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Motorradlärm im Tösstal

Warum der Baumer Lärmbeauftragte Daniel Bühler aufgibt

Er kämpfte jahrelang gegen Motorradlärm in seinem Heimatdorf Sternenberg – erst mit Plakaten, dann als Lärmbeauftragter. Doch nun hat er genug – und das sind die Gründe.

Daniel Bühler hat genug. Der Lärmbeauftragte von Bauma gibt seine Stelle auf – nicht aber den Kampf gegen den Lärm.

Foto: Bettina Schnider

Warum der Baumer Lärmbeauftragte Daniel Bühler aufgibt

Motorradlärm im Tösstal

Er kämpfte jahrelang gegen Motorradlärm in seinem Heimatdorf Sternenberg – erst mit Plakaten, dann als Lärmbeauftragter. Doch nun hat er genug – und das sind die Gründe.

«Das Wetter ist leider nicht so gut», meint Daniel Bühler beim Blick in den wolkenverhangenen Himmel, «aber immerhin ist es ruhig.» Denn im Weiler Gfell bei Sternenberg korreliert gutes Wetter in der Regel mit Lärm. Die Aussenwacht mit wenigen Häusern liegt an einer beliebten Motorradstrecke.

Bühler ist vor über 20 Jahren an diesen Ort gezogen. Bereits damals empfand er den Töfflärm gelegentlich als störend. Doch in den vergangenen Jahren sei es immer schlimmer geworden. «Es sind nicht alle Töfffahrer», betont er. «Aber es sind Leute unterwegs, die haben einfach Spass daran, besonders laut zu sein.» Und ein paar wenige rücksichtslose Motorradfahrer reichen aus, dass die lokale Bevölkerung beschallt wird.

Eigene Stelle geschaffen

Der Sternenberger, der sich über die Region hinaus als Gründer der Afro-Pfingsten in Winterthur einen Namen gemacht hatte, wollte deshalb nicht untätig bleiben. 2018 tat er sich mit einigen Bekannten und Kollegen aus Sternenberg zusammen und startete mit Erlaubnis der Gemeinde eine Plakataktion.

Dazu nutzten sie Vorlagen des «Tages gegen Lärm» des Cercle Bruit und vernetzten sich mit der Lärmliga Schweiz, wo Bühler bis heute Vorstandsmitglied ist. Der Verein vertritt laut eigenen Aussagen die Interessen von lärmbetroffenen Menschen in der Schweiz und kämpft für wirksame Massnahmen. Als solche konnte die erste Plakataktion aber nicht bezeichnet werden. Slogans wie «Laut ist out» kamen nicht gut an, es kam gar zu Vandalismus.

Einmal führte Bühler die Plakatkampagne mit seinen Kollegen durch – nur auf dem Sternenberg. 2023 in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Bauma.

2024 gab es dann erstmals eine Plakataktion in der Region. Slogans wie «Leise ist weise», «Höre die Vögel» oder «Lärm macht krank» sollten zur Sensibilisierung der Motorradfahrer beitragen. Den Lead für die Kampagne hatte die Gemeinde Bauma. Ebenfalls beteiligt waren Fischenthal, Turbenthal, Wila und Pfäffikon.

Man sieht ein Plakat mit grünem Hintergrund und der Aufschrift «Höre die Vögel».
Fünf Gemeinden machten bei dieser Plakatkampagne mit.

Verantwortlich für die Aktion war Daniel Bühler – in seiner damals neuen Funktion als Baumer Lärmbeauftragter. Diese Stelle hatte er im Herbst 2023 angetreten. Die Gemeinde hatte ihn dafür nicht etwa gesucht, er ist selber auf den Gemeinderat zugegangen – und hatte sich damit seine eigene 10-Prozent-Stelle geschaffen.

