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So viele ÖV-Nutzer wie noch nie

Regionale Verkehrsbetriebe vermelden erneuten Fahrgastrekord

71 Millionen – so viele Fahrgäste transportierten die Verkehrsbetriebe Glattal (VBG) und die Verkehrsbetriebe Zürichsee und Oberland (VZO) letztes Jahr. Welche Erklärungen gibt es für diesen Wachstum?

Besonders in den Hauptverkehrszeiten stossen gewisse Buslinien im Oberland an ihre Kapazitätsgrenzen. (Archivbild)

Foto: Christian Merz

Regionale Verkehrsbetriebe vermelden erneuten Fahrgastrekord

So viele ÖV-Nutzer wie noch nie

71 Millionen – so viele Fahrgäste transportierten die Verkehrsbetriebe Glattal und die Verkehrsbetriebe Zürichsee und Oberland letztes Jahr. Welche Erklärungen gibt es für dieses Wachstum?

Die öffentlichen Verkehrsmittel in der Region sind beliebt. Dies geht aus den neuen Fahrgastdaten der Verkehrsbetriebe Glattal (VBG) und der Verkehrsbetriebe Zürichsee und Oberland (VZO) hervor.

Beide Unternehmen schreiben von einem deutlichen Anstieg der Passagierzahlen. Zusammengerechnet transportierten sie letztes Jahr durchschnittlich jeden Tag knapp 200’000 Fahrgäste – das entspricht etwa dem Siebenfachen der Wetziker Wohnbevölkerung.

Glattalbahn knackt erstmals die 10-Millionen-Grenze

Rund 43,6 Millionen Passagiere stiegen im Jahr 2025 in die Busse der VBG ein. Das sind rund 4,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Besonders hohe Zahlen verzeichneten die beiden Glattalbahn-Linien 10 (Zürich HB–Zürich Flughafen) und 12 (Stettbach–Zürich Flughafen). Beide Linien zusammen transportierten fast einen Viertel aller VBG-Fahrgäste.

Die VBG schätzen, dass dieser Anstieg mit mehreren Gründen zusammenhängt: Zum einen ziehen generell immer mehr Leute in den städtischen Raum und dessen Randregionen, zum anderen ist man mit dem öffentlichen Verkehr im Raum Zürich, wo beispielsweise Parkplätze oft Mangelware sind, einfacher unterwegs.

Ebenfalls ein deutlicher Anstieg ist bei den Bussen in Dübendorf und Volketswil auszumachen. Nur ein leichtes Wachstum gab es rund um Effretikon: Mit 0,2 Prozent Zuwachs stagnieren dort die Fahrgastzahlen. Die VBG erklären den Wert dadurch, dass in dieser Region in den letzten Jahren weder grosse Änderungen im Fahrplan noch ein starkes Bevölkerungswachstum auszumachen waren.

Deshalb ist in den Räumen Effretikon und Volketswil mit dem Fahrplanwechsel in diesem Dezember ein grösseres, völlig überarbeitetes Angebotskonzept geplant: So wird unter anderem eine neue Linie zwischen den Bahnhöfen Uster und Effretikon eingeführt.

Leicht negative Werte gab es einzig bei der Pünktlichkeit der VBG-Busse: 2025 sank diese um 0,7 Prozent auf 88,5 Prozent. In jedoch nur 2,4 Prozent aller Fälle verpassten die Reisenden dadurch ihre Anschlüsse.

Gezielte Ausbauten bei den VZO

Auch die VZO sprechen von einem Rekordjahr: Mit 27,4 Millionen Fahrgästen konnten die Verkehrsbetriebe ihren Vorjahresrekord nochmals um 3,5 Prozent übertreffen. Dieses Wachstum liegt laut Adrian Suter, dem Leiter Angebot und Markt, so weit im Erwartbaren: «Der Verkehr und die Bevölkerung nehmen zu, deshalb erwarten wir auch einen Zuwachs bei den Fahrgastzahlen um etwa 3 bis 4 Prozent pro Jahr.»

Ein besonders grosses Wachstum beobachten die VZO in den Räumen Wetzikon und Rüti. Hier schneiden die Linien 850 (Wetzikon–Bauma), 857 (Wetzikon, Bahnhof–Wetzikon, Zentrum), 862 (Rundkurs Wetzikon–Gossau) und 884 (Rundkurs Rüti via Bergacher) besonders gut ab. Grund dafür sind laut einer Medienmitteilung Angebotsausbauten am Wochenende.

In den Hauptverkehrszeiten jedoch gelangen gewisse Linien an ihre Kapazitätsgrenzen. Um diese Engpässe zu entschärfen, möchten die VZO ab kommendem Dezember weitere Zusatzbusse einsetzen. Auf den Linien 856 (Wetzikon, Bahnhof–Wetzikon, Kastellstrasse), 858 (Wetzikon–Hittnau), 869 (Wetzikon–Hinwil) und 882 (Bubikon–Dürnten) sollen neu Gelenk- statt Standardbusse verkehren, um die Kapazität zu erhöhen.

Morgen- und Abendstunden als grösste Herausforderung

Von den neu bestellten Bussen soll nur einer ein Elektrobus sein. «Die aktuell erhältlichen Modelle sind für unsere Bedürfnisse eigentlich zu hoch gebaut», erklärt Suter. Man schreibe die nächsten Busse im kommenden Jahr aus. Ab 2027 würden ausschliesslich Elektrobusse bestellt werden.

Positive Bilanz ziehen die Verkehrsbetriebe Zürichsee und Oberland bei ihrer Pünktlichkeitsquote, die sie letztes Jahr um 1,3 Prozent auf rund 82 Prozent verbessern konnten. Den Grund dafür sehen die VZO bei der Einstellung des Ticketverkaufs beim Chauffeur Ende 2024, was sich positiv auf die Fahrzeiten auswirkt.

Einzig in der Hauptverkehrszeit nahm die Pünktlichkeit ab. «Am Morgen und am Abend ist der Verkehr auf den Strassen so dicht, dass die Busse öfter im Stau stehen», teilt Suter mit. Besonders unpünktlich seien dabei die Linien 869 (Wetzikon–Hinwil) und 870 (Hinwil–Rüti), welche letztes Jahr durch Baustellen und fehlende Busbevorzugung häufig zu spät kamen.

Abgenommen hat weiter die Anschlusspünktlichkeit: Sie sank um ein Prozent auf 95 Prozent. Die Verkehrsbetriebe erklären sich diesen Rückgang durch zunehmendes Verkehrsaufkommen und neue Tempo-30-Zonen.

Hohe Kundenzufriedenheit

Die Zahlen zeigen: Der Service beider Verkehrsunternehmen bleibt auf einem hohen Niveau. Dies bestätigen auch kantonale Fahrgastbefragungen des Zürcher Verkehrsverbunds (ZVV) über QR-Codes in Bussen.

Durch gezielte Ausbauten und Fahrplanoptimierungen soll in den nächsten Jahren das Angebot noch attraktiver gestaltet werden. Grössere Änderungen in der Oberländer ÖV-Landschaft gibt es wohl aber erst wieder nach dem nächsten Ausbauschritt der Zürcher S-Bahn, welcher bis zum Jahr 2035 erfolgen soll.

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