«Die graue Eminenz» will Gemeindepräsident in Egg werden
Ein Amt, ein Kandidat
Egg erhält einen neuen Gemeindepräsidenten: Gibt es bei den Wahlen keine Überraschung, wird dies Markus Ramsauer – ein Mensch, der in seinem Leben schon einiges durchgestanden hat.
Die Gemeinde Egg wird am 8. März einen neuen Präsidenten ernennen, denn Tobias Bolliger (FDP) tritt nicht mehr zur Wahl an. Für das Amt kandidiert einzig Markus Ramsauer (SVP), weshalb er höchstwahrscheinlich Bolliger beerben darf.
Seit 2010 sitzt Ramsauer bereits im Gemeinderat, derzeit als Vizepräsident des Gremiums. Als Vorsteher des Ressorts Tiefbau trat er in der Öffentlichkeit bisher nur stellenweise in Erscheinung. Deshalb stellt sich die Frage: Wer ist eigentlich Markus Ramsauer?
Politik braucht Geduld
61 Jahre alt, IT-Projektleiter, Vater von zwei Töchtern und sportlich: Etwa so könnte ein Steckbrief von Ramsauer lauten. Doch wie würde er sich selbst beschreiben? Ihm fallen direkt zwei Dinge ein: «Ich bin hilfsbereit und ein Macher.» Im Gespräch wirkt der erfahrene Lokalpolitiker ruhig und überlegt, seine Antworten bringt er problemlos auf den Punkt.
Was ihm jedoch Mühe bereitet, ist, wenn es nicht vorwärtsgeht. Er sei der Typ, der Projekte und Arbeiten gerne vorantreibe. Doch in der Politik ist ebenso Geduld gefragt – beispielsweise, wenn das Volk ein Geschäft mehrmals ablehnt. Das fuchse ihn zwar etwas, umgehen könne er damit aber allemal.
«Die graue Eminenz»
Als Politiker schätzt er den Kontakt zu den Menschen. Findet in der Gemeinde ein Anlass statt, ist er mit grosser Wahrscheinlichkeit vor Ort anzutreffen. «Ich muss spüren, dass sich die Menschen wohlfühlen.» Und das kommt nicht von ungefähr. Ramsauers gesellige Seite dürfte ihm wortwörtlich in die Wiege gelegt worden sein.
Als jüngstes Kind einer Bauernfamilie wuchs er mit zwei älteren Schwestern und vier älteren Brüdern auf. Sein Vater und eine Schwester verstarben allerdings relativ früh. So zog es die Mutter mit der Rasselbande in eine Wohnung nach Egg. Die Platzverhältnisse waren eher knapp bemessen. «Da ist man fast schon ‹gezwungenermassen› gesellig.»
Diese Charaktereigenschaft hat sich anscheinend bis heute gehalten. So ist er seit Jahrzehnten fest im Leben der Gemeinde verankert, beispielsweise im Turnverein. Selbst bezeichnet er sich als «die graue Eminenz» des Vereins – mit einem Augenzwinkern, versteht sich.
Sich nach schwerem Unfall zurückgekämpft
Auch neben dem Turnverein betätigt sich der 61-Jährige gerne sportlich. Biken, joggen und Ski fahren gehören zu seinen liebsten Freizeitbeschäftigungen. Dass er heutzutage überhaupt Sport treiben kann, ist dabei alles andere als selbstverständlich.
Vor über sieben Jahren verunfallte er bei einer Treibjagd. Er stürzte sieben Meter in die Tiefe und zog sich schwere Verletzungen zu. Hüftabwärts war er gelähmt. Sein Arzt hat ihn damals gefragt, was er einst gerne wieder tun würde: «Ski fahren», antwortete er. Und siehe da, nach vier Monaten stand er tatsächlich wieder auf den Brettern. Nur wenige Tage später brach er sich zwar das Schlüsselbein. Davon liess er sich seine Dankbarkeit über seine Genesung aber nicht nehmen.
«Wir müssen einander auch verzeihen»
Mit dem Blick in die Zukunft will er sich nun als Gemeindepräsident für die Weiterentwicklung von Egg einsetzen. Dazu gehörten unter anderem die Schulgebäude, das Dorfzentrum und der Gemeindesaal, der die aktuellen Bedürfnisse nicht mehr zufriedenstellend abdecken könne. Zeitgleich alle Projekte anzugehen, sei aus finanzieller Sicht allerdings nicht möglich.
Was die Gemeinde zudem besonders bewegt, ist das angespannte Verhältnis zwischen der Rechnungsprüfungskommission (RPK), dem Gemeinderat und der Bevölkerung. Zuletzt spürbar wurde dies an der Informationsveranstaltung über die Initiative «Abschaffung der Gemeindepolizei Egg», über die das Volk am 8. März abstimmt. Vor Ort machten diverse Einwohnerinnen und Einwohner ihrem Unmut Luft.
Die aktuelle Lage ist eine unschöne Situation für alle Beteiligten, das hat Ramsauer erkannt: «Es ist mir ein Anliegen, die Dynamik in die richtigen Wogen zu lenken.» Dafür müsse man ebenso Fehler eingestehen können – und: «Wir müssen einander auch verzeihen.»
Die bevorstehenden Wahlen sind dabei eine Chance, da es zu einem Wechsel kommen wird. Denn die Mitglieder der RPK hatten sich geschlossen dazu entschieden, nicht mehr zu kandidieren. Dieses Gremium wird also gänzlich neu besetzt.