«Bringt nichts»

Bühler sollte die Lärmbekämpfung der Gemeinde weiter professionalisieren und verstärken. Er diente als Anlaufstelle für die Bevölkerung in Lärmfragen und suchte den Dialog mit der Kantonspolizei. Eine Aufgabe, die Bühler rund zweieinhalb Jahre lang übernahm. Per Ende März dieses Jahrs hat er seine Stelle gekündigt.

Seine Begründung: «Man muss etwas nicht weiterführen, wenn es zu wenig bewegt.» Bühler betont zwar, dass er nicht frustriert den Bettel hingeworfen habe. Doch in seiner Funktion als Lärmbeauftragter konnte er nicht das bewirken, was er sich vorgenommen hatte.

So erwies sich die Plakatkampagne als wenig erfolgreich, wie eine Umfrage der Gemeinde Bauma zeigte. 2025 kam es ausserdem zu einem grösseren Vandalenakt, die Verursacher konnten trotz Belohnung nicht gefunden werden. Die Aktion wird deshalb in diesem Jahr auch nicht mehr durchgeführt.

Doch viel mehr störte Bühler die Untätigkeit der kantonalen Behörden, allen voran der Kantonspolizei. Es habe unzählige Gespräche gegeben, sagt er. Dabei sei nicht nur er, sondern oft auch Gemeindepräsident Andreas Sudler (parteilos) anwesend gewesen. «Wir haben zig Vorschläge eingebracht, unter anderem Temporeduktionen, um den Lärm zu verringern.»

Umgesetzt wurde nur sehr wenig bis gar nichts. «Oft hiess es einfach, dass die rechtlichen Grundlagen nicht vorhanden seien.» Bühler kann dies aber nicht ganz glauben und verweist auf den Albispass.

Dort gilt nach einer Testphase seit 2024 Tempo 60 statt 80. «Mit dem Ziel, die Anwohnerinnen und Anwohner besser vor Motorenlärm zu schützen und die Verkehrssicherheit zu erhöhen», schreibt der Kanton dazu in der entsprechenden Medienmitteilung.

Kanton sieht keinen Anlass für Massnahmen

Die Kantonspolizei will zur Kritik keine Stellung nehmen. Die Medienstelle sagt lediglich: «Im Rahmen von gezielten Kontrollen büsst die Kantonspolizei auf dem gesamten Kantonsgebiet, auch im Tösstal, konsequent Verkehrsteilnehmende, die sich nicht an die Geschwindigkeitslimiten halten und übermässigen Lärm verursachen.» Diese verzeigt sie. Für weitere Fragen verweist die Polizei an die Baudirektion.

Deren Mediensprecher Thomas Maag verweist darauf, dass eine Temporeduktion nur zulässig ist, wenn eine übermässige Belastung gemäss Umweltschutzgesetz vorliegt. Und das sei auf dem Sternenberg nicht der Fall.

Bühler hat kein Verständnis für diese Haltung. Den Fehler ortet der ehemalige Lärmverantwortliche aber nicht nur bei den Behörden. Am Schluss seien es schliesslich die Motorradfahrer selber, die die Lärmbelastung in der Hand hätten. «Die Fahrweise macht sehr viel aus», sagt Bühler. Und auch wenn es theoretisch verboten sei, beim Fahren extra Lärm zu verursachen, schrecke dies nur wenige ab. «Es gibt einfach Unbelehrbare», meint Bühler. Da würden auch punktuelle – aber medienwirksame – Kontrollen der Polizei wenig nützen.

Hinzu kommt, dass die zugelassenen Töffs in Bühlers Augen oft generell zu laut sind. Hier würde er sich strengere Vorgaben wünschen.

Daniel Bühlers Fazit fällt ernüchternd aus, doch er will nicht Trübsal blasen. Er ist weiterhin davon überzeugt, dass die Bekämpfung von Lärm möglich ist, und will sich auch weiterhin als Privatperson dafür einsetzen. Hoffnung setzt er beispielsweise auf Lärmradare. Der Bundesrat ist aber im Moment gegen deren Einsatz. Bühler meint: «Es ist schwierig, in Lärmfragen etwas zu erreichen.»

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