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Gesellschaft

Ein Blick in die Zukunft

So könnte das Stedtli Grüningen dank der Umfahrung aufblühen

Mit der geplanten Calatrava-Brücke würde das historische Grüninger Stedtli verkehrsberuhigt. Bereits heute setzt sich die Gemeinde mit dem gewonnen Platz auseinander.

Carlo Wiedmer ist sich sicher: Von der Umfahrung und der damit einhergehenden Aufwertung des Stedtli würden alle profitieren.

Foto: Marie Fredericq

So könnte das Stedtli Grüningen dank der Umfahrung aufblühen

Mit der geplanten Calatrava-Brücke würde das historische Grüninger Stedtli verkehrsberuhigt. Bereits heute setzt sich die Gemeinde mit dem gewonnenen Platz auseinander.

Die Calatrava-Brücke soll das Grüninger Stedtli vom Durchgangsverkehr befreien und Platz für Neues schaffen. So prophezeit es zumindest die Vision rund um die geplante Stedtli-Umfahrung.

Bereits heute will sich Gemeindepräsident Carlo Wiedmer (SVP) deshalb mit den damit einhergehenden Möglichkeiten im Zentrum befassen, denn mit der Umfahrung ginge die Stedtligasse in Gemeindegebiet über – und ebenso deren Gestaltungsmöglichkeiten. Um der Bevölkerung auf den Zahn zu fühlen, liess er im Frühjahr eine Umfrage durchführen.

Das Ergebnis zeigt: Die Grüningerinnen und Grüninger wissen ziemlich genau, was sie mit dem gewonnenen Platz respektive dem verkehrsberuhigten Stedtli anfangen wollen.

Ganze 523 Teilnehmende haben die Umfrage ausgefüllt. «Ein erstaunliches Ergebnis, wenn man bedenkt, dass Grüningen mit 4000 Einwohnern recht klein ist», sagt Wiedmer. Das Engagement verdeutliche, wie wichtig die Aufwertung des Stedtli für die Bevölkerung sei.

Lieblingsorte und solche mit Potenzial

In der genannten Umfrage konnten die Teilnehmenden ihre Lieblingsplätze markieren. Besonders beliebt sind das Schloss samt Umgebung, der Platz Im Chratz, der Stedtlipark sowie der Spielplatz und die Veranstaltungswiese.

Gründe dafür seien unter anderem die Aussicht, die ruhige, schattige und idyllische Atmosphäre, historische Wahrzeichen sowie die Möglichkeit auf Begegnungen und für Veranstaltungen.

Neben Lieblingsorten konnten die an der Umfrage Teilnehmenden auch jene Orte nennen, an denen sie Verbesserungspotenzial sehen. Eher negativ genannt wurden die Stedtligasse, der Damm sowie das Areal des Parks entlang der Strasse. Auf der Karte wird deutlich: Die Nennungen konzentrieren sich vor allem auf die heutige Durchfahrtsstrasse.

Eine Grafik von den Orten, die negativ genannt wurden.
Die Karte zeigt deutlich: Die Grüningerinnen und Grüninger sehen vor allem entlang der heutigen Durchfahrtsstrasse Verbesserungspotenzial.

Genannte Gründe waren vor allem der Durchgangsverkehr und damit einhergehender Lärm, Unübersichtlichkeit, ein zu schmales oder kein vorhandenes Trottoir sowie fehlende Ästhetik. Auch zu wenige Grünflächen respektive Bäume wurden als Kritikpunkt angebracht.

Weiter wurden die Teilnehmenden gebeten, ihre heutige und zukünftige Nutzung der Grüninger Altstadt darzustellen. Besonders auffallend ist, dass Vorhaben wie «den Aufenthalt und den schönen Ort geniessen» sowie «spazieren gehen» und «Restaurants besuchen» mit einer Aufwertung des Stedtli deutlich zunehmen würden.

