Die Regierung im Oberland ist jetzt jünger, bürgerlicher und männlicher
Wahlen 2026
Die Erneuerungswahlen sind durch, das Oberland hat seine Regierungsköpfe gewählt. Aber wer regiert nun das Oberland? Und was hat sich effektiv verändert?
Bei den letzten Erneuerungswahlen zeichnete sich ein deutliches Bild ab: Der Politiker, der das Oberland «regierte», hiess Stefan Keller, war im Jahr 1963 geboren und Mitglied der FDP. Zumindest sind dies die häufigsten Daten, wenn man die Wahlprotokolle von 2022 analysiert.
Nun hat das Oberland neu gewählt und wird seit dem 1. Juli mit der neuen Konstituierung in den jeweiligen Städten und Gemeinden geführt. Doch wer wird das Oberland die nächsten vier Jahre regieren?
Das Geschlecht: Frauen werden weniger, aber mächtiger
Nun, eine Politikerin ist es nicht. Denn die Frauenquote sank. Nicht viel, aber sie sank. Bei den Wahlen 2022 waren von 221 Exekutivmitgliedern (Stadt- und Gemeinderäte) 75 Frauen. 2026 hingegen sind es noch 70 Frauen – von 220 Mitgliedern, da Fällanden seinen Gemeinderat um einen Sitz verkleinert hat. Die Quote der Frauen liegt bei 32 Prozent und somit um 2 Prozentpunkte niedriger als noch vor vier Jahren.
Einige Gemeinden haben sich sogar vollständig von Frauen in ihrer Exekutive verabschiedet: Egg hatte 2022 eine Gemeinderätin, Fällanden und Russikon hatten jeweils zwei. Nach den Wahlen 2026 sitzen in diesen Gemeinden ausschliesslich Männer im Gemeinderat.
Sorgen um die Oberländer Frauen muss man sich jedoch nicht machen. Der Schweizerische Gemeindeverband schrieb vor zwei Jahren nämlich, dass die Frauenquote bei den Gemeindeexekutiven bei rund 27 Prozent lag. Das Oberland weist immerhin 5 Prozentpunkte mehr Frauen als der nationale Durchschnitt auf.
Zudem zeigt sich noch etwas anderes: Frauen sind in den Exekutiven zwar untervertreten, stehen in ihrer Gemeinden jedoch häufiger an der Spitze als noch vor vier Jahren. 2022 wurden 6 Gemeindepräsidentinnen und 10 Schulpräsidentinnen gewählt. Bei den diesjährigen Wahlen stehen 7 Frauen an der Spitze ihrer Gemeinde und 14 fungieren als Schulpräsidentinnen.
Etwas ausgeglichener sieht es in der Legislative aus – also in den Parlamenten, oder Gemeinderäten wie sie teilweise genannt werden von Dübendorf, Illnau-Effretikon, Uster und Wetzikon. Der Frauenanteil steigt von 29,7 auf 34,5 Prozent. Statt 44 nehmen künftig 51 Frauen Einsitz in der Legislative.
Der Name: Stefan bleibt auf Platz 1
Wie schon 2022 ist der häufigste Vorname der Politiker Stefan – wahlweise mit ph. Dies macht ihm auch niemand streitig, obwohl zwei Stefans heuer nicht mehr angetreten oder gewählt wurden. Auf dem Podest des Zweitplatzierten wird es jedoch etwas eng für Thomas, Reto, Urs, Markus, Andreas und Michael. Diese Namen findet man mit jeweils fünf Vertretern am zweithäufigsten in den Stadt- und Gemeinderäten.
Auch bei den Frauen hat sich nicht viel verändert: Nach wie vor ist Karin der Topname der Oberländer Politikerin. Während ihr im letzten Jahr Barbara und Susanne folgten, sind es aktuell Claudia und Sandra, die am zweithäufigsten vorkommen.
Die Politiker heissen mit Nachnamen eher Rüegg, Müller, Frei und Fehr, während bei den Politikerinnen bloss ein Nachname doppelt vorkommt: Keller.
Das Alter: Alle werden jünger
Die Regierung im Oberland besteht hauptsächlich aus Männern im mittleren Alter, so, wie auch bei den letzten Wahlen. Jedoch werden die Exekutivmitglieder jünger – um etwa drei Jahre. 2022 waren sie durchschnittlich 57-jährig, 2026 sind sie im Durchschnitt 54 Jahre alt. Was ebenfalls bestehen bleibt: Die Frauen sind, damals wie heute, im Durchschnitt älter als die Männer. Der Unterschied beläuft sich ebenfalls auf knapp drei Jahre. 2026 ist der durchschnittliche Politiker 53 Jahre alt, während die Politikerin aufgerundete 56 Jahre alt ist.
Obwohl die Frauen grundsätzlich älter sind, ist die jüngste Person eine Politikerin mit Jahrgang 2000. Die älteste Person ist ein Mann mit Jahrgang 1953.
