Politik

Stedtli-Beruhigung muss warten

Grüninger Umfahrung kommt frühestens 2034

Seit Jahrzehnten wartet Grüningen auf eine Entlastung des historischen Stedtli vom Durchgangsverkehr. Zuletzt stellte der Kanton eine Eröffnung der Umfahrung 2032 in Aussicht. Nun zeigt sich: Vor 2034 wird daraus nichts.

Grüninger Umfahrung kommt frühestens 2034

Stedtli-Beruhigung muss warten

Seit Jahrzehnten wartet Grüningen auf eine Entlastung des historischen Stedtli vom Durchgangsverkehr. Zuletzt stellte der Kanton eine Eröffnung der Umfahrung 2032 in Aussicht. Nun zeigt sich: Vor 2034 wird daraus nichts.

Die Pläne für die Grüninger Stedtli-Umfahrung werden konkreter – doch bis tatsächlich die ersten Autos über die geplante Calatrava-Brücke rollen, dürfte es länger dauern als zuletzt angenommen. Noch im Oktober 2025 hiess es, dass die Umfahrung im besten Fall 2032 in Betrieb gehen könnte. Voraussetzung dafür sei, dass das Projekt alle politischen Hürden nehme und keine Rekurse eingingen.

Nun nennt der Regierungsrat einen späteren Zeitpunkt. In seiner Antwort auf eine Anfrage der Gossauer Kantonsrätin Andrea Gisler (GLP) schreibt er, dass die Umfahrung frühestens 2034 dem Verkehr übergeben werden könnte. Selbst dieser Zeitpunkt ist nicht garantiert: Voraussetzung sind die finanzielle Tragbarkeit für den Kanton sowie die politische und juristische Machbarkeit. Auch mögliche Rechtsmittelverfahren könnten den Zeitplan beeinflussen.

Derzeit werden die Einwendungen aus der öffentlichen Mitwirkung vom Herbst 2025 bearbeitet. Das definitive Bauprojekt ist in Arbeit und soll voraussichtlich im Herbst 2027 öffentlich aufgelegt werden.

Gemeinde könnte bei Priorisierung helfen

Eine entscheidende Hürde ist die Finanzierung. Wegen der aktuellen finanzpolitischen Lage überprüft der Kanton sämtliche Investitionsprojekte, die noch nicht in der Ausführung sind. Derzeit wird geprüft, ob die Grüninger Umfahrung in den Konsolidierten Entwicklungs- und Finanzplan (KEF) 2028–2031 aufgenommen werden kann.

Dabei könnte eine finanzielle Beteiligung Grüningens einen Unterschied machen. Der Regierungsrat hält ausdrücklich fest, dass eine allfällige Mitfinanzierung durch die Standortgemeinde bei der Investitionspriorisierung berücksichtigt wird. Wie hoch eine solche Beteiligung sein müsste und welchen konkreten Einfluss sie hätte, bleibt offen.

Seit Jahrzehnten ein Thema

Für Grüningen bedeutet die neue Zeitangabe weiteres Warten in einer ohnehin langen Geschichte. Bereits in den 1970er Jahren protestierten Bewohnerinnen und Bewohner des Stedtli gegen den Durchgangsverkehr – unter anderem mit einem gemeinsamen Frühstückstisch mitten auf der Fahrbahn.

Konkreter wurden die Umfahrungspläne später. 2003 gab die Gemeinde erste Vorprojektstudien in Auftrag. 2012 entschied der Regierungsrat, eine Umfahrung mit Brücke zu realisieren, und legte die Linienführung östlich des Stedtli fest. Zwei Jahre später kam jedoch die Eidgenössische Natur- und Heimatschutzkommission zum Schluss, dass ein solches Projekt wegen seiner Auswirkungen auf das Landschaftsbild nicht bewilligungsfähig sei.

2018 kam Santiago Calatrava ins Spiel. Sein Büro gewann den Studienauftrag für die Umfahrung. Das Projekt sieht eine Brücke über das Aabachtobel und eine Unterführung vor.

Warum die Umfahrung für Grüningen von Bedeutung ist, zeigt die heutige Verkehrssituation. Rund 5500 Fahrzeuge passieren täglich den Ortskern. Die Gassen seien einst für Kutschen gebaut worden. Der historische Dorfkern ist durch den Einbahnverkehr ein Nadelöhr; Anwohner beklagen zudem Erschütterungen durch Lastwagen und Landwirtschaftsfahrzeuge und befürchten Schäden an der historischen Bausubstanz.

Die Umfahrung soll deshalb nicht nur Verkehr aus dem Stedtli holen. Die Gemeinde beschäftigt sich bereits damit, wie der dadurch frei werdende Raum künftig genutzt werden könnte. In einer Umfrage 2025 beteiligten sich 523 Personen an Überlegungen zur künftigen Gestaltung des Zentrums.

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