Uster braucht 3,3 Millionen Franken zusätzlich
Städtische Finanzen
Höhere Pflegekosten, ausbleibende Bussen und mehr Sonderschüler reissen Löcher in drei Budgets der Stadt Uster. Bei der Sicherheit hängt ein Teil davon mit der Rechnungsaffäre der Stadtpolizei zusammen.
Der Stadtrat von Uster beantragt dem Gemeinderat drei Nachtragskredite zum präsentierten Budget im Dezember 2025 in Höhe von insgesamt 3,3 Millionen Franken. Betroffen sind die Geschäftsfelder Primarschule, Sicherheit sowie Gesundheit und Umwelt.
Gemäss Gemeindeordnung muss der Stadtrat einen Nachtragskredit beantragen, sobald ein Geschäftsfeld sein Budget voraussichtlich um mindestens 300’000 Franken und gleichzeitig um mindestens 2 Prozent überschreitet. Bei allen drei Geschäftsfeldern ist das laut den aktuellen Hochrechnungen für 2026 der Fall.
Höhere Pflegestufen, höhere Kosten
Der grösste Nachtragskredit betrifft das Geschäftsfeld Gesundheit und Umwelt, konkret die Pflegefinanzierung für Heimbewohnerinnen und -bewohner. Budgetiert waren 10,77 Millionen Franken, nun zeichnet sich eine Überschreitung um 1,5 Millionen Franken ab.
Der Grund: Sowohl die Zahl der Pflegetage als auch die Pflegestufen der Bewohnerinnen und Bewohner sind stärker gestiegen als bei der Budgetierung erwartet – nicht nur in externen Heimen, sondern auch in den städtischen Heimen Usters.
Höhere Pflegestufen bedeuten höhere Kosten pro Pflegetag. Die Mehrkosten verteilen sich etwa je zur Hälfte auf externe Heime und auf die Heime Usters.
Polizeirechnungen im Fokus
Beim Geschäftsfeld Sicherheit rechnet der Stadtrat mit einer Überschreitung um 0,5 Millionen Franken gegenüber dem budgetierten Globalkredit von 3,804 Millionen Franken, exklusive Abschreibungen.
Hauptgrund sind tiefere Busseneinnahmen als geplant: Für 2026 war ein happiger Zuschlag von 1,2 Millionen Franken eingerechnet worden, weil am Bahnübergang an der Brunnenstrasse testweise eine automatische Überwachung lief. Dieser Pilotbetrieb wurde jedoch bereits im Herbst 2025 wieder eingestellt, weshalb die entsprechenden Einnahmen nun fehlen.
Dazu kommen ein seit Längerem erhöhter Personalaufwand – unter anderem wegen vier befristet angestellten Aspirantinnen und Aspiranten – sowie gestiegene Sachkosten, etwa für Informatik. Die Abteilung Sicherheit hat bereits Gegenmassnahmen ergriffen: Vakante Stellen bei der Stadtpolizei werden wenn möglich nicht neu besetzt, was über 300’000 Franken einspart, und Anschaffungen werden strenger geprüft, was rund 200’000 Franken einsparen soll.
Zusätzlich werden in diesem Jahr Fehler in der Buchhaltung aus dem Vorjahr korrigiert. Dadurch sinkt der Mehraufwand um rund 0,4 Millionen Franken. Gleichzeitig fallen die Abschreibungen etwa 100’000 Franken höher aus als ursprünglich budgetiert.
Die Fehler in der Buchhaltung haben einen konkreten Hintergrund: Bei der Stadtpolizei wurden Rechnungen – insbesondere für Fahrzeuge und Strassensperren – gezielt so aufgesplittet, dass die Einzelbeträge unter der damaligen Kompetenzgrenze von 25’000 Franken blieben. So konnten sie ohne Zustimmung von Kader oder Stadtrat freigegeben werden.
Das Gesamtvolumen dieser Beträge beläuft sich auf eine halbe Million Franken. Die Vorgänge kamen im Rahmen der Abschlussarbeiten zur Jahresrechnung 2026 ans Licht.
Ustermer Kinder sind musikalisch
Im Geschäftsfeld Primarschule wird das Jahresergebnis 2026 aktuell auf 55,3 Millionen Franken geschätzt – 1,3 Millionen Franken mehr als der bewilligte Globalkredit von 54 Millionen Franken. Den grössten Anteil daran hat mit 0,8 Millionen Franken die Sonderpädagogik: Die Zahl der extern sonderbeschulten Kinder steigt, ebenso die vom Kanton verrechneten Kosten. Und weil an öffentlichen Schulen Betreuungsplätze fehlen, müssen mehr Kinder in Privatschulen untergebracht werden.
Für den Regelunterricht entstehen Mehrkosten von rund 245’000 Franken. Der Grund: Die Anzahl der Klassen kann auf das Schuljahr 2026/2027 weniger stark reduziert werden als geplant. Die Musikschule verrechnet der Primarschule rund 100’000 Franken mehr, da mehr Ustermer Kinder Musikunterricht besuchen und die Musikschule dafür zusätzliches Personal anstellen musste.
In den Tagesstrukturen sowie im Bereich «Volksschule übrige» werden je rund 80’000 Franken Mehrkosten erwartet, unter anderem wegen tieferer Einnahmen durch weniger Eltern, die den Maximaltarif bezahlen.
Der Gemeinderat behandelt die drei Nachtragskredite voraussichtlich in seiner Sitzung im Oktober 2026.