Noch jünger wurde sogar die Legislative: Das Durchschnittsalter liegt hier bei 45 Jahren. Das sind nicht nur 12 Jahre weniger als in der Exekutive, sondern auch 4 Jahre jünger als bei den letzten Wahlen.
Das Parlament mit den jüngsten Mitgliedern ist nach wie vor jenes in Illnau-Effretikon. 2022 waren die Parlamentarierinnen und Parlamentarier durchschnittlich 46 Jahre alt, 2026 sind es knappe 43 Jahre. Von 36 Personen sind sechs jünger als 30-jährig. Der jüngste Jahrgang in Illnau-Effretikon ist 2003 und kommt doppelt vor – bei einer Parlamentarierin wie auch bei einem Parlamentarier.
Jedoch sitzt das jüngste Parlamentsmitglied nicht im Effretiker Stadthaussaal, sondern in Wetzikon, ein Politiker mit dem Jahrgang 2007. Das älteste Parlament (oder eben Gemeinderat) bleibt nach wie vor Uster, mit durchschnittlich 50 Jahren.
Am meisten verjüngt hat sich aber jenes in Dübendorf. Bei den letzten Wahlen war es etwas über 50 Jahre alt, nun hat es sich aber um knappe 6 Jahre verjüngt. Dies ist nicht das Ergebnis einzelner junger Gewählten, wie etwa in Illnau-Effretikon. Vielmehr fand ein eigentlicher Generationenwechsel statt: Mehrere Parlamentarier der Jahrgänge 1990 bis 1996 rückten nach, während ältere Mitglieder ausschieden. Die Zahl der 30- bis 39-jährigen Ratsmitglieder hat sich von 8 auf 17 mehr als verdoppelt. Gleichzeitig sank die Zahl der über 60-Jährigen von 12 auf 5. Dübendorf ist aktuell das zweitjüngste Parlament.
Die Partei: Parteilose bleiben stark, Bürgerliche legen zu
Parteilose spielen in der Region eine grosse Rolle. Bereits bei den Erneuerungswahlen 2022 waren sie mit 47 Stadt- und Gemeinderätinnen und -räten die zweitstärkste politische Kraft nach der FDP. Daran hat sich nichts geändert. Die Parteilosen legen sogar leicht zu und stellen heute 49 Exekutivmitglieder. Sie bilden vor allem in den kleineren, ländlichen Gemeinden einen Stützpfeiler – Bauma hat 5 Parteilose von 7 Politikern, Seegräben 4 von 7.
Gleichzeitig haben sich die Kräfteverhältnisse zugunsten der bürgerlichen Parteien verschoben. Die SVP erzielt mit 4 zusätzlichen Sitzen den grössten Zuwachs aller Parteien und wächst von 39 auf 43 Exekutivmitglieder. Auch die FDP baut ihre Vertretung aus und kommt neu auf 57 Sitze, 3 mehr als noch vor vier Jahren.
Aber wer regiert denn nun?
Auch wenn sich einiges verändert hat, wie etwa die Verjüngung der Politisierenden, der Parteirutsch nach rechts oder die schwindende Frauenquote, bleibt doch vieles beim Alten: Der typische Politiker ist Stefan Rüegg (FDP), geboren 1966. Politikerin im Oberland ist Karin Keller (FDP), geboren 1967, wie auch im letzten Jahr.
Und auch wenn das Parlament um einiges jünger zu sein scheint, ist der typische Parlamentarier Daniel Meier (SVP), Jahrgang 1967. Aber auch bei den unter 40-Jährigen sticht eine Person heraus: Lukas (SVP), 1992. Bei den Parlamentarierinnen unter 40 Jahre ist es Julia, 1994 geboren, mit Sitz in der SP-Fraktion. Nachnamen haben die jungen Parlamentarier und Parlamentarierinnen keinen typischen.
Wie wir bei dieser Recherche vorgegangen sind
Für diese Geschichte trugen wir Daten aller Politikerinnen und Politiker aus den 33 Politischen Gemeinden zusammen, die für die Legislatur 2026 bis 2030 gewählt wurden. Wir schauten uns zum einen bei den 220 Personen in der Exekutive – also in den Gemeinderäten und Stadträten – um, zum anderen gesondert bei den 148 Personen in der Legislative – in den Parlamenten.
Wir bezogen uns dabei auf die effektiv gewählten Personen. Dabei erfassten wir Partei, Jahrgang, Geschlecht. Wir berücksichtigten die Gemeinden Bäretswil, Bauma, Bubikon, Dübendorf, Dürnten, Egg, Fehraltorf, Fischenthal, Fällanden, Gossau, Greifensee, Grüningen, Hinwil, Hittnau, Illnau-Effretikon, Lindau, Maur, Pfäffikon, Russikon, Rüti, Schlatt, Schwerzenbach, Seegräben, Turbenthal, Uster, Volketswil, Wald, Wangen-Brüttisellen, Weisslingen, Wetzikon, Wila, Wildberg und Zell. (mgp)

