«Wachstum ist gut für Wetzikon, aber auch herausfordernd»
Stadtpräsident zum Wetzikon von morgen
Die Wetziker Finanzen sind im grünen Bereich. Sinken bald die Strompreise? Stadtpräsident Pascal Bassu verrät es uns im Gespräch zur Halbzeit der Legislatur.
Herr Bassu, 12 Millionen im Plus und keine Steuerfusserhöhung – Wetzikon geht es wohl blendend?
Pascal Bassu (SP): Es ist ein zweischneidiges Schwert. Tatsächlich sind wir im Plus. Dies ist jedoch auf einmalige Effekte, wie die Grundstückgewinnsteuern, zurückzuführen. Ohne die gäbe es sogar ein Defizit. Wir können uns aber nicht beklagen, Wetzikon geht es gut. Das Geld werden wir in kommende Investitionen stecken. Die Stadt wächst nämlich stetig weiter, und somit müssen auch neue Infrastrukturen her und die bestehenden unterhalten werden.
Noch ist unklar, wie sich die Aktionärsgemeinden an einer möglichen Aktienkapitalerhöhung für das GZO Spital beteiligen. Am Freitag hatten die Gemeinden eine Stellungnahme innerhalb der kommenden zwei Wochen in Aussicht gestellt. Man prüfe derzeit den Antrag des Spitals, sagte Pascal Bassu, der auch als Sprecher der Aktionärsgemeinden fungiert, auf Anfrage.
Wenn da nur die teuren Strompreise nicht wären ... Bleiben sie die höchsten im Kanton?
Ich gehe davon aus, dass die Strompreise in Wetzikon weiter sinken werden. Die Strompreise setzen sich aus den Energie- und Netznutzungskosten und Abgaben zusammen. Nach heutigem Kenntnisstand sinken die Energiepreise weiter, ausser die geopolitische Lage ändert sich. Die Netzkosten hingegen werden aufgrund des laufenden Ausbaus des Stromnetzes eher noch weiter steigen. Das liegt daran, dass wir unser Stromnetz laufend ausbauen, damit wir für künftige Anforderungen gewappnet sind. Dadurch, dass viele Wohnungen entstehen, braucht es salopp gesagt auch dickere Leitungen.
Wie wird Strom eingekauft? Gab es Fehler in der Einkaufspolitik?
Die Energie wird über drei Jahre verteilt in Tranchen monatlich am Grosshandelsmarkt zu Marktpreisen beschafft. Dadurch wird eine Glättung des Energiepreises erzielt. Aufgrund der hohen Energiepreise im Jahr 2022, wo die Stadtwerke ebenfalls Tranchen beschafften, sind unsere heutigen Energiepreise höher gegenüber den aktuellen Marktpreisen. Demgegenüber war jedoch der Energiepreis im Jahr 2022 für die Wetziker Kunden tief, als der damalige Marktpreis massiv anstieg.
Nicht nur die Strompreise bewegen die Wetziker, sondern auch die Stromproduktion. Im Gebiet Schönwis sieht die Baudirektion einen möglichen Standort für einen Windpark und will diesen im Richtplan festlegen. Sehen Sie dort ebenfalls Potenzial?
Der Stadtrat steht dem Thema momentan noch neutral gegenüber. Wir sind weder dagegen noch dafür. Wir müssten uns erstmals das konkrete Projekt anschauen, wenn es denn vorliegt. Ich glaube, das ist zurzeit die einzig richtige Haltung.
Für den Stadtrat steht offenbar anderes im Vordergrund. Sie haben vorher die Investitionen angesprochen – welche stehen zuoberst auf der Liste?
Wie immer einige Strassenprojekte, die Sanierung und Erweiterung der Schulanlage Walenbach, das neue Feuerwehrgebäude und natürlich die Fernwärme. In Zukunft gibt es Projekte wie beispielsweise die Sanierung des Stadthauses und die Schaffung eines Gemeinschaftszentrums, dies aber sicher nicht im nächsten oder übernächsten Jahr.
