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Wegen Grossbaustelle

Einwohnerin wehrt sich gegen die Sperrung des Schleichwegs in Gossau

Seit Ende Mai ist die Haldenstrasse für den Durchgangsverkehr gesperrt. Jetzt soll eine Unterschriftensammlung erreichen, dass die Strasse wieder geöffnet wird.

Mit einer Unterschriftensammlung will eine Gossauerin die Gemeinde dazu bewegen, die Sperrung der Haldenstrasse aufzuheben.

Foto: Barbara Tudor

Einwohnerin wehrt sich gegen die Sperrung des Schleichwegs in Gossau

Wegen Grossbaustelle

Seit Ende Mai ist die Haldenstrasse in Gossau für den Durchgangsverkehr gesperrt. Jetzt will eine Einwohnerin mit einer Unterschriftensammlung erreichen, dass die Strasse wieder geöffnet wird.

Autorin: Barbara Tudor

Im Januar haben die Sanierungsarbeiten an der Grütstrasse in Gossau begonnen, die zwei Jahre dauern. Seither wird der Verkehr grossräumig über die Kantonsstrassen umgeleitet. Eine wichtige Schleichroute war für viele derweil die Haldenstrasse. Nun wurde diese auf Anordnung des Gemeinderats per 26. Mai gekappt.

Es sei eine Unterschriftensammlung von Anwohnern eingereicht worden, um die Strasse zu sperren. Wie «Zürioberland24» berichtete, waren es gemäss Gemeinde insgesamt 80 Unterschriften von Bewohnern der Haldenstrasse und der Austrasse. Bis zum Ende der Bauarbeiten an der Grütstrasse dürfen deshalb nur noch Anwohner sowie Autofahrer mit einer Sonderbewilligung die Haldenstrasse passieren.

Die Meldung über die Sperrung verbreitete sich wie ein Lauffeuer, und der Beschluss wird heftig diskutiert, vor allem in den sozialen Medien. Die grosse Mehrheit kann den Beschluss nicht nachvollziehen. Die Rede ist gar von einem «Totalversagen des Konzepts». Wenige Anwohnende seien verantwortlich dafür, dass nun viele Einwohner benachteiligt seien, so der allgemeine Tenor. Neben allgemeinem Unverständnis machen sich auch einige Sorgen um das bereits heute von der Situation gebeutelte Gewerbe im Zentrum.

Unterschriftensammlung gestartet

Eine, die sich gegen die Sperrung wehren will, ist Carol Wiedmer aus Gossau. Die Frau, die seit 1996 in Gossau wohnt, hat vor Kurzem eine Unterschriftensammlung gestartet. «Ich kann nicht nachvollziehen, dass eine Strasse, die allen gehört, für ein paar wenige gesperrt wird.» Vor allem deshalb, weil es sich um eine befristete Situation handle.

«Ich tue das für das Gewerbe. Mit der Sperrung der Haldenstrasse verhindert man jetzt ganz, dass die so wichtigen Kunden aus den Nachbargemeinden nach Gossau kommen.» Zwei Jahre seien eine lange Zeit. Bis dann würden sich die Kunden umorientieren und nicht zurückkehren. «Wenn wir nichts unternehmen, haben wir in zwei Jahren zwar eine tolle neue Strasse, aber keine Läden mehr im Zentrum.» Die Papeterie sei bereits zugegangen, und die Drogerie im Dorf habe auch schon Personal entlassen müssen.

Vom Gemeinderat ist Wiedmer enttäuscht. «Mit der Sperrung teilt er die Gemeinde in zwei Lager – in das der Haldenstrasse und in das vom Dorf.» Das trage nicht zu einem guten Miteinander bei. Den langfristigen Erhalt des Gewerbes solle er doch unterstützen und höher gewichten als die kurzfristigen Bedürfnisse von ein paar wenigen Anwohnern.

Natürlich sei die Situation für die Anwohner der Haldenstrasse nicht schön, aber das sei sie auch für alle anderen nicht. «Über die betroffenen Anwohner entlang der Grütstrasse beispielsweise, die zwei Jahre lang Lärm, Schmutz und Einschränkungen hinnehmen müssen, redet niemand.»

Neben der Unterschriftensammlung, die auf grosses Echo gestossen ist, prüft die Anwältin nun auch noch rechtliche Schritte. «Mir scheinen diese Sonderbewilligungen doch sehr willkürlich. Und der administrative Aufwand für diese ist unnötig.»

Was sagt die Gemeinde dazu?

Wie die Gemeinde auf Anfrage von «Zürioberland24» sagt, ist es ursprünglich keineswegs das Ziel gewesen, die Haldenstrasse zu sperren – im Gegenteil. Die Gemeinde habe diese ausdrücklich offen halten wollen. «Doch der übergeordnete Schleichverkehr führte zu einer massiven Belastung des Quartiers, die mit den Zielsetzungen der Gemeinde nicht mehr vereinbar war – weder verkehrlich noch hinsichtlich der Sicherheit und der Lebensqualität.»

Auf die Situation des Gewerbes angesprochen, sagt der Gemeindeschreiber Thomas-Peter Binder, dass die Erreichbarkeit des Zentrums – mit Ausnahme der bekannten Einschränkungen rund um die Grütstrasse, Gossau-Dorf – nach wie vor gewährleistet sei.

«Dennoch ist es uns bewusst, dass sich die aktuelle Verkehrslage auf das lokale Gewerbe auswirkt», fügt Binder an. «Wir setzen uns deshalb dafür ein, die Signalisation weiter zu verbessern – insbesondere, um die Sichtbarkeit und Erreichbarkeit der Gewerbebetriebe klarer zu machen.» Auch hierzu stehe man im regelmässigen Austausch mit dem Kanton.

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