Die Olympia-Premiere hat sie noch hungriger gemacht
Für Kaitlyn McGregor bleibt nach den Winterspielen kaum Zeit zum Durchatmen. Auf die Ebmatingerin wartet bereits der nächste Höhepunkt.
Es sind rastlose Tage für die Ebmatingerin Kaitlyn McGregor. Zwischen Mailand, wo sie ihre Olympia-Premiere feierte, einem Abstecher an ihren heutigen Wohnort Weggis, Trainingseinheiten in Geisingen sowie einem Kurztrip nach Berlin bleibt kaum Zeit zum Durchatmen. Und schon steht der nächste Höhepunkt an: In Heerenveen startet sie ab dem 5. März an den Allround-Weltmeisterschaften.
In der deutschen Hauptstadt hält sie diesen Samstag an der Wirtschaftshochschule ESMT Berlin im Rahmen einer Konferenzreihe einen Vortrag. Sie berichtet über ihre Geschichte – jene von zwei verpassten Olympischen Spielen, einer sechsjährigen Pause dazwischen und der späten Rückkehr. «Ich habe sie schon oft erzählt – und mache es auch gerne», sagt sie.
Für McGregor war Olympia ein Traum, den sie bereits als 12-Jährige in Gedanken durchgespielt hatte. Vor Ort realisierte sie erst, wie viel Energie sie der Alltag an den Spielen kostet. «Ich musste meine Kräfte besser einteilen», sagt sie. Deshalb verzichtete sie auf den Besuch der Eröffnungsfeier, um sich auf die anstehenden Rennen zu konzentrieren.
Kein Hadern – nur Dankbarkeit
Bei den Winterspielen war McGregor die Hauptfigur im dreiköpfigen Schweizer Eisschnelllauf-Team. Vier Starts, Rang sechs im Massenstart, ein Diplom. Es ist das beste Einzelergebnis aller Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus der Region. Damit erzielte sie zugleich das bislang stärkste Olympia-Resultat einer Schweizer Eisschnellläuferin. In verschiedenen Medien ist von einem «Olympia-Märchen» die Rede. Sie selbst bleibt unaufgeregt: «Auch wenn noch mehr möglich gewesen wäre – ich bin extrem dankbar.»
Über 1500 Meter, ihrer Lieblingsdistanz, gerät McGregor in der letzten Kurve ins Straucheln. Am Ende wird sie Elfte – ohne dieses Missgeschick wäre sogar Rang vier möglich gewesen. Hinterher erhält sie viel Zuspruch. «Lass den Kopf nicht hängen», heisst es in den persönlichen Nachrichten. Schlechte Gefühle habe sie aber keine, sagt sie. «Ganz im Gegenteil: Dieses Rennen hat mir nochmals einen Motivationsschub für die Zukunft gegeben.»
Das will etwas heissen: Am Dienstag wird McGregor 32 Jahre alt. Ein Rücktritt ist allerdings kein Thema. «Es standen deutlich ältere Läuferinnen auf dem Podest. Das ist auch für mich machbar», sagt sie. Sie fühlt sich so gut wie noch nie – und ist überzeugt, dass noch mehr möglich ist. Gerade auch, weil sie einige Jahre pausierte. «Auf den Geraden bin ich stark. Aber meine Kurventechnik kann noch besser werden.» Aus diesem Grund schwebt eine zweite Olympia-Teilnahme durchaus am Horizont.
Gibt es einen WM-Start über 5000 m?
Zunächst ist aber die alle zwei Jahre stattfindende Allround-WM in ihrem Fokus. «Ich habe mich schon während der Winterspiele auf Heerenveen gefreut», sagt McGregor. Im Unterschied zu den sonst üblichen Wettkämpfen gewinnt hier nicht die Schnellste auf einer einzelnen Strecke, sondern die konstanteste Läuferin über kurze und lange Distanzen.
Bei der letzten Austragung in Inzell (GER) war McGregor Elfte geworden. Die besten acht nach den Läufen über 500 m, 1500 m und 3000 m qualifizieren sich für das abschliessende 5000-m-Rennen – eine Distanz, die sie weit über 15 Jahre nicht mehr gelaufen ist. «Ein Top-8-Platz wäre natürlich unglaublich», sagt sie und blickt voller Vorfreude auf die Tage im niederländischen Eisschnelllauf-Mekka.
Danach steht dann endlich etwas Erholung auf dem Programm. Mit ihren Eltern reist sie nach Florida, wo auch ihr Bruder mit seiner Familie, die in Boston lebt, zu ihnen stösst. Nach Monaten voller Wettkämpfe und Trainings sind das die ersten Momente, in denen McGregor wirklich durchatmen kann.