Wenig Streit, viele Schlagworte: Wahlpodium in Wetzikon bleibt zahm
Am Mittwochabend kamen in der Alten Turnhalle in Wetzikon amtierende und neu antretende Kandidaten für Stadtrat, Stadt- und Schulpräsidium zu einer Podiumsdiskussion zusammen. Wirklich diskutiert wurde aber wenig.
Der Saal war nur halb gefüllt, etwa 50 Leute sassen im Publikum. Die ersten Reihen besetzten jene, die später selbst auf der Bühne stehen sollten: der amtierende Stadtrat sowie die neu Kandidierenden Bruno Bertschinger (SVP) und Marie-Therese Büsser (GLP). Ebenfalls anwesend waren Thomas Ineichen (FDP) und Andrea Grossen-Aerni (EVP), die sich um das Schulpräsidium bewerben, sowie die beiden Kandidaten fürs Stadtpräsidium, Pascal Bassu (SP) und Heinrich Vettiger (SVP). Per-Anders Martensson (parteilos) fehlte.
Moderiert wurde der Abend von Michael Kaspar und Bettina Schnider von der Zürcher Oberland Medien AG, zu der auch dieses Medium gehört.
Verkehr, Finanzen und Wohnen sind die «Hot Topics»
Verkehr, Finanzen und Wohnen standen im Zentrum der Fragerunde – dazu später mehr. Zunächst sollten die Kandidierenden sich kurz vorstellen und ihre Motivation offenlegen. Büsser, die als selbständige Beraterin tätig ist und an der ETH doktoriert hat, definiert sie so: «Ich bin jemand, der Resultate sehen will. Deswegen will ich in den Stadtrat.»
Bertschinger gab sich bodenständig: «Ich begegne der Bevölkerung auf Augenhöhe. Als ehemaliger Landwirt weiss ich, was schmutzige Hände sind.» Er betonte die Wichtigkeit der Natur und deren Erhalt.
Beim Thema Verkehr zeigte sich Büsser unzufrieden: «In Wetzikon gibt es zig Busse, aber gefühlt fahren alle zum Bahnhof und keiner in die Wohngebiete.» Auch Velofahrer und Fussgänger kämen zu kurz, «es braucht ein neues Mobilitätskonzept».
Bertschinger blieb skeptisch: «Den Verkehr bringen wir nicht mehr weg.» Massnahmen wie Tempo 30 oder ein autofreies Zentrum würden das Problem lediglich verschieben. «Das heisst, Sie wollen nichts machen», fasste Moderator Kaspar nach. Eine Erwiderung gab es darauf von Bertschinger nicht.

