Das sind die neuen Stadträte von Uster
Engere Zusammenarbeit
Durch den Einzug von Richard Sägesser (FDP) und Daniel Frei (GLP) verändert sich die politische Ausrichtung des Ustermer Stadtrats. Im Gespräch geben sie Einblicke in ihre Ziele und Ausblicke in ihre Amtszeit.
Die Wahlen vom Sonntag hielten eine Überraschung bereit: Bauvorsteher Stefan Feldmann (SP) wurde nicht wiedergewählt, während Richard Sägesser (FDP) und Daniel Frei (GLP) den Sprung in den Stadtrat schafften. Sie waren beide für den frei werdenden Sitz von Cla Famos (FDP) angetreten.
Die frisch Gewählten sind politisch keine Unbekannten: Sägesser sass bereits im Gemeinderat von Uster, Frei war einst SP-Nationalrat. 2019 verliess Frei die Partei aufgrund eines internen Konflikts und trat später der GLP bei. Genauso wie seine Frau, die Ustermer Gemeinderätin Claudia Frei.
Aufgefallen: Ein politisches Ehepaar
Daniel Frei (GLP) im Ustermer Stadtrat, seine Frau Claudia Frei (GLP) im Stadtparlament – eine rechtlich zulässige Konstellation, wie Daniel Frei sagt. «Gemeinsam im Gemeinderat ginge auch; gemeinsam im Stadtrat wäre jedoch nicht zulässig», konkretisiert er. Entscheidend sei ein professionelles Rollen- und Funktionsbewusstsein. «Wir sind beide seit Längerem politisch aktiv und wissen, wie wir verantwortungsvoll damit umgehen.» (tas)
Frei zeigt sich nach seiner Wahl entsprechend zufrieden – mit einem derart deutlichen Resultat habe er aber nicht zwingend gerechnet, sagt er mit einem Schmunzeln. Auch das Scheitern eines bisherigen Stadtrats habe er nicht erwartet.
Gleichzeitig betont der 47-Jährige, es habe sich um eine Gesamterneuerungswahl mit offenem Ausgang gehandelt. «Ich habe mich im Wahlkampf bewusst dagegen gewehrt, dass Richard Sägesser und ich als Konkurrenten um den frei werdenden Sitz wahrgenommen werden.» Er habe nicht «einen Kampf gegen jemanden, sondern um einen Sitz im Stadtrat geführt».
Ein unterschätztes Bedürfnis
Seinen Erfolg führt Frei unter anderem auf ein Bedürfnis nach politischem Aufbruch in Uster zurück. In einzelnen Bereichen habe er während seines Wahlkampfs Unzufriedenheit in der Bevölkerung wahrgenommen; so sei beispielsweise das Trinkwasserdebakel von 2024 trotz zeitlicher Distanz weiterhin sehr präsent. «Kritisiert wird dabei weniger der Vorfall selbst als der Umgang des Stadtrats damit», sagt Frei.
Weiter seien Baubewilligungsverfahren immer wieder ein Thema, das aufgekommen sei. Diese könnten häufig nicht innerhalb der gesetzlichen Frist behandelt werden, was zu Verärgerung führe.
Dass dies beides Themen der Bauabteilung sind, also jenes Ressorts, dem der nicht wiedergewählte Stefan Feldmann vorstand, ist Frei «schon aufgefallen». Und weiter: «Niemand hat damit gerechnet, dass er den Sprung nicht mehr schafft. Aber vielleicht wurde das Bedürfnis nach Veränderung von den Bisherigen unterschätzt.»
Brückenfunktion für die GLP
Betrachtet man die neue Sitzverteilung im Stadtrat, rückt dieser politisch mit dem Einzug von Sägesser und Frei stärker in die Mitte. GLP und FDP kommen neu auf je zwei Sitze, die Grünen halten ihren Sitz, während der SP zwei verbleiben. Damit könnte die GLP bei künftigen Entscheidungen stärker ins Gewicht fallen – sie gilt im Stadtrat nun als potenzielles Zünglein an der Waage zwischen Mitte-links und den Bürgerlichen.
«Eine interessante Konstellation», so das Fazit von Frei. Die GLP verstehe sich als progressive Mittepartei, in der neuen Zusammensetzung komme ihr eine Brückenfunktion zu. Dass keines der Lager – weder links-grün noch rechts-bürgerlich – mehrheitsfähig sei, sei eine gute Ausgangslage für die kommende Legislatur.
Der Stadtrat bilde damit auch stärker das politische Spektrum der Bevölkerung ab, sagt Frei. Entscheidungen müssten deshalb breiter abgestützt und über Lagergrenzen hinweg gefunden werden. «Wir sind gezwungen, enger zusammenzuarbeiten und tragfähige Lösungen zu finden.» Ein Umstand, den er begrüsst – denn in der Exekutive gehe es um mehr als nur Parteipolitik.
Mehr frischer Wind als erwartet
Richard Sägesser ist der Parteinachfolger von Cla Famos im Ustermer Stadtrat. Er habe sich im Voraus für die Wahlen gute Chancen ausgerechnet – sicher könne man sich aber nie sein. Dass mit Stefan Feldmann ein bisheriger Stadtrat nicht wiedergewählt wurde, hat auch ihn überrascht. Über die Gründe will er aber nicht mutmassen. «Das Resultat bringt jetzt mehr frischen Wind in den Stadtrat, als man im Voraus erwartet hatte, was positiv ist.»
Mit Blick auf die neue Sitzverteilung und die zusätzliche Vertretung der GLP zeigt sich der 52-Jährige gespannt auf die künftige Zusammenarbeit. Je nach Thema hoffe er durchaus auf Potenzial für eine verstärkte Kooperation mit der GLP-Vertretung. «Klar ist, dass sich die Meinungen je nach Thema mal mehr, mal weniger überlappen werden», ist er sich sicher.
Seine politische Arbeit im Stadtrat will Sägesser an verschiedenen Themen ausrichten. Im Zentrum steht dabei die Weiterentwicklung Usters als attraktive Wohn- und Arbeitsstadt. Die drittgrösste Stadt im Kanton Zürich solle ihre Position stärken und sich als wirtschaftliches wie gesellschaftliches Zentrum weiterentwickeln, sagt er. Dazu gehörten neben dem Kultur- und Begegnungszentrum eine Förderung von Gewerbe und Unternehmen ebenso wie die Schaffung von Arbeitsplätzen.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Finanzpolitik. Angesichts steigender Ausgaben und einer wachsenden Verschuldung brauche es klare Prioritäten, sagt Sägesser. Bei Investitionen müsse stärker zwischen «Wünschbarem und Notwendigem» abgewogen werden, um nachfolgenden Generationen keine Schulden zu hinterlassen.
Die neue Legislatur beginnt Anfang Mai mit der Konstituierung des Stadtrats. Dann wird sich zeigen, welche Ressorts Sägesser und Frei übernehmen – und wie sich die neue politische Zusammensetzung in der konkreten Arbeit niederschlägt.