Das Parlament warf dem Stadtrat im Sommer einen Investitionsstau vor. Wieso wurden sie so lange hinausgeschoben?
Nehmen wir ein Beispiel aus dem Strassenbau. Wir haben pro Jahr zirka drei Millionen dafür reserviert. Die Projekte müssen geplant und öffentlich aufgelegt werden. Es braucht Bewilligungen und etliche Abklärungen, die Zeit brauchen. Verschiedene Sachen kommen zusammen, was die Projekte zum Teil in die Länge ziehen kann. Bei manchen Projekten kann es auch bei einer noch so präzisen Planung zu Verzögerungen kommen, die sich finanziell auswirken. Die Projektverantwortlichen sind jedoch immer bestrebt, die Investitionen, die für das jeweilige Jahr vorgesehen sind, auch im selben Jahr zu realisieren.
Der Stadtrat muss aus dem Parlament immer wieder Kritik einstecken. Wie schätzen Sie als Stadtpräsident die aktuelle Stimmung im Parlament ein?
Ich war erst Parlamentarier und wurde nachher in den Stadtrat gewählt, ich kenne somit beide Seiten. Nach den Neuwahlen kommt es vor, dass wir aufseiten des Stadtrats Dinge erneut erklären, die wir schon vor einigen Jahren besprochen haben. Ausserdem ist meine Wahrnehmung, dass eine generell sehr kritische und misstrauische Stimmung vorherrscht.
Sollte das nicht genau so sein?
Natürlich, bis zu einem gewissen Grad ist das in einem Parlament der Sinn der Sache. Schliesslich haben wir aber alle das gleiche Ziel, und zwar unsere Stadt zu verbessern. Darum ist ein Wunsch von mir, dass das Parlament den Stadtrat etwas mehr unterstützt und man mehr Vertrauen hat.
Wünschen Sie sich mehr junge Leute im Parlament oder generell in der Politik?
Ja! Ich finde, junge Leute fehlen in der Politik.
In zwei Jahren stehen wieder Neuwahlen an. Was planen Sie bis dann, und welche Projekte möchten Sie umsetzen?
Wir planen mit der Vision 2040 etwas weiter voraus. Mein Hauptziel als Stadtpräsident ist es, dass Leute die Stadt Wetzikon noch mehr und besser erleben können. Ich möchte, dass unsere Einwohner gerne hier wohnen. Es soll in den nächsten Jahren mehr Grünflächen in den Quartieren geben, die Bahnhofstrasse soll aufgewertet und das Zentrum verschönert werden. Ausserdem ist der Masterplan Stadtraum Unterwetzikon bereits weit vorangeschritten. Diesen möchten wir so bald als möglich in Zusammenarbeit mit den SBB und den anderen Liegenschaftsbesitzer in Kraft setzen.
Wo sehen Sie die grössten Herausforderungen?
Das Wachstum. Es ist nicht schlecht, aber man muss damit umgehen können. Sanierungen wie die der Schulhäuser und Strassen müssen rechtzeitig abgeschlossen werden, damit die neuen Infrastrukturen Platz für die ganze Bevölkerung bieten können. Hier spielt auch die laufende Ortsplanungsrevision eine grosse Rolle. Wir erarbeiten Konzepte und Strategien, um genau dieses Wachstum abzuholen und die Stadt Wetzikon dafür fit zu machen.
Ist Wetzikon Ihrer Meinung nach anderen Städten und Gemeinden in der Region einen Schritt voraus?
Das ist schwierig zu sagen. Auf Zürich zu schauen, macht nicht viel Sinn, da ihnen andere finanzielle Mittel zur Verfügung stehen. Wenn Uster etwas Tolles realisieren kann, das Wetzikon nicht hat, wurmt mich das schon manchmal. Das ist jedoch eigentlich mein persönliches Problem. Dafür haben wir in Wetzikon andere gute Dinge. Deshalb sind eigentlich solche Vergleiche gar nicht zielführend. Wichtiger ist, dass man sich vor allem untereinander austauscht und unterstützt. Gemeinsam möchten wir uns beispielsweise für mehr Kultur in der Agglomeration einsetzen.