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Geschäftsbericht 2025

Vertiefter Blick in die GZO-Zahlen zeigt: Das Wachstum ist beschränkt

Mehr stationäre Fälle, dadurch mehr Einnahmen, ein um 3,1 Millionen gesteigerter Betriebsertrag: Das alles klingt beim GZO Spital Wetzikon rosig. Doch der Schein trügt.

Hat seinen Geschäftsbericht publiziert: das GZO Spital Wetzikon.

Foto: Simon Grässle

Vertiefter Blick in die GZO-Zahlen zeigt: Das Wachstum ist beschränkt

Mehr stationäre Fälle, dadurch mehr Einnahmen, ein um 3,1 Millionen gesteigerter Betriebsertrag: Das alles klingt beim GZO Spital Wetzikon rosig. Doch der Schein trügt.

«GZO Spital Wetzikon steigert Umsatz und Patientenzahlen.» So betitelt das Regionalspital am Freitagmorgen eine verschickte Medienmitteilung, in der es auf die Geschäftszahlen des vergangenen Jahrs schaut.

Das Gesundheitsinstitut steckt seit April 2024 in der Nachlassstundung, weil es eine Anleihe in dreistelliger Millionenhöhe für den Bau seines Neubaus nicht zurückzahlen konnte. Erst vor wenigen Wochen wurde die Nachlassstundung, die dafür sorgt, dass das Spital vor seinen Gläubigern geschützt ist, ein letztes Mal bis Ende 2026 verlängert.


>> Lesen Sie hier, was bisher in der Wetziker Spitalkrise passiert ist.


Wichtige Grundvoraussetzung, um die Nachlassstundung bestreiten zu können, war das Sicherstellen eines funktionierenden Betriebs. Dass dieser auch 2025 stabil war, zeigt ein erster Blick auf die Zahlen:

  • ein gegenüber dem Vorjahr um 3,1 Millionen Franken (entspricht 2 Prozent) gesteigerter Betriebsertrag von 155,7 Millionen Franken,
  • eine Zunahme im stationären Geschäft von 477’000 Franken
  • und eine Steigerung im ambulanten Bereich von 1,3 Millionen Franken.

Das Wachstum der Fälle

9211 stationäre Fälle entsprechen einem Wachstum gegenüber dem Vorjahr um 4,3 Prozent, gleichzeitig wurde das Budget übertroffen. «Die gestiegenen Fallzahlen zeigen, dass die Bevölkerung sowie die zuweisenden Ärztinnen und Ärzte weiterhin grosses Vertrauen in unser medizinisches Angebot setzen. Trotz der anspruchsvollen Situation konnten wir die Versorgung jederzeit auf hohem Niveau sicherstellen», wird Spitaldirektor Hansjörg Herren in der Mitteilung zitiert.

Das Patientenwachstum setzte sich auch in diesem Jahr fort: In den ersten fünf Monaten behandelte das GZO rund 3 Prozent mehr stationäre Patienten als in der gleichen Vorjahresperiode. Zu ambulanten Fällen macht das Spital hingegen keine näheren Angaben.

Zudem konnte das Spital 2025 obendrein einen Mehrertrag von 1,1 Millionen Franken durch die Erhöhung der Fallpauschale von 9950 auf 10’100 Franken verbuchen. Die Fallpauschale ist ein Abrechnungssystem im Spitalwesen, bei dem medizinische Behandlungen unabhängig von der tatsächlichen Aufenthaltsdauer des Patienten mit einem fixen Pauschalbetrag auf Basis der jeweiligen Diagnose vergütet werden.

Der gelöste Abrechnungsstau

Ein detaillierter Blick in den Geschäftsbericht zeigt allerdings: Trotz diesen operativen Zunahmen in den Abteilungen sind die Nettoerlöse aus Lieferungen und Leistungen um rund 1,3 Millionen Franken gesunken. Dass der Betriebsertrag 2025 dennoch so positiv ausfällt, verdankt das Spital primär dem Umstand, dass es im Vergleich zum Vorjahr keinen Abrechnungsstau mehr gibt.

