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Grenzbereinigung Uster-Greifensee

Schmid vor Schicksalsabstimmung: «Wir müssen miteinander reden – dann kommt es gut»

Höhere Steuern und weniger Mitsprache: Für den Präsidenten der Oberstufenschule Nänikon-Greifensee gibt es einigen Erklärungsbedarf.

Oberstufenschulpräsident Ulrich Schmid (SVP), hier im Lehrerzimmer des Schulhauses Wüeri, hofft, mit der Vorlage zur Neuorganisation der Schulgemeinde einen Volltreffer landen zu können.

Foto: Christian Brändli

Schmid vor Schicksalsabstimmung: «Wir müssen miteinander reden – dann kommt es gut»

Am 8. März entscheidet sich an der Urne, ob die Sekundarschule Wüeri in Nänikon neu organisiert werden kann. Der Präsident der Oberstufenschule Nänikon-Greifensee macht zwei Kritikpunkte aus.

Der 8. März, der entscheidende Tag für die Zukunft des Sekundarschulhauses Wüeri, rückt näher. Sind Sie nervös? 

Ulrich Schmid: Nervös nicht, aber angespannt. Man kennt mich, deshalb werde ich viel angesprochen. Vielfach sind es Fragen, aber auch eher negative Bemerkungen. Negativ vor allem wegen der Finanzen. Es hat sich herumgesprochen, dass mit der Neuorganisation höhere Steuern zu erwarten sind. Das andere Thema, das für Kritik sorgt, ist der Umstand, dass die Näniker und die Werriker nicht mehr so viel zu sagen haben werden zum Betrieb der Sekundarschule. Gerade zur Klärung dieser Themen wollen wir die Leute nochmals informieren.

Wie gross ist der Frust darüber, dass man bei dieser Vorlage eigentlich nur ein «friss oder stirb» hat? Sprich, stirbt die Vorlage, dann wird der Bezirksrat auf Basis des übergeordneten