Bezirk Hinwil

Bezirk Pfäffikon

Bezirk Uster

Tösstal

Themen

Specials

Services

ZO Portale

Abo

Sport

Sie musste lange in sich hineinhören

Alissa König hat einen Grundsatzentscheid gefällt. Sie hat sich dafür viel Zeit gelassen.

Von Verletzungen gestoppt: Alissa König hat zwei schwierige Saisons hinter sich.

Foto: Swiss Triathlon/mitchproductions.ch

Sie musste lange in sich hineinhören

Dürntner Triathletin

Alissa König steuerte die Olympischen Spiele in Paris 2024 an, ehe sie Verletzungen bremsten. Die 27-Jährige fragte sich daraufhin: Was jetzt?

Jörg Greb

Sie galt als Hoffnungsträgern. Und sie sicherte der Schweizer Mixed-Equipe die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2021 in Tokio: Alissa König. In der japanischen Hauptstadt dabei war die Dürntnerin indes nicht. Andere wurden ihr vorgezogen.

Sicher war sie sich hingegen: «2024, Paris, das ist meine Vision, an den nächsten Olympischen Spielen will ich performen.» Inzwischen ist viel geschehen, und klar ist: Alissa Königs Entwicklung hat in keiner Weise dem Vorgesehenen entsprochen.

Im 2022 raubte ihr ein Ermüdungsbruch im rechten Fuss zumindest die zweite Saisonhälfte. Und mit dem gezielt in Angriff genommenen Comeback sollte es auch nicht klappen. Anstelle des angesteuerten WM-Serie-Rennens in Abu Dhabi im letzten März lag sie zu Hause. Der Grund: Bei einem Velotraining im Freien stürzte sie auf einer Eisplatte.

Die Konsequenz: Bruch der Hand, Notoperation. Wieder sah sie sich zurückgeworfen. Wieder hatte sie zu pausieren.

Anfang Mai fühlte sie sich wieder bereit. König stieg in die Wettkampfsaison ein. Nur spielte der im Vorjahr verletzte Fuss nicht richtig mit. Röntgenaufnahmen wie ein CT förderte zutage, dass der Bruch von damals nicht perfekt verheilt war.

Wie reagieren? Was tun? König und ihr Umfeld um den früheren Nationalcoach Gordon Crawford kamen zum Schluss: «Hinauszögern und versuchen, mit der neuen Situation zurechtzukommen.»

Die tickende Zeitbombe

Ganz ausblenden und überspielen konnte die Athletin die Realität nicht. Vor allem die Einschätzung eines Facharztes spielte mit: «Dein Problem lässt sich nur mit einer weiteren Operation lösen. Wenn du jetzt weitermachst, ist das wie eine tickende Zeitbombe.»

Eine weitere Saison streichen wollte die ambitionierte Sportlerin dennoch nicht. Sie suchte einen Weg zum Durchziehen. Vor allem die Lauftrainings sorgten für Schmerzen.

Zur Kompensation lief sie aber nur zwei bis drei Einheiten pro Woche – dafür intensiv: Keine Schwierigkeiten bereiteten das Schwimmen und das Velofahren.

Für mich ist eine Welt zusammengebrochen.

Alissa König

Aber: Die Rechnung ging nicht auf. Vor allem die Sprint-WM in Hamburg Mitte Juli wurde zur grossen Enttäuschung. Hauchdünn verpasste König den Final.

Der Frust sass tief. «Für mich ist eine Welt zusammengebrochen», sagt sie noch heute.

Jetzt handelte sie rasch: Sechs Tage später lag sie erneut auf dem Operationstisch. Blickt sie heute und nach sechs Wochen an Krücken nochmals zurück, staunt sie über sich selber: «Ich hatte das Ganze völlig unterschätzt. Diese Situation machte mich kaputt.» Und schiebt einen weiteren bemerkenswerten Satz nach: «Ich ging davon aus, dass ich eine mental stärkere Athletin und Person bin.»

Vor allem schien ihr «die Zeit davonzulaufen». Statt Punkte fürs Olympia-Ranking zu ergattern, lag sie flach und zum Nichtstun verurteilt. Diese Ungewissheit war verbunden mit «kreisenden Gedanken im Kopf».

Wochenlang dauerte dieser Zustand an. «Wie weiter?», fragte sie sich. Und zentral: «Will und kann ich nochmals alles auf die Karte Sport setzen nach derart vielen Tiefschlägen?»

Die Lösung kristallisiert sich heraus

König gab sich Zeit. Sie machte eine Auslegeordnung und redete mit ihrem privaten und sportlichen Umfeld intensiv über das Thema. Und die Oberländerin hörte in sich hinein. Und wartete.

In den letzten zwei, drei Monaten begann sich die Antwort herauszukristallisieren. Diese lautet: «Ich will es nochmals wissen, und zwar richtig.»

Ins Ausland zieht es Alissa König. Girona im Nordosten Spanien heisst ihre neue Destination. Ab Anfang 2024 vertraut sie auf die Eins-zu-eins-Betreuung durch den bekannten spanischen Coach Joel Filliol und dem Australier Drew Box.

Die Vision dahinter ist klar: «Ich habe den Traum Paris 2024 noch nicht begraben. Ich will die Chance in Angriff nehmen.» Und ein Gefühl begleitet sie: «Ich will dankbar sein, wenn ich Leistung erbringen kann.» Gelernt hat sie jüngst, wie wenig es braucht, dass dem nicht so ist.

Noch befindet sich der Lebensmittelpunkt von Alissa König im Oberland. Bereits aber trainiert sie nach den Anweisungen und Plänen ihrer neuen Trainer – voll im Schwimmen und Velofahren, noch immer reduziert und vorsichtig beim Laufen.

Der gewaltige Schritt

Vor Kurzem war sie für eine Woche in Spanien, um zu einem Eindruck vor Ort zu kommen und die neuen Bezugspersonen persönlich kennenzulernen.

Die Überzeugung in ihr «neues Projekt» verfestigte sich. Nicht zuletzt überzeugte sie die Philosophie und die grosse Erfahrung mit Verletzung und zurückgebundenen Athletinnen und Athleten. Und was heisst das privat? «Da handelt es sich um einen gewaltigen Schritt», ist sie sich im Klaren. Aber, sie fühlt sich von ihrem engsten Umfeld unterstützt.

Abo

Möchten Sie weiterlesen?

Liebe Leserin, lieber Leser

Nichts ist gratis im Leben, auch nicht Qualitätsjournalismus aus der Region. Wir liefern Ihnen Tag für Tag relevante Informationen aus Ihrer Region, wir wollen Ihnen die vielen Facetten des Alltagslebens zeigen und wir versuchen, Zusammenhänge und gesellschaftliche Probleme zu beleuchten. Sie können unsere Arbeit unterstützen mit einem Kauf unserer Abos. Vielen Dank!

Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

Sie sind bereits Abonnent? Dann melden Sie sich hier an

Digital-Abo

Mit dem Digital-Abo profitieren Sie von vielen Vorteilen und können die Inhalte auf zueriost.ch uneingeschränkt nutzen.

Sind Sie bereits angemeldet und sehen trotzdem nicht den gesamten Artikel?

Dann lösen Sie hier ein aktuelles Abo.

Fehler gefunden?

Jetzt melden.

Kontakt

Inserieren

Abo

Services

Über uns