2024 konnten nämlich erbrachte Leistungen in Höhe von 4,28 Millionen Franken nicht abgerechnet werden, was den damaligen Betriebsertrag massiv drückte. Grund dafür waren vertragliche Unklarheiten mit Zusatzversicherern. 2025 hat sich dieser Abrechnungsstau normalisiert. Es mussten nur noch 464'000 Franken abgezogen werden. Und dieser deutlich geringere Abzug wirkte sich mathematisch wie ein massiver Ertragsschub auf den gesamten Betriebsertrag aus.

Die nach wie vor hohen Beraterkosten

Auf der anderen Seite blieb der Betriebsaufwand fast unverändert. Er stieg um rund 700’000 Franken auf 154,4 Millionen Franken (Vorjahr: 153,7 Millionen). Stellt man Umsatz und Aufwand einander gegenüber, resultiert ein Betriebsgewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 1,3 Millionen Franken (2024: –1,2 Millionen). Dies entspricht einer Ebitda-Marge von 0,8 Prozent.

Das betriebliche Ergebnis wird jedoch durch nicht wiederkehrende Kosten belastet, wie das Spital schreibt. So erwähnt der Finanzbericht «Beraterhonorare und Sachwalterkosten im Zusammenhang mit der Restrukturierung» – eine Summe von 4,4 Millionen Franken. Oder: Rückstellungen für «Prozesskosten, periodenfremde Aufwände sowie bestrittene Forderungen gegenüber dem Personal» – 0,7 Millionen Franken.

«Ohne diese Einflussfaktoren wäre das Ebitda bei 7,9 Millionen Franken, was einer Ebitda-Marge von 5 Prozent entsprechen würde», heisst es in der Mitteilung. 2024 hätte das GZO ohne Berater- und Restrukturierungskosten ein Ebitda von 5,6 Millionen Franken sowie eine Ebitda-Marge von 3,7 Prozent erzielt.

Allerdings läge die 2025 um 1,3 auf 5 Prozent gesteigerte Marge immer noch weiter unter der Marke von 8 Prozent, welche die Zürcher Gesundheitsdirektion als Zielwert festgelegt hat. Erst bei Erreichen derselben sind Spitäler in der Lage, anstehende Investitionen aus ihren eigenen Mitteln zu finanzieren.

Unter dem Strich – nach weiteren ordentlichen Abschreibungen und Rückstellungen – resultiert für das Geschäftsjahr 2025 ein Verlust von 3,8 Millionen Franken.

Der Vergleich mit Uster

Am Spital Uster wurden 2025 9859 stationäre Fälle behandelt und damit knapp 7 Prozent mehr als in Wetzikon. In Bezug auf den Umsatz generierte Uster 18,3 Millionen Franken mehr als Wetzikon (174 Millionen zu 155,7 Millionen Franken). Betrachtet man das von Berater-, Prozess- und Restrukturierungskosten bereinigte Ebitda, liegt Uster 3,1 Millionen Franken vor dem GZO (11 Millionen zu 7,9 Millionen Franken). Die Ebdita-Margen liegen nur 1,3 Prozent auseinander.

Das zeigt: Der pure Spitalbetrieb in Wetzikon funktioniert ähnlich effizient wie in Uster – das GZO wird im Moment einfach von den massiven Sondereffekten seiner Sanierung erdrückt. Was auffällt: Uster holt aus einer leicht höheren stationären Fallzahl unverhältnismässig viel mehr Umsatz heraus. Das deutet darauf hin, dass Uster entweder im ambulanten Bereich mit 67’500 Fällen (keine Angaben des GZO) extrem stark aufgestellt ist oder bei den stationären Patienten einen lukrativeren Fallmix (zum Beispiel mehr zusatzversicherte Eingriffe oder komplexere Fälle) aufweist als Wetzikon. (erh)

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