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Wirtschaft

Kampf gegen Einschränkungen

«Wir hoffen auf die Solidarität mit den Läden in Gossau»

Die mehrjährige Baustelle belastet Gossau. Hinweisplakate sollen jetzt dem Gewerbe helfen. Gemeindepräsident Jörg Kündig weibelt beim Kanton für Linderung und appelliert an den Zusammenhalt.

Der Gossauer Gemeindepräsident Jörg Kündig erhofft sich durch sichtbare Hinweise einen positiven Effekt für das Gewerbe im Dorf.

Fotos: Seraina Boner/Simon Grässle

«Wir hoffen auf die Solidarität mit den Läden in Gossau»

Kampf gegen Einschränkungen

Die mehrjährige Baustelle im Zentrum belastet Gossau. Hinweisplakate sollen jetzt dem Gewerbe helfen. Gemeindepräsident Jörg Kündig appelliert an den Zusammenhalt und weibelt beim Kanton für Massnahmen.

Herr Kündig, seit einem halben Jahr wird im Zentrum von Gossau gebaut. Der Verkehr wird weiträumig umgeleitet. Ihre Gemeinde hat kürzlich an verschiedenen Orten Plakate aufgestellt, die auf das Gewerbe im Dorf hinweisen. Warum?

Jörg Kündig (FDP), Gemeindepräsident Gossau: Die Grossbaustelle im Dorfzentrum an der Grütstrasse ist aus verschiedenen Gründen kompliziert und eine grosse Herausforderung. Insbesondere auch durch die lange Bauzeit von über zwei Jahren. Es ist darum dem Gemeinderat ein wichtiges Anliegen, das lokale Gewerbe zu unterstützen. Die Plakate sollen sichtbar machen, dass die Läden und Geschäfte weiterhin geöffnet und zugänglich sind.

Man wusste, dass es starke Einschränkungen geben wird im Dorfzentrum. Warum hat die Gemeinde gerade jetzt reagiert?

Es war klar, dass die Baustelle eine Belastung wird. Doch die Situation hat sich zugespitzt, und die Hilferufe aus dem Gewerbe wurden immer lauter. Es hat sich gezeigt, dass die getroffenen Massnahmen nicht ausreichen. Darum haben wir reagiert.

Die Gemeinde setzt neben den Plakaten auch auf eine Flyer-Aktion, die Solidarität und «Einkaufen im Dorf» fordert. Wie prekär ist die Situation aktuell für die Geschäfte im Zentrum?

Das ist schwierig abzuschätzen, aber klar ist: Das Gewerbe leidet deutlich unter der aktuellen Situation. Es gibt beispielsweise Coiffeursalons, die weniger stark frequentiert werden. Restaurants, bei denen die Zufahrt schwierig ist. Grossverteiler und andere Läden, die deutliche Umsatzeinbussen verzeichnen. Die Drogerie musste sogar Personal reduzieren. Die betroffenen Geschäfte versuchen wir nach Kräften zu unterstützen.

Wie gross ist die Sorge, dass das Gewerbe in Gossau nachhaltig Schaden nimmt?

Das beschäftigt uns sehr. Wir stehen in engem Austausch mit den Projektverantwortlichen und setzen alles daran, dass dies nicht geschieht. Dass die Zufahrt zu den Läden gewährleistet ist, hilft, aber die Kundschaft weiss das oft nicht oder findet die Anfahrt zu unbequem. Wir hoffen darum auf die Solidarität mit den Läden in Gossau – auch aus den umliegenden Gemeinden.

Wie fielen bisher die Rückmeldungen auf die neuen Massnahmen aus?

Die bisherigen Reaktionen waren eher verhalten. Bedauerlich ist, dass teilweise der Eindruck entstanden ist, es geschehe nichts. Das entspricht nicht den Tatsachen.

Für die Baustelle verantwortlich ist der Kanton. Wie läuft der Austausch mit der Baudirektion?

Es ist eine schwierige Ausgangslage, da die Baustelle durch die in der Strasse verbaute Infrastruktur und die Bachquerungen besonders herausfordernd ist. Selbstverständlich haben wir das Gespräch mit dem Kanton frühzeitig gesucht und deutlich gemacht, welche Konsequenzen durch die Einschränkungen jetzt und in Zukunft zu erwarten sind.

Porträtfoto eines Mannes an einem Tisch.
Der Gossauer Gemeindepräsident Jörg Kündig steht wegen der Grossbaustelle mit der Gossauer Bevölkerung und dem Kanton im Austausch.

Was wünscht sich die Gemeinde vom Kanton?

Die Hauptanliegen sind eine Verkürzung der Bauzeit und funktionierende Zufahrten für Läden und Restaurants, aber auch für die Wohnbevölkerung. Mindestens eine einspurige Verkehrsführung sollte während der Bauphase ebenfalls gewährleistet sein.

Wie fallen die Signale des Kantons aus?

Der Kanton zeigt sich sehr kooperativ. Wir spüren eine grosse Bereitschaft, gemeinsame Lösungen zu suchen. Dies muss aber immer in Einklang mit den Bauunternehmen geschehen.

Nicht nur beim Gewerbe, sondern auch in der Bevölkerung sorgt die Baustelle für Unmut. Wie erleben Sie die Stimmung im Dorf?

Sie hat sich etwas entspannt, aber glücklich ist niemand mit der Situation. Zentrales Thema bleibt die Haldenstrasse. Ursprünglich wollte der Kanton die Strasse komplett sperren. Dagegen hatten wir uns gewehrt. Es stellte sich dann heraus, dass es zu viel Verkehr gab. Darum haben wir uns entschieden, die Durchfahrt nur noch mit Ausnahmebewilligung zu erlauben.

Schleichverkehr auf der Haldenstrasse/Austrasse in Gossau wegen Sperrung der Grütstrasse durchs Dorfzentrum am 20. Mai 2025.
Der zusätzliche Verkehr auf der Haldenstrasse sorgte bei den Anwohnenden für Unmut. (Archiv)

Auch die aktuelle Lösung sorgt für Ärger. Eine Anwohnerin wehrt sich gar mit einer Petition gegen die Sperrung der Haldenstrasse. Haben Sie dafür Verständnis?

Es ist verständlich, dass nicht alle mit der Lösung zufrieden sind. Uns ist es wichtig, dass jene, die auf die Haldenstrasse angewiesen sind, diese weiterhin nutzen können. Gleichzeitig setzen wir auf die grossräumige Umfahrung.

Gibt es noch weitere Massnahmen, welche die Gemeinde in Betracht zieht, um die Situation für das Gewerbe und die Bevölkerung zu verbessern?

Es ist ein Fakt, dass es nicht viele Zufahrtsmöglichkeiten gibt, wenn an der Hauptstrasse in Gossau gebaut wird. Darum geht es primär um die Verbesserung der Signalisation. Wir haben auch über Unterstützungsmöglichkeiten bei Härtefällen nachgedacht – etwa über Kurzarbeitsentschädigungen. Dazu bräuchte es die Mitwirkung des Kantons. Weitere Massnahmen prüfen wir fortlaufend, insbesondere im Hinblick auf künftige Bauprojekte im Zentrum von Gossau.

Was wäre Ihr Wunschszenario für die nächsten Monate?

Ich wünsche mir, dass auch in den Sommermonaten mit Hochdruck auf der Baustelle weitergearbeitet wird. Parallel dazu hoffe ich, dass sich die Ladenzufahrten normalisieren und sich die Situation für das Gewerbe verbessert. Ebenso hoffe ich auf ein besseres gegenseitiges Verständnis in der Bevölkerung.

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