Auch bei den Finanzen blieb es eher allgemein. Stadträtin Sandra Elliscasis (FDP) sagte auf einen möglichen Schuldenanstieg: «Ich werde alles daransetzen, dass das nicht passiert.» Gleichzeitig warnte sie: «Aber natürlich steigen überall die Begehrlichkeiten. Das geht nicht ewig so weiter.»
Bertschinger hielt dagegen: «Also mir macht das schon Angst», etwa mit Blick auf geplante Investitionen wie die Erweiterung des Friedhofs oder die Wertstoffsammelstelle. «Da stehen mir die Haare zu Berge.»
Beim Wohnraum dominierten Schlagworte wie «verdichten» und «konzeptionell angehen». Die grüne Stadträtin Christine Walter Walder nannte mehrfach Dübendorf mit der Skyline als positives Beispiel. «Es braucht Anreize für Bauherren, zum Beispiel in die Höhe zu verdichten.» Auch die Idee, Genossenschaften Bauland zur Verfügung zu stellen, wurde diskutiert.
Wo Wohnen Thema ist, ist die Diskussion über Zuwanderung nicht weit. Stadtrat Stefan Lenz (FDP) positionierte sich hier eindeutig auf der Pro-Seite: «Wir Schweizer kriegen zu wenige Kinder, ohne Migration würden wir aussterben.» Bertschinger war, wenig überraschend für einen SVPler, anderer Meinung: «Heute oder morgen sterben wir sicher nicht aus.»
Das Duell Bassu versus Vettiger
Mehr Dynamik brachte das Duell um das Stadtpräsidium. Amtsinhaber Pascal Bassu und Herausforderer Heinrich Vettiger treten wie vor vier Jahren erneut in den Ring. Diesmal ist es ein Duell. 2022 war noch die Freisinnige Sandra Elliscasis im Rennen – und dürfte Bassu indirekt ins Präsidium verholfen haben.
Auf die Frage, was er anders machen würde, sagte Vettiger: «Ich würde vieles strategischer angehen.» Er wolle Projekte stärker priorisieren und «in einen besseren Dialog mit der Bevölkerung treten».
Bassu widersprach deutlich: «Ich weiss wirklich nicht, bei welchen Stadtratssitzungen du alles gefehlt hast.» Man mache bereits genau das: «Wir machen nichts anderes als priorisieren.» Zudem baue man ein Risiko- und Krisenmanagement auf.
Als wichtigstes Projekt nannte Bassu die «Vision 2040»: «Sie ist der Leitstern.» Gleichzeitig räumte er ein: «Wir als Wetziker haben einige Chancen verpasst, vor allem, was Tempo 30 angeht.» Vettiger ergänzte: «Auch das geplante Stadtmagazin war einfach zu teuer.»
Beide verwiesen auf die direkte Demokratie. «Entweder wir leben damit, oder wir nörgeln ewig weiter», sagte Vettiger.
In der Schlussfrage betonte Bassu die Kontinuität: «Wir sind im Fluss und wollen Wetzikon weiterentwickeln.» Vettiger hielt dagegen: «Es braucht vor allem eine gute Verwaltung, Stadträte sind relativ austauschbar.» Auch das Angstwort «Blackout» fiel mehrfach. «Darauf sind wir überhaupt nicht vorbereitet», meinte Vettiger.


Schulpräsidium: Gibt es einen Fahrplan für Inklusion?
Die fürs Schulpräsidium Kandidierenden erhielten rund eine halbe Stunde. Im Mittelpunkt stand das Thema Inklusion, doch auch hier blieben die Aussagen wenig konkret.
Thomas Ineichen, Leiter der Musikschule Zürcher Oberland, konstatierte: «Inklusion ist an sich schon eine gute Sache.» Er warnte aber: «Es geht nicht, wenn man zu viele solcher Querschläger in einer Klasse hat.» Oft werde zu lange gewartet, bis man besagte Kinder aus der Klasse nehme.
Sozialpädagogin, Parlamentsmitglied und Kantonsrätin Andrea Grossen-Aerni wandte sich direkt ans Publikum: «Vielleicht kriegen Sie bei diesem Thema einen hohen Puls. Es ist ein Thema, das sehr kontrovers diskutiert wird.» Ihr Ziel sei «qualitativ hochwertige Bildung für alle» – und dass sich jedes Kind zugehörig fühle.
Immerhin gab es bei der Frage, ob es verpflichtende Sprachförderung für Kita-Kinder geben solle, leichte Differenzen. Ineichen meinte: «Besser, man macht auf bestehende Angebote aufmerksam.» Grossen-Aerni ergänzte: «Oft zeigt sich schon in frühen Jahren, ob ein Kind gesonderte Förderung braucht.» Die Schule sei schliesslich auch obligatorisch, warum also nicht direkt früher ansetzen?


Zum Abschluss sollten beide Kandidierenden noch kurz festhalten, was sie Schulkindern mit auf den Weg geben wollen. «Mir ist es wichtig, dass Kinder an sich glauben und dass sie wissen, dass sie etwas können», fasste Grossen-Aerni zusammen. Und Ineichen hielt fest: «Die Kinder sollen Bildung als etwas Positives wahrnehmen und lernen, dass Bildung ein wichtiger Teil ihres Lebens ist. Dafür setze ich mich ein.»