessert werden, und die Gläubiger sollen schon mit einer ersten Auszahlung mehr Geld erhalten. Der überarbeitete Nachlassvertrag sieht eine sofortige Barausschüttung von 29 Prozent vor.

Nach einer erfolgreichen finanziellen Sanierung und der Übernahme der Mehrheitsbeteiligung würde das Wandeldarlehen in Aktienkapital umgewandelt. Die Finanzierung soll explizit über eigenes Kapital der Thurmed AG erfolgen. «Es fliessen keine staatlichen Mittel», schreibt die Spitalgruppe in einer eigenen Mitteilung.

Derzeit noch offen lässt die Thurmed AG, ob sie die Option einer Mehrheitsbeteiligung definitiv ergreifen möchte. Der definitive Entscheid soll bis Ende 2027 fallen. Voraussetzung dafür sei ein positives Ergebnis der laufenden Prüfung. Dazu gehören eine Unternehmensanalyse, die Erarbeitung eines Businessplans sowie eine vertiefte Prüfung der Realisierbarkeit des Bauprojekts. Eine Mehrheitsbeteiligung komme nur infrage, wenn die Thurmed langfristig wirtschaftlich und qualitativ profitiere.

Sollten die Ergebnisse der Prüfung positiv ausfallen und sich der Verwaltungsrat der Thurmed AG für eine Mehrheitsbeteiligung entscheiden, muss schliesslich noch der Thurgauer Regierungsrat zustimmen. Bei einem negativen Entscheid müsste die GZO AG das Wandeldarlehen innerhalb von 15 Jahren zurückzahlen.

Gemäss den Aktionärsgemeinden handelt es sich beim Angebot um «eine einmalige Chance für die GZO AG und den Spitalstandort Wetzikon». Die Beteiligung sei ein erster bedeutender Schritt hin zur angestrebten Verbundslösung mit weiteren Spitälern und Gesundheitsversorgern.

Übrige Angebote überzeugen nicht

Das GZO Spital äussert sich auch zu den beiden anderen bekannten Kauf- und Übernahmeangeboten. Sie konnten die Spitalführung nicht überzeugen. Während der Verhandlungen über das Angebot von Kawa und dem Swiss Medical Network habe sich herausgestellt, dass in verschiedenen Bereichen «keine einfachen Lösungen» erkennbar seien.

Dies hätte zu längeren Verhandlungen geführt. Und letztlich hätte dadurch «keine realistische Aussicht mehr auf einen Vollzug der Veräusserung der Immobilien und des Spitalbetriebs bestanden», begründet das Spital die ablehnende Haltung.

Ebenfalls nicht weiterverfolgt wird das Angebot von Infracore. Es hätte eine sogenannte Sale-and-Leaseback-Transaktion für die Immobilien vorgesehen. Die GZO AG stützt sich bei der Beurteilung auf eine Prüfung des Finanzberaters PwC. Diese habe ergeben, dass das Angebot nicht ohne zusätzliche externe Finanzierung tragbar gewesen wäre.

Bei dieser Variante wären zudem sowohl das Angebot der Thurmed AG wie auch die zugesicherte Aktienkapitalerhöhung um 50 Millionen Franken durch die Aktionärsgemeinden nicht realisierbar gewesen. Und nicht zuletzt liege auch keine Finanzierungszusage von Infracore für den Erweiterungsbau vor.

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