Bäckerei Montanari in Wetzikon schliesst für immer
Nach 91 Jahren
Seit mehr als 90 Jahren gibt es die Bäckerei-Konditorei Montanari in Robenhausen. Ende Juli ist Schluss. Der Grund: Keine Nachfolge.
Noch im letzten September feierte Markus Montanari das 90-jährige Bestehen der gleichnamigen Bäckerei und Konditorei: Der Bäckermeister hatte mit seinem Team einen 90 Meter langen Russenzopf gebacken, die Spezialität des Hauses. Für jedes Jahr der Firmengeschichte gab es einen Meter des sündhaft leckeren Hefegebäcks.
Nur wenige Wochen zuvor hatte der Unternehmer dem Familienbetrieb eine grundlegend neue Strategie verpasst: Ende Juli 2025 schloss Montanari den Laden und das Café an der Dorfstrasse in Robenhausen und konzentrierte sich auf die Geschäftsfelder, die in seinen Augen das grösste Potenzial für die Zukunft und die grösste Wertschöpfung versprachen: das Catering, der Lieferservice und der Znüni-Service für Firmen oder Schulen.

Der Wechsel in der Strategie hatte unter anderem mit anstehenden Investitionen zu tun. Hätte Montanari den Laden und das Café weiterführen wollen, hätte er beispielsweise die Klimatechnik erneuern und die Einrichtung des Cafés modernisieren müssen.
Auch veränderte Einkaufsgewohnheiten machten dem Unternehmer mehr und mehr zu schaffen: Kundinnen und Kunden erwarten auch kurz vor Ladenschluss noch gut gefüllte Regale – mit teuren Folgen für die Bäcker.
«Die Zahlen haben gestimmt»
Ein Jahr später zieht der 53-Jährige einen Schlussstrich unter 91 Jahre Firmengeschichte. Warum gerade jetzt? Ist er mit seiner neuen Strategie gescheitert? «Überhaupt nicht», sagt der Bäckermeister, der auch ein BWL-Studium abgeschlossen hat. Mit dem Strategiewechsel im Sommer 2025 habe das nichts zu tun: «Die Zahlen haben gestimmt. Es würde auch längerfristig funktionieren.»
Der Grund für die Schliessung liegt in der Familie. Markus Montanari und Barbara Hess Montanari führen das Unternehmen in der dritten Generation. Die vierte Generation – bestehend aus zwei Töchtern und einem Sohn der Montanaris – jedoch hat kein Interesse, in die Fussstapfen ihrer Vorfahren zu treten. Eine externe Lösung, das Geschäft weiterzuführen, wurde nicht in Betracht gezogen.

Das ist zwar keine neue Erkenntnis, aber er sei vor einem Jahr «schlicht noch nicht bereit gewesen, ganz loszulassen», gibt Montanari zu. In der Zwischenzeit konnte der Entscheid reifen, er hat ihn gemeinsam mit der Familie gefällt: «Ich will selbst entscheiden können, wann ich aufhöre.»
Am 31. Juli schliesst Markus Montanari sein Unternehmen nach 91 Jahren. Alle seine Mitarbeitenden haben neue Jobs gefunden: «Das war mir wichtig.»
Was aus dem Laden und dem Café mit seinen 35 Plätzen wird, ist offen. Die Liegenschaft, zu der auch Wohnungen und Studios gehören, befindet sich im Familienbesitz: «Wir können also frei entscheiden, wie es hier weitergehen soll. Es gibt bereits ein paar Ideen, aber noch ist nichts spruchreif.»
Und noch etwas ist Markus Montanari wichtig: «Ich möchte mich bei unseren Kundinnen und Kunden für ihre Treue und für die vielen schönen Jahre bedanken.»
