Parlament treibt Einheitsgemeinde voran – zum Leidwesen der Exekutive
Die Idee einer Fusion zwischen Sekundarschulgemeinde und Politischer Gemeinde wird den Stadtrat noch weiter beschäftigen. Das Dübendorfer Parlament will die Idee weiterverfolgen.
Zu einer möglichen Fusion zwischen der Politischen Gemeinde Dübendorf und der Sekundarschule Dübendorf-Schwerzenbach hat der Stadtrat einen umfassenden Bericht erstellt. Das Parlament hatte im April 2025 ein entsprechendes Postulat von Thomas Maier (GLP) und 18 Mitunterzeichnenden überwiesen – gegen den Willen des Stadtrats. Am Montagabend wurde dieser Bericht an der Gemeinderatssitzung im Speicher der Oberen Mühle diskutiert.
Zusammengefasst sind darin als Vorteile aufgeführt, dass die Zuständigkeiten klar geregelt wären oder das Organisatorische vereinfacht würde. Allerdings, so der Stadtrat, gelte es grosse politische Hürden zu überwinden: Die Stimmberechtigten der Sekundarschulgemeinde Dübendorf-Schwerzenbach müssten die Auflösung der Schulgemeinde an der Urne beschliessen. Parallel dazu wären die Gemeindeordnungen anzupassen und vom Souverän abzusegnen.
Eine Fusion bringt mehr politische Baustellen als konkreten Nutzen.
André Ingold
Stadtpräsident Dübendorf (SVP)
Die Gemeinde Schwerzenbach ohne eigenes Sek-Schulhaus müsste bei einer Auflösung der Sekundarschulgemeinde eine neue Lösung suchen. Der Bericht kommt zum Schluss: «Ein Anschlussvertrag mit Dübendorf wäre aus organisatorischer Sicht naheliegend.» Damit würde allerdings Schwerzenbach die direkte Mitsprache in einer eigenen Schulbehörde verlieren und wäre von Dübendorf abhängig.
Der Widerstand steht bereits fest. Neben dem Stadtrat sprechen sich die Sekundarschulpflege Dübendorf-Schwerzenbach sowie der Gemeinderat und die Primarschulpflege von Schwerzenbach deutlich gegen eine Fusion aus.
Stadtpräsident André Ingold (SVP) sagte während der Ratssitzung: «Eine Fusion bringt mehr politische Baustellen als konkreten Nutzen.»
Für Postulant Maier überwiegen hingegen die Vorteile. Langfristig gesehen, sei eine Einheitsgemeinde immer noch sehr erstrebenswert. Eine Zusammenlegung würde das aktuelle System schlanker machen, und weniger Behörden müssten sich mit den gleichen Fragen beschäftigen. «Für die politischen Parteien ist es heute sehr schwierig, für die vielen Behörden in Dübendorf kompetente Kandidatinnen und Kandidaten zu finden.» Maier deutete an, einen Vorstoss über die Sekundarschulgemeinde zu prüfen, um den Fusionsprozess anzustossen. Deshalb wollte er das Postulat aufrechterhalten.
Das Preisschild
Finanziell würde Dübendorf die Zusammenlegung einiges kosten. Die Sekundarschulgemeinde hat laut dem Bericht «erhebliche» stille Reserven und ein Eigenkapital von 145 Millionen. Je nach Umsetzung bekäme Schwerzenbach bei einer Auflösung zwischen 10 und 20 Millionen Franken. Dazu kämen Kosten in Höhe von bis zu 400'000 Franken für die Umsetzung.
Auch Patrick Schärli (Die Mitte/EVP) thematisierte die Kosten. «Wir hatten bereits früher erwähnt, dass die Fusion Dübendorf teuer zu stehen kommt.» Zentral war für Schärli auch die ablehnende Haltung der Gemeinde Schwerzenbach. «An einer Zustimmung von Schwerzenbach kommt das Vorhaben nun mal nicht vorbei.»
FDP-Gemeinderätin Angelica De Monaco sprach sich ebenfalls für den Status quo aus. «Die Sekundarschulpflege hat heute kurze Entscheidungswege, klare Zuständigkeiten und einen Schulbetrieb, der funktioniert.»
Während Schärli und De Monaco für die Abschreibung des Postulats plädierten – womit das Ganze vom Tisch wäre –, warb Patrick Walder (SVP) für dessen Aufrechterhaltung. Für ihn machen die Synergien bei einer Fusion Sinn, und er schlug die Brücke zur Wirtschaft. «Dass zwei Sachen in ähnlichen Branchen zusammengeführt werden, ist gang und gäbe.»
Bei der Abstimmung sprach sich das Parlament mit 20 zu 15 Stimmen für die Aufrechterhaltung des Postulats aus. Dieses bleibt somit auf der Geschäftsliste. Der Stadtrat muss es dem Parlament zu einem späteren Zeitpunkt nochmals – allenfalls mit überarbeitetem Bericht – zur Abschreibung unterbreiten.
Ausserdem befasste sich das Parlament mit …
Im Ratssaal wurde eine Schweigeminute für den ehemaligen Gemeinderat Guido Schwegler abgehalten, der im August verstorben ist. Der 68-Jährige sass von 1998 bis 2014 für die Autopartei und danach von 2018 bis 2022 für die SVP im Parlament.
Das Traktandum «Förderung der digitalen Souveränität durch den Einsatz von schweizerischen und Open-Source-Softwarelösungen» des inzwischen abgetretenen Gemeinderats Rafa Tajouri (FDP) und von zehn Mitunterzeichnenden wurde vom Stadtrat beantwortet. Mit 22 zu 15 Stimmen beschloss das Parlament nun, das Postulat aufrechtzuerhalten.
Lukas Schanz (SVP) machte in seiner Fraktionserklärung den Bau des Hallenbads zum Thema. Gegenüber dem Stimmbürger sei das Versprechen nicht eingehalten worden, dass die Badi nur eine Saison geschlossen bleibe, kritisierte Schanz und mahnte zur Vorsicht hinsichtlich möglicher Mehrkosten.
Roland Wüest (SP/Grüne) forderte in einer Fraktionserklärung, dass die Stadt Dübendorf jährlich über häusliche Gewalt einen Bericht veröffentlicht.
Nach dem Rücktritt von Gemeinderat André Csillaghy (SP) wurde Parteikollege Patrick Roduner als Ersatzmitglied in die Kommission für Raumplanungs- und Landgeschäfte (KRL) gewählt.
Der Stadtrat beantwortete in der ersten Fragestunde des Amtsjahrs 16 Fragen aus dem Parlament.