Weiter geben die Grüningerinnen und Grüninger in der Umfrage kund, dass sie sich für die Zukunft einen Hofladen oder Wochenmarkt, eine Gelateria, ein zusätzliches Café und Gastronomie mit Aussenbestuhlung im Stedtli vorstellen könnten. Auch mehr Veranstaltungen sind auf der Wunschliste der Bevölkerung.

Mehr Leben, mehr Charakter, mehr Charme

«Die Umfrage zeigt, dass die Grüningerinnen und Grüninger prinzipiell das Bedürfnis haben, sich mehr im Ortskern aufzuhalten», sagt Wiedmer. Das merke man auch am Frühlings- und am Herbstmarkt in Grüningen, die jedes Jahr ein Highlight für die Bevölkerung seien.

Und so war auch dieses Jahr wieder einiges los, als es hiess, dass die Stedtligasse für den Marktbetrieb gesperrt wird. Es ist eines der beiden Wochenenden im Jahr, wo die Grüningerinnen und Grüninger in eine mögliche Zukunft blicken. Und von überallher ist man sich einig – der historische Dorfkern hat mehr verdient als Durchgangsverkehr.

So hört man am Markt mehrere Stimmen aus dem Publikum, die sagen, wie schön es doch wäre, wenn Grüningen immer einen zentralen Ort zum gemeinsamen Aufenthalt hätte, so wie es am Markt der Fall sei.

Ein Besucher bringt es besonders auf den Punkt. «Mit der Umfahrung könnte man das Stedtli beleben, Lokalläden ergänzen, eine Bummelstrasse wäre möglich», sagt Florian Flöscher aus Grüningen. Mehr Leben, mehr Charakter, mehr Charme – das wünscht er sich für sein Dorf. Und damit schaut er in eine Richtung, die auch Gemeindepräsident Wiedmer im Sinne hat.

«Vergebenes Potenzial»

Mit einem Freiraumkonzept, das unter anderem auch durch die Umfrage inspiriert wurde, schaut Wiedmer in eine mögliche Zukunft. «Es ist kein fixer Fahrplan, aber eine Idee, wie das Stedtli Grüningen dank dem Bau der Calatrava-Brücke aufblühen könnte», erklärt er.

Dabei denkt Wiedmer an eine Erweiterung von Gartenwirtschaften, neue Aufenthaltsorte mit Bänkli, die Aufwertung des kleinen Parks und mehr Begrünung – ebendiese Dinge, die sich die Grüningerinnen und Grüninger wünschen.

Dazu sollen Asphaltflächen reduziert werden und Begrünungen von Fassaden das Ortsbild beleben. Im Freiraumkonzept sind zudem neue Sitzgelegenheiten und Treffpunkte eingeplant: Verweilorte, Brunnenbereiche und Sitzbänke sind vorgesehen, um die Gasse in sozialer Hinsicht zu aktivieren.

Zugunsten von Grünflächen und Begegnungszonen könnten ausserdem die Parkfelder reduziert werden. Die Erdgeschosse sollen aktiv für gemeinsame Orte wie kleine Läden, Ateliers oder Cafés genutzt werden. Zudem wären ohne den Durchgangsverkehr auch ein Wochenmarkt sowie andere kleine Veranstaltungen denkbar.

Heute ist Grüningen das einzige historische Städtchen im Kanton, das noch von Durchgangsverkehr betroffen ist. «Das ist einfach vergebenes Potenzial», unterstreicht Wiedmer. In den kommenden Jahren will er gemeinsam mit den Gemeindebewohnern die Zukunftspläne konkretisieren.

Bis dieses Potenzial aber wirklich genutzt werden kann, müssen sich die Grüningerinnen und Grüninger noch etwas gedulden. Laut aktuellem Fahrplan wird der Bau der Brücke frühestens 2029 starten – und die Inbetriebnahme dürfte damit 2032 anstehen.

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