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Knappes Ergebnis

Wie sich der Streit um die Polizei in Egg auf die Wahlen auswirkte

Top-Resultate und ein äusserst knappes Ergebnis: Die emotionale Debatte um die Gemeindepolizei Egg hat sich auch auf die Wahlen niedergeschlagen.

Die Wahlen in Egg waren auch geprägt von den Ereignissen rund um die Gemeindepolizei.

Bildkombo: jgu

Wie sich der Streit um die Polizei in Egg auf die Wahlen auswirkte

Knappes Ergebnis

Topresultate und ein äusserst knappes Ergebnis: Die emotionale Debatte um die Gemeindepolizei Egg hat sich auch auf die Wahlen niedergeschlagen.

Die Wahlen offenbarten in Egg eine Überraschung: Am meisten Stimmen sammelten nicht etwa die routinierten Gemeinderäte, die sich wieder zur Wahl stellten, sondern zwei neue Gesichter. Der lang andauernde Konflikt um die Gemeindepolizei hatte anscheinend seine Spuren hinterlassen.

Zwei Neue mit Glanzergebnis

Die Spitze der Wahlergebnisse führte Roger Meister (parteilos) an. «Dass es gerade für das beste Resultat reicht, hätte ich nicht gedacht», sagt der 50-Jährige. Weshalb die Wahlen für ihn wie aus dem Bilderbuch vonstattengingen, darüber kann er nur spekulieren. Einerseits kenne man ihn durch seine jahrelange Vereinstätigkeit, andererseits dürfte dies auch mit der Stimmung im Dorf zusammenhängen.

Ein Mann schaut in Richtung Kamera.
Roger Meister (parteilos) konnte bei diesen Wahlen auf die breite Unterstützung des Stimmvolks zählen.

Damit spielt er unter anderem auf die Gemeindepolizei an, über deren Zukunft am Sonntag ebenfalls abgestimmt wurde. Letztlich sprachen sich gut 55 Prozent der Eggerinnen und Egger für die kommunale Polizei aus.

Auch im Gespräch mit dem neu gewählten Pascal Graf (FDP), der sich die zweitmeisten Stimmen einheimsen konnte, wird klar: «Wir hatten in den letzten Wochen turbulente Zeiten erlebt. Nun geht es darum, wieder Ruhe reinzubringen.» Er freut sich auf seine neue Aufgabe und die Verantwortung, die er ab dem Sommer übernehmen darf.

Ein Mann blickt in die Kamera.
Pascal Graf (FDP) erhielt bei den Wahlen am zweitmeisten Stimmen.

Dass er im ersten Versuch ein solch gutes Ergebnis erzielen konnte, erklärt er mit seiner Verankerung in der Gemeinde. In Egg aufgewachsen, aktiv im Unihockeyclub – früher auch mal im Fussballclub – und erste Erfahrungen in der Kirchenpflege gesammelt: Diese Punkte dürften ihm in die Karten gespielt haben.

Das Bibbern der Bisherigen

Verbunden mit der emotionalen Polizeidebatte, die die beiden neuen Gemeinderäte ansprechen, war in der Vergangenheit jedoch auch eine Skepsis gegenüber dem aktuellen Gemeinderat zu vernehmen. Diese Stimmung schlug sich in den Wahlresultaten nieder.

So haben es zwar alle Bisherigen, die erneut kandidierten, wieder in die Behörde geschafft. Namentlich sind dies Oliver Künzler (FDP), Markus Ramsauer (SVP), Urs Rehhorn als Schulpräsident (parteilos), Leslie Bächler (Die Mitte) und Christoph Domeisen (GLP). Allerdings wurden die beiden Letzteren mit 1345 respektive 1322 Stimmen nur haarscharf wiedergewählt.

Domeisen ist der Vorsteher des Ressorts Sicherheit, dem auch die Polizei angegliedert ist. Ihn und der nicht gewählte Ramon Baumann (FDP) trennten gerade mal 14 Stimmen. «Dass es so knapp war, ist fast schmerzhafter, als wenn der Unterschied grösser gewesen wäre», sagt der 23-jährige Baumann im Nachgang und spekuliert: «Es dürfte daran liegen, dass ein paar ältere Wähler gefunden haben, ich sei zu jung.» Nichtsdestotrotz spricht er von einem sehr guten Ergebnis, von der Anzahl Stimmen sei er überrascht worden.

Ein Mann blickt in die Kamera.
Knapp verpasst, ist nicht gewählt: Ramon Baumann (FDP) fehlten nur wenige Stimmen für die Wahl in die Exekutive.

SVP verbucht Wahlniederlage

Den Sprung in den Gemeinderat hatten neben Baumann auch Sergio Oesch (proEgg) und Lorenz Kunz (SVP) nicht geschafft. Die SVP Egg verfehlte somit ihr Ziel, einen zweiten Sitz in der Exekutive zu ergattern. Tobias Infortuna, Präsident der SVP Egg, spricht den Einfluss der Polizeidiskussion auf die Resultate an.

Einen Einfluss auf die Wahlen in der Rechnungsprüfungkommission (RPK), deren Präsident die Abschaffung der Gemeindepolizei erst gefordert hatte, könne Infortuna aber nicht festmachen. Erwähnenswert ist hier, dass es die Behörde komplett neu zu besetzen galt, da alle Mitglieder nicht mehr zur Wahl antraten. Über die Jahre hatte sich das Verhältnis zwischen der RPK und dem Gemeinderat zudem zugespitzt – zuletzt wegen der Initiative zur Abschaffung der Gemeindepolizei.

Für die fünfköpfige Kommission kandidierten sieben Personen. Die SVP verpasste mit ihren beiden Kandidaten jedoch die Wahl. Die Wahlschlappe in der RPK erklärt sich Infortuna wie folgt: «Der Trend der Parteilosen geht weiter.» Drei der neuen RPK-Mitglieder gehören keiner Partei an. «Sie kommen gut an, weil die Bevölkerung wahrscheinlich parteilos mit unparteiisch verwechselt.»

Auf das Wahlergebnis angesprochen, sagt der SVP-Präsident: «Natürlich ist es schade, dass es bei den neuen SVP-Kandidaten nicht gereicht hat.» Allerdings betont er auch den Erfolg von Markus Ramsauer. Dieser wurde klar in den Gemeinderat wiedergewählt, zudem wird er der neue Gemeindepräsident.

Ein Mann überreicht einem anderen Mann Blumen.
Markus Ramsauer (SVP, links) nimmt nach der Wahl zum Gemeindepräsidenten von Egg die ersten Glückwünsche entgegen.

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