Gesellschaft

Teilweise provokativ

Bauma zieht Bilanz zu Lärm-Plakaten

Nach mehreren Jahren gemeinsamer Sensibilisierungskampagnen gegen Motorenlärm führte die Gemeinde Bauma eine Umfrage durch – mit deutlichen Ergebnissen.

Auch 2024 gab es eine Kampagne. Doch jetzt entscheidet die Gemeinde, diese in der aktuellen Form nicht mehr weiterzuführen.

Foto: PD

Bauma zieht Bilanz zu Lärm-Plakaten

Nach mehreren Jahren gemeinsamer Sensibilisierungskampagnen gegen Motorenlärm führte die Gemeinde Bauma eine Umfrage durch – mit deutlichen Ergebnissen.

Seit 2021 führten Bauma sowie später auch die Gemeinden Turbenthal, Wila und Fischenthal jeweils im Frühling gemeinsame Plakataktionen gegen Motorenlärm durch. Ziel war es, auf die Lärmproblematik aufmerksam zu machen und zu einem rücksichtsvolleren Fahrverhalten zu bewegen.

Insbesondere Motorradfahrende und Fahrende getunter Fahrzeuge sollten sensibilisiert werden. Zuletzt lief die Kampagne unter dem Titel «Leise ist Weise».

Im Herbst 2025 wurde in rund 900 Haushalten, spezifisch entlang der Durchgangsstrassen, eine Umfrage zur Wirkung der Kampagne durchgeführt. 257 Personen haben an der Umfrage teilgenommen. Diese zeigt ein klares Bild: Zwar nahmen rund 90 Prozent der Befragten die Plakate wahr, doch nur sieben Prozent stellten eine tatsächliche Lärmreduktion fest.

Wie die Gemeinde in der Medienmitteilung schreibt, nahmen 72 Prozent keine Veränderung wahr. Rund 31 Prozent empfanden die Plakate teilweise sogar als provokativ – insbesondere für junge Motorradfahrer. Entsprechend beurteilten rund 60 Prozent die Kampagne als nicht sinnvoll oder nicht zielführend.

«Der Gemeinderat Bauma hat deshalb beschlossen, die Plakataktionen in der bisherigen Form nicht weiterzuführen», schreibt die Gemeinde.

Motorräder als grösste Lärmquelle

Die Umfrage zeigt zudem, was viele Anwohnende seit Jahren berichten: Für über 60 Prozent der Teilnehmenden stellt Motorradlärm die grösste Belastung dar – besonders an Wochenenden, in den Abendstunden sowie im Bereich der Agrola-Tankstelle. Als besonders störend gelten absichtlich verursachte Geräusche wie Aufheulen und Knallen der Motoren.

Die Bevölkerung unterscheidet klar zwischen unvermeidbarem Verkehrslärm und mutwilligem Krach. Entsprechend werden konkrete Massnahmen gefordert. Mehr Kontrollen und Sanktionen, Temporeduktionen, Verkehrsberuhigung im Dorfkern sowie strengere gesetzliche und technische Vorgaben, etwa bei manipulierten Auspuffanlagen.

Gleichzeitig wünschen sich viele einen respektvollen Dialog, Präventionsarbeit und kreativere, positiv formulierte Kommunikationsformen.

Tempo 60 ausserorts scheitert – vorerst

Parallel zu den Plakataktionen reichten Bauma, Turbenthal, Wila und Fischenthal ein gemeinsames Gesuch beim Kanton ein. Für 17 ausserörtliche Strassenabschnitte verlangten die Gemeinden eine Reduktion der Höchstgeschwindigkeit auf 60 km/h.

Das Gesuch führte zu Gesprächen mit der Kantonspolizei Zürich und weiteren kantonalen Stellen, blieb jedoch erfolglos.

Begründet wurde die Ablehnung mit fehlenden gesetzlichen Grundlagen für zusätzliche Geschwindigkeitsreduktionen. Auch Vergleiche mit anderen stark frequentierten Ausflugsstrecken änderten nichts daran. Aus Sicht der Gemeinden zeigt dies, dass es auf kantonaler und bundesrechtlicher Ebene Anpassungen braucht, um bestehende Lärmschutzvorgaben wirksam durchzusetzen.

Neue Ausrichtung: Lärmbeauftragter beendet Engagement

Die Konsequenz aus den Erkenntnissen: Bauma will das Engagement gegen Motorenlärm neu ausrichten. Kreative Kampagnen ohne flankierende Massnahmen hätten nur begrenzte Wirkung, hält der Gemeinderat fest.

Künftig setzt die Gemeinde stärker auf die konsequente Durchsetzung bestehender Regeln in Zusammenarbeit mit Polizei und Kanton. Gleichzeitig sollen lokale Begegnungsformate wie Informationsstände oder themenspezifische Veranstaltungen geprüft werden.

Das Ziel bleibt laut Mitteilung jedoch unverändert. Mehr Ruhe und Lebensqualität für die Anwohnenden entlang der stark befahrenen Strecken im Tösstal.

Seit 2023 prägte Daniel Bühler als Lärmbeauftragter das Engagement der Gemeinde massgeblich. Er nahm Anliegen aus der Bevölkerung auf, koordinierte Projekte wie «Leise ist Weise» und fungierte als Brückenbauer zwischen Bevölkerung, Verwaltung und Interessengruppen.

Weil die gewünschten gesetzlichen und strukturellen Änderungen auf höherer Ebene derzeit nur schwer erreichbar seien, hat sich Bühler entschieden, seine Funktion per 31. März 2026 zu beenden.

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