Die ehemals jüngste Gemeinderätin gibt jetzt in Dürnten den Ton an
Die neue Gemeindepräsidentin von Dürnten ist zwar noch jung, sitzt aber bereits seit zwei Legislaturen im Gemeinderat. Die offensichtlich entscheidungsfreudige Jasmin Aeschbacher übernimmt im Dorf ab dem 1. Juli die Verantwortung.
Es ist zu hoffen, dass der Fall nie eintritt: Doch sollte im Dorf einmal ein Grossalarm ausgelöst werden, rückt sie als Präsidentin der Feuerwehrkommission zu jeder Zeit aus. Jasmin Aeschbacher spricht gern vor Versammlungen und ist zugleich eine gute Zuhörerin. Selbst hebt sie ihre Ausdauer oder ihr Organisationsgeschick hervor.
Im Gespräch wirkt sie offen und zugewandt. Trotz der schon vor längerer Zeit vereinbarten Verabredung zeigt sie sich noch immer etwas erstaunt darüber, dass wir sie porträtieren wollen. Sie ist keine jener Personen, die ihre beruflichen oder privaten Leistungen nach aussen tragen.
Dabei schaffte die heute 32-Jährige schon vor acht Jahren mit der Wahl in den Dürntner Gemeinderat etwas Bemerkenswertes: Sie wurde damals die jüngste Gemeinderätin im Kanton Zürich. Nun hat sie sich zwei Legislaturen später – in denen sie als Schutz- und Sicherheitsvorsteherin keine einzige Gemeinderatssitzung verpasste – als Sahnehäubchen auch noch das Gemeindepräsidium erobert. Damit ist sie sogar eine weitere Hürde höher gesprungen. Deutlich höher als Urs Roth (parteilos), ihr Gemeinderatskollege und Konkurrent ums Präsidium, der ihr das Podest in kollegialer Manier überliess, ja überlassen musste.
«Mit ihrer starken Kommunikation, ihrem ausgeprägten Optimismus und ihrem unermüdlichen Engagement managt sie ihr politisches Amt und ihre Familie erfolgreich», sagt eine Frau aus dem Dorf über Aeschbacher. Jemand anderes meint, die Gemeinderätin habe sich bereits bewährt, das Präsidium sei nur ein logischer nächster Schritt.
Dabei hat die dreifache Mutter parallel zu den bald bevorstehenden Herausforderungen ihres hohen Amts auch noch akademische Ziele im Blick. Aeschbacher absolviert derzeit ein Teilzeitstudium in Angewandtem Recht an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW). «Die Präsenzpflicht ist zum Glück nicht so hoch, daher funktioniert das Jonglieren zwischen Familie, Gemeinderat und Studium ganz gut.» Gleichzeitig wird sich ihr Pensum auf kommunaler Ebene nun bald nochmals um 20 Prozent erhöhen. Das Wort Flexibilität fällt während des Gesprächs immer wieder. Genauso preist sie die Unterstützung und Bereitwilligkeit ihres Mannes, der ihr «freie Tage» für ihre politische Arbeit ermögliche.
Aeschbacher arbeitet auch öfter und somit flexibel von zu Hause aus, wo sie Sitzungen vorbereitet, ihrem Studium nachgeht oder sich um ihre Kinder kümmert. «Ich schätze die Nähe und Überschaubarkeit des Dorfs. Zwar kennt man längst nicht alle Einwohner, aber unser ländlicher Charme bleibt uns erhalten.»
Bei einem kurzen Schwatz beim Einkaufen oder an Anlässen erfahre man gerne einmal, wo der Schuh im Dorf drücke, was die Einwohner bewege. «Ich weiche nicht aus und bin so natürlich auch am Puls des Geschehens.»
Ringen um die Sache
Zum ersten Mal mit Behörden in Berührung kam die junge Politikerin während ihrer kaufmännischen Ausbildung in der Gemeindeverwaltung von Rüti, was ihr Interesse an Kommunalpolitik förderte. «Nachträglich betrachtet ist es wohl hilfreich, dass ich meine Lehre nicht im gleichen Haus machte, dem ich jetzt vorstehe», meint Aeschbacher in Bezug auf die Abgrenzung ihrer wechselnden Funktionen.
In der direkten Nachbargemeinde lebte Aeschbacher während ihrer Kindheit und Jugend. Später arbeitete sie in unterschiedlichen Verwaltungen, zuletzt als Leiterin Zusatzleistungen zur AHV/IV. Längst ist sie aber wieder nach Tann zurückgekehrt, von wo aus sie nach fast einem Jahrzehnt als Gemeinderätin weiterhin vieles in Gang bringen will.
«Die Kommunalpolitik hat mich schon immer fasziniert, da der Gestaltungsraum gross ist. Dürnten weist hierbei die Besonderheit auf, dass sich auch viele Parteilose in Ämtern engagieren», sagt Aeschbacher. Tatsächlich fällt den Parteien in Dürnten im Vergleich zu anderen Gemeinden weniger Gewicht zu.
Die meisten Mitglieder der Exekutive sind parteilos oder gehören wie Aeschbacher der Freien Demokratischen Vereinigung (FDV) an. «Schliesslich ringen wir im Rat gemeinsam um die besten Lösungen und ziehen miteinander am Strick für eine Sache.»
Visionen für Dürnten
Übrigens: Früher sang Jasmin Aeschbacher an Hochzeiten oder spielte als begeisterte Hobbymusikerin Klavier. Nun gibt sie auch mit Blick auf ihre Arbeit für Dürnten bald anderweitig den Ton an – und die Zeit drängt.
Im kommenden Frühling zieht die Gemeindeverwaltung aus den schönen Giebelhäusern im Dorfkern in den modernen Neubau in Tann, der sich derzeit noch im Bau befindet. «Damit stellt sich die Frage, wie das bisherige Gemeindeareal direkt neben der Kirche genutzt werden kann», sagt Aeschbacher.
Die Bevölkerung konnte sich in den letzten Jahren bereits aktiv beim Sammeln von möglichen Umsetzungsideen einbringen. Während der kommenden Legislatur unter der Ägide der neuen Gemeindepräsidentin soll es ans Eingemachte gehen.
Das favorisierte Projekt «Dorfpark» ist nach einer Machbarkeitsstudie bereits vom Gemeinderat erkoren und wird nun näher geprüft. Der Dorfkern soll wenn möglich mit einem Café, einem Begegnungsplatz und Wohnraum aufgewertet werden. Nach Abschluss der Überprüfung ist eine Informationsveranstaltung für die Bevölkerung vorgesehen.

«Auch wenn die Umsetzung noch nicht vollständig geklärt ist, steht fest, dass das Zentrum in Dürnten lebendiger werden soll, was sich auch viele wünschen.» Wenn Jasmin Aeschbacher also, wovon auszugehen ist, bei all ihren Aufgaben als Gemeindepräsidentin genauso lebhaft und fokussiert ist, wie sie es schon in der Vergangenheit war, sollte einem sich wandelnden Dürnten wohl nichts mehr im Wege stehen.
Die offizielle Geschäftsübergabe mit Aeschbachers Vorgänger Peter Jäggi (FDV) steht noch bevor. Akten wälzt die junge Politikerin für ihre kommende Amtszeit schon jetzt und sagt ganz gelassen: «Ich freue mich sehr und will es einfach gut machen.» Ob die bereits erfahrene Jungpolitikerin künftig nach noch höheren politischen Ämtern strebt, steht derzeit in den Sternen.