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Die Erinnerung treibt sie an

Liefern statt rechnen: Alissa Königs einfache Olympia-Formel

Die Dürntner Triathletin Alissa König ist in der Weltrangliste die beste Schweizerin. Es ist eine ideale Ausgangslage – in Kürze beginnt bereits die Qualifikationsphase für die Spiele 2028.

Sie feilt in der Ferne an der Form: Alissa König lebt und trainiert seit Anfang 2024 in Spanien.

Foto: Simon Gehr

Liefern statt rechnen: Alissa Königs einfache Olympia-Formel

Die Erinnerung treibt sie an

Die Dürntner Triathletin Alissa König ist in der Weltrangliste die beste Schweizerin. Es ist eine ideale Ausgangslage – in Kürze beginnt bereits die Qualifikationsphase für die Spiele 2028.

Sie weiss noch genau, wie es sich angefühlt hat. Als die Oberländer Triathletin 2024 nicht einmal als Ersatzathletin an die Olympischen Spiele in Paris reisen durfte. Nein, eine solche Enttäuschung möchte sie nicht mehr verarbeiten müssen, hält Alissa König mit Blick Richtung Olympia 2028 energisch fest. Gefolgt vom Satz, der einiges über ihre Entwicklung aussagt: «Ich war damals aber auch noch nicht die Athletin, die ich jetzt bin.»

Das hat damit zu tun, dass König nun in die dritte Saison steigt, seit sie die Zelte in der Schweiz abgebrochen und sich einer internationalen Gruppe in Girona (ESP) angeschlossen hat. Die Aussage der Dürntnerin lässt sich zugleich statistisch untermauern. Nur wenige Monate nach den geplatzten Olympia-Hoffnungen lief König im Oktober 2024 im Weltcup erstmals aufs Podest.

Es war der Startschuss ihres Aufschwungs, der sie gegen Ende der Saison 2025 in der World Triathlon Championship Series (WTCS) an die Top Ten klopfen liess. Wissen muss man dazu: Die WTCS ist die prestigeträchtigste Triathlonserie der kürzeren Formate, zu denen die olympische Distanz zählt. Das Preisgeld in der WTCS ist höher als im Weltcup, und in den Rennen gibt es mehr Weltranglistenpunkte zu gewinnen.

Die Position ist ein Luxus

Auf Rang 38 liegt König in der Weltrangliste momentan. Das tönt nicht spektakulär. Und heisst doch zweierlei. Die 30-Jährige ist damit die beste Schweizer Triathletin. Was nicht einfach nur fürs Selbstverständnis wichtig ist, sondern im Alltag entscheidende Vorteile bringt. Dank der hohen Platzierung findet König in jedem Starterfeld Aufnahme. Sie sagt: «Das ist ein Luxus, den ich mir erarbeitet habe.»

Die World Triathlon Championship Series ist auch heuer Königs bevorzugte Rennserie – mit dem Ziel, an den Finals Ende September in Pontevedra (ESP) zu starten. Bis zu ihrem ersten Einsatz dürfte es aber noch etwas dauern. Das erste WTCS-Rennen Ende März in Abu Dhabi fiel wegen des Iran-Kriegs aus, am Wochenende in Usbekistan und danach in Japan fehlt König, da sie sich im Februar in der Hüfte eine Zerrung zugezogen hatte.

Nicht etwa im Training, sagt sie. Und erzählt von privaten Turbulenzen, deren Auswirkungen wie keine ideale Ernährung, Schlafmangel und zu wenig Erholung aus ihrer Sicht zur Zerrung führten. Die Profisportlerin spricht offen darüber und erzählt, wie sie die Trainer Joel Filliol und Drew Box im Frühjahr aufrüttelten und ihr klarmachten, dass sie ihre sportliche Weiterentwicklung gefährdete.

Mit Erfolg. «Das hat mir Ruhe ins Ganze gegeben», sagt die Dürntnerin. Gelassen nimmt König zugleich, dass sie den Start zur am 18. Mai beginnenden Olympia-Qualifikationsphase verpasst. «Wenn ich das 2026 Geplante umsetzen kann, bin ich relativ entspannt. Ich habe das Vertrauen in mir, dass es aufgeht.»

Die Spiele in Los Angeles sind in Königs Alltag nicht «megapräsent», wie sie sagt. Sie wären aber fraglos ihr Karrierehöhepunkt. Auf Olympia versteifen möchte sich König indes nicht. Sie ruft sich ihren Weg als Triathletin in Erinnerung. «Es sind all die Momente, die man sammelt. Ich habe bisher eine Riesenstory erlebt, ohne an Olympia gewesen zu sein.»

Dieses Mal soll es dennoch klappen. König stehen mehrere Wege zum Ticket offen. Eine Variante wäre etwa, dass sich die Schweiz in der Mixed-Staffel einen Platz sichert.

Die Qualifikationsregeln sind komplex. Darauf angesprochen, lacht König. Sie hat das Thema mit den Coaches besprochen und mag deren Herangehensweise. «Sie haben mir gesagt: ‹Du musst einfach liefern und die beste Schweizerin sein, dann bist du dabei.›»

Filliol und Box sind erfahrene Coaches, die mit zahlreichen Athletinnen und Athleten Erfolge feierten. Auf ihrer Website schreiben sie von über 100 WTCS-Podestplätzen, dazu drei Olympia-Medaillen. Entsprechend gross ist das Selbstvertrauen des Duos.

König hingegen muss sich in Momenten des Zweifels besinnen, was sie erreicht hat. Zweimal wurde sie letzte Saison Elfte in WTCS-Rennen. Es sind Resultate, die sie bisweilen anschaut, um sich zu sagen: «Schon krass.»

Bei ihr, aber eben auch bei ihren Coaches ist der Anspruch jetzt gestiegen, die Top Ten sind das neue Ziel. Was daraus folgt? Läuft König in der WTCS regelmässig in die Top Ten, erlebt sie in Los Angeles auch ihre Olympia-Premiere.

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