So schwierig ist der Weg für den EHC Wetzikon in die Playoffs
Der EHCW hat in den Play-Ins die Chance, seine bisher enttäuschende MHL-Saison aufzuhübschen. Was aber sind Play-Ins überhaupt? Und weshalb müssen die Wetziker diese bestreiten?
Ziel verpasst: Die Top 6 bleiben unerreichbar
Mit der fünften Niederlage in Serie hat der EHC Wetzikon am Samstag die Qualifikation in der MHL beendet. Den anvisierten Sprung in die Top 6 verpassten die Oberländer in ihrer zweiten Saison in der höchsten Amateurliga überaus deutlich. 18 Punkte fehlten ihnen, um sich direkt für die Playoffs zu qualifizieren. Jetzt wird der Weg dahin beschwerlich. Im Vergleich zu ihrer ersten MHL-Saison waren die Wetziker als Neunte zwar um einen Rang besser. Das Team von Trainer Cédric Hüsler holte im Schnitt einen Punkt pro Spiel, was eine leichte Verschlechterung gegenüber der Vorsaison (1,031) ist.
Etwas mehr als die Hälfte der Qualifikation war der EHCW in den Kampf um den 6. Rang involviert, dann verlor er zusehends an Terrain. «Wir haben gut angefangen, danach aber stagniert», sagt Sportchef Luzi Schneider. Er ortet als Gründe nachlassenden Hunger sowie fehlenden Konkurrenzkampf aufgrund von Verletzungen. Das letzte Drittel der Qualifikation war gar keine erfreuliche Angelegenheit mehr.
Die Wetziker waren über die gesamte Saison gesehen defensiv stabil, sie kassierten rund eine Handvoll Gegentreffer mehr als Playoff-Teilnehmer Frauenfeld (6.). Die Thurgauer trafen hingegen deutlich öfter (24 Tore mehr). Es ist ein klarer Hinweis auf die grösste Problemstelle der Oberländer. Wie schwer sich diese in der Offensive zuletzt taten, verdeutlicht ein Datum: Am 19. November erzielte der EHCW letztmals mehr als drei Treffer – beim 4:6 gegen Lyss, den Play-In-Gegner.
Der erste Gegner: Lyss ist ebenfalls nicht in Form
Die Vorzeichen für die am Dienstag beginnenden Play-Ins, in denen es um die letzten zwei Playoff-Plätze geht, könnten für den EHC Wetzikon besser sein. Der gute Auftritt beim Tabellenzweiten Franches-Montagnes beim 2:3 nach Penaltyschiessen gibt ihm etwas Schwung, das schon. Vor Selbstvertrauen strotzen dürfte er dennoch nicht.
Dafür waren die jüngsten Resultate – unabhängig von den jeweiligen Leistungen – zu enttäuschend. Nur eines seiner letzten zehn Spiele vermochte er zu gewinnen. Im EHCW herrscht dennoch Ruhe. Und ein Formnachteil ist gegenüber Play-In-Gegner Lyss auch keiner auszumachen.
Die Lysser weisen dieselbe magere Statistik mit nur einem Sieg und neun Niederlagen auf. Die Vereinsführung der Seeländer sah sich genötigt, zu handeln. Mit der branchenüblichen Begründung vom «neuen Impuls» ersetzte sie zwei Runden vor Schluss den Headcoach durch die bisherigen Assistenten. Der Effekt war bescheiden, rein auf die Resultate bezogen. Statistisch die Nase vorne haben die Lysser derweil in den Direktduellen mit Wetzikon. Zwei der drei entschieden sie für sich. Das dritte und letzte im Januar gewann der EHCW 3:2 – es war zugleich sein letztes Erfolgserlebnis.
Der Modus: Der Rechner sollte griffbereit sein
Die vier Teams auf den Plätzen 7 bis 10 machen die letzten zwei Playoff-Plätze unter sich aus. Sie tun dies neu in den Play-Ins. Anders als die abgeschafften Pre-Playoffs ist das nun angewendete Format keine Serie, sondern besteht aus einem Hin- und einem Rückspiel. Für den Tabellenneunten EHC Wetzikon heisst das: Er trifft auf den Zehnten Lyss, wobei dieser zu Hause beginnt. Das Team mit dem besseren Gesamtskore ist weiter. Es lohnt sich deshalb allenfalls, den Rechner griffbereit zu haben.
Wissen muss man: Anders als in der Qualifikation können die Play-In-Partien unentschieden enden. Ist das Gesamtskore nach der regulären Spielzeit im zweiten Spiel unentschieden, folgt eine 20-minütige Verlängerung. Wenn nötig, auch noch ein Penaltyschiessen.
So kompliziert das alles auf den ersten Blick ausschaut, die Ausgangslage für den EHCW ist simpel. Verliert er gegen Lyss, ist seine Saison vorbei. Gewinnt er, wartet auf ihn der Verlierer des Duells zwischen Langenthal und Bülach. Oder anders gesagt: Der EHC Wetzikon muss fürs Playoff-Ticket zwei Gegner aus dem Weg räumen.
Die Kaderplanung: Lustige Videos, viele Unterschriften
Tröpfchenweise hat der EHC Wetzikon in den letzten Wochen Neuigkeiten zur Kaderplanung in den sozialen Medien vermeldet. Den einen oder anderen Neuzuzug, vor allem aber Vertragsverlängerungen. Es sind keine trockenen Posts, sondern kreative Beiträge wie etwa jenes Video über Rubio Schir. Trainer Cédric Hüsler kommt in diesem nicht mehr aus dem Schwärmen heraus über den Captain. «Wie ein junges Reh, den musst du einfach verlängern», ruft er, während der Stürmer auf dem Eis herumkurvt. Schir verkündet wenig später an der Bande stehend: «Ich habe um ein Jahr verlängert», was der Trainer mit den Worten quittiert: «Ganz geil!»
Schir gehört als 28-Jähriger zu den wenigen älteren Leistungsträgern im EHCW. Entsprechend wichtig ist es fürs junge Team, dass er bleibt. Neben ihm haben zahlreiche Stammspieler verlängert. Die Kaderplanung ist weit fortgeschritten. Klar ist etwa auch, dass Topskorer Gian Andrea Thöny Ende Saison zurücktritt.
Drei Torhüter, sieben Verteidiger und zehn Stürmer stehen laut Sportchef Luzi Schneider für nächste Saison bisher unter Vertrag. Schneider spricht davon, dass zwei Topstürmer zum EHC Wetzikon stossen werden, ohne deren Namen verraten zu wollen. Einer soll aus der MHL kommen, der andere aus der Swiss League. Keine Frage: Treffsichere Angreifer kann der EHCW brauchen.