Trotz Brand konnte das «Royal Landhus» in Lindau endlich öffnen
Rund 160 Tage musste Miroslava Bracher darauf warten. Doch endlich hat sie ihr Ziel erreicht und ihre Beiz in der Industrie in Tagelswangen eröffnet. Ihre Stammgäste sind überglücklich.
Nach dem Brand in Tagelswangen war Miroslava Bracher bereit für eine lange Wartezeit. Ein Feuer brannte das Bauernhaus an der Zürcherstrasse bis auf die Grundmauern nieder, nebenan steht das «Landhus», das Bracher pachtet. Eigentlich war sie bereit, ihre Beiz Royal Landhus nach Monaten endlich zu öffnen, doch der Brand zerstörte auch Teile der Terrasse, weshalb sie mit einer langen Verzögerung rechnete.
Doch auf den Schock und die Ungewissheit folgte eine Überraschung. Denn nur zehn Tage nach dem Brand konnte das «Royal Landhus» endlich die Eröffnung feiern. Am einen Tag inspizierte der Brandschutzexperte noch das Haus, am nächsten durfte die Pächterin endlich ihre langersehnten Gäste empfangen. «Die Gemeinde hat mir in Windeseile die Bewilligung gegeben», erzählt sie erleichtert.
Schäden vom Brand sind noch vorhanden. Die zerbrochenen Fenster des denkmalgeschützten Hauses wurden beispielsweise noch nicht vollständig geflickt. Sie sind so gesichert, dass sie für Gäste keine Gefahr mehr bedeuten – teilweise sind sie abgeklebt, teilweise mit Holz verbarrikadiert.
Auch die Terrasse ist zugänglich. Die übrigen Mängel, wie etwa die abgebrannten Bäume rundherum, werden nach und nach behoben. «Die Fenster sind zwar noch kaputt, doch endlich konnte ich aufmachen», sagt Bracher lachend. «Ich kann es kaum glauben.»
Am 10. Juli begrüsste die Pächterin des «Royal Landhus» ihre Gäste zum ersten Mal. «Es waren viele da», erzählt sie. «Einige haben Blumen gebracht oder sonstige Geschenke.» So konnte sie auch endlich wieder ihre Stammgäste der Effretiker Royal Bar begrüssen. Und diese konnten es auch kaum erwarten.
Effretiker Stammgäste freuen sich über Tagelswangen
Bracher führte zuvor die Royal Bar in Effretikon. Weil das Gebäude im Rahmen der Zentrumsentwicklung abgerissen werden soll, verliess sie die Gemeinde Illnau‑Effretikon. Die Suche nach einem neuen Standort blieb dort erfolglos und führte sie schliesslich in die Nachbargemeinde Lindau – zum Landhus. Da dieses Gebäude unter Denkmalschutz steht, musste sich die Pächterin durch lange Bewilligungsverfahren kämpfen, um das «Royal Landhus» herzurichten.
In einem früheren Bericht erzählte Bracher, wie ihre Stammgäste aus der Royal Bar ihr stets Mut gemacht haben – auch wenn sie schon hoffnungslos war. Einige dieser Gäste sitzen am Mittwochnachmittag auf der Terrasse und freuen sich darüber, endlich wieder ihre Lieblingswirtin besuchen zu können.
«Wir haben 160 Tage gewartet», erzählt Rolf und betont, wie sehr Bracher in ihrer Gemeinschaft geschätzt wird. Schon die Royal Bar sei dank ihr zu einem Zufluchtsort für viele Menschen gewesen, die in der Gesellschaft nur schwierig Anschluss fanden.
Bei Miroslava Bracher sind alle willkommen, unabhängig von Herkunft oder Schicht. So gewährleistet sie auch jenen ein soziales Umfeld und Bezugspersonen, die andernorts übersehen werden. Dass sich die Royal Bar auflöste, traf viele der Stammgäste. «In dieser Wartezeit waren wir alle in verschiedenen Lokalen zerstreut», erzählt Pele. «Doch nun können wir endlich wieder zusammenfinden.» Die Hoffnung haben sie niemals verloren, dafür war ihnen die Pächterin, wie auch der Treffpunkt, zu wichtig.
«Es steht und fällt mit Miroslavas Engagement», lobt Rolf. Die Stammgäste sind sichtlich glücklich über die Eröffnung des «Royal Landhus».
365 Tage offen
Die Beiz in Tagelswangen begrüsst jedoch nicht nur ehemalige, sondern auch neue Gäste. So trafen sich schon mehrmals Gruppen, die stundenlang gejasst haben, erzählt die Pächterin erfreut. Das «Royal Landhus» ist also schon voll in Betrieb.
An 365 Tagen öffnet das Lokal von 8 bis 24 Uhr. «Wenn man gute Servicemitarbeiterinnen hat, dann geht das gut», betont Bracher. Sie serviert nicht nur Getränke, sondern auch durchgehend Bratwürste, Cervelats und Pouletflügeli.
Am Wochenende ist ebenfalls um 24 Uhr Schluss. Bracher könnte zwar versuchen, eine Bewilligung zu beantragen, um den Betrieb bis 2 Uhr zu verlängern. Da winkt sie aber ab: «Jetzt ist erst mal gut so, wie es ist.» Momentan möchte sie sich auf die jetzigen Bedingungen fokussieren. In naher Zukunft soll erst mal Livemusik das «Landhus» bespielen. «Darauf freue ich mich extrem», sagt die Pächterin.