So lernen Wetzikons Pflasterstein-Profis von morgen
Stein für Stein
30 Lernende üben eine Woche lang vor der katholischen Kirche Wetzikon das Pflastern – und hinterlassen ein sichtbares Ergebnis.
«Und was meint der Oberprofi zu unserer Arbeit?» Der Lernende grinst bei seiner Frage. Andy Schneider, ein erfahrener Strassenbauer, begutachtet die Pflästerung aus Granitsteinen. «Sieht gut aus, aber schon etwas schräg», erwidert er scherzhaft. «Ist ja nur ein Übungsstück.»
Auf dem Vorplatz der katholischen Kirche in Wetzikon herrscht diese Woche reges Treiben. 30 Lernende Fachleute Betriebsunterhalt EFZ aus dem ganzen Kanton Zürich nehmen an einem einwöchigen Pflästerkurs teil. Man hört hier eine genaue Arbeitserklärung, dort einen neckischen Spruch. Dazwischen schlägt immer wieder ein Gummihammer mit einem dumpfen «Tock» auf einen Pflasterstein.
Jedes Jahr organisiert die Inauen Strassenbau AG einen Kurs zum Thema Pflästerungen für Lernende. Eine Gemeinde oder Stadt stellt dem Ustermer Strassenbauunternehmen jeweils im März ein Gebiet zur Verfügung, in dem die 15- bis 20-Jährigen das Handwerk erproben können.
Von der Theorie in die Praxis
Das Kursgelände ist in drei Bereiche aufgeteilt. Im Theorieraum steht Steinkunde, die Berechnung von Betonmengen oder das richtige Abstecken einer Geraden auf dem Programm. «Das ist die Grundlage für unser Handwerk», sagt Andy Schneider, Geschäftsführer der Inauen Strassenbau AG. Ohne Theorie funktioniere auch die Praxis nicht.
Das Gelernte können die motivierten Jugendlichen im nächsten Zug gleich anwenden. In zwei Übungsrahmen auf dem Boden stecken sie eine Linie ab. «Dann bleiben die Reihen sauber parallel», erklärt Schneider. Danach folgt die eigentliche Arbeit: Stein für Stein wird gesetzt, ausgerichtet und festgeklopft.



Im letzten Schritt geht es an den Vorplatz der Kirche. Die Lernenden pflastern die gesamte Länge des Parkplatzes entlang. «Sie sind extrem schnell unterwegs», zeigt sich Rolf Zahnd, Bereichsleiter Unterhaltsdienst der Stadt Wetzikon, beeindruckt. Das habe die ursprüngliche Planung auf den Kopf gestellt. «Daher machen sie spontan noch den Belag neben der Pflästerung.»
Im April stehen ausserdem bei den Lernenden im dritten Lehrjahr die praktischen Abschlussprüfungen an. Die richtige Knotentechnik für gerade Absteckungen oder das Pflastern mit sogenannten Verbundsteinen wird dort auf die Probe gestellt. «Die zusätzliche Übung kommt da natürlich gelegen», so Zahnd.
Er sieht auch für Wetzikon nur Positives. Die Katholische Kirche wollte den Parkplatz sowieso erneuern – die Stadt sah dafür ursprünglich keinen Bedarf. «Für den Pflästerkurs mit Inauen bot sich der Bereich aber super an», erläutert Zahnd. Davon profitierten die Lernenden, die Stadt und die Katholische Kirche. «Es ist eine Win-win-win-Situation.»
Teamarbeit im Strassenbau
Auch wenn der Pflästerkurs klar männerdominiert ist, nehmen drei Frauen daran teil. Die Dübendorferin Marisa stört das aber nicht. «Ich bin es mir von meinem Lehrbetrieb so gewohnt.» Sie ist im ersten Lehrjahr und arbeitet seit einem halben Jahr auf dem Bau. «Im Kurs ist es völlig in Ordnung, im Betrieb wären aber mehr Frauen schön.»

Für die meisten Lernenden ist es das erste Mal, dass sie solche Pflästerungen machen. «Es macht Spass, und wir lernen viel Neues», sagt Denis. «Ausserdem verstehen wir uns einfach gut miteinander», ergänzt sein Kollege Alex. Teamleiter David zieht die Gruppe zuerst scherzhaft auf, gesteht dann aber: «Sie machen es top, das Teamwork ist super.»
Die Arbeit der Lernenden bleibt in Wetzikon noch lange sichtbar. «Immer wenn ich hier durchfahre, kann ich sagen: Schau, das habe ich gemacht», erzählt Ruben. Das sei mit ein Grund, warum er überhaupt so einen Beruf gewählt habe. Das Pflastern ist gleichzeitig eine Herausforderung. «Es ist aber spannend, etwas auszuprobieren, das man noch gar nicht kann», meint Linus.

Genau das ist das Ziel von Andy Schneider. «Es ist eine super Gelegenheit, dass die Jungen einen Einblick ins Pflastern erhalten.» Denn im Strassenbau komme diese Technik immer seltener zum Einsatz. Gepflastert wird höchstens noch auf Vorplätzen oder bei alten Gebäuden. «Eigentlich schade – ich finde es persönlich sehr schön», meint Schneider.
Die Faszination von Schneider ist an dem sonnigen Vormittag klar zu spüren. Der langjährige Strassenbauer betrachtet die gesetzten Steine der Jugendlichen zufrieden. Der Nachwuchs in handwerklichen Berufen werde aber immer seltener. «Darum sind solche Projekte so wichtig – damit junge Menschen sehen, was hinter diesem Beruf steckt.»
Ein paar Meter weiter richtet ein Lernender nochmals einen Granitstein aus und klopft ihn mit dem Gummihammer fest. «Passt», sagt sein Teamkollege und schaut zufrieden über die Reihe. Dann geht die Arbeit weiter – Stein für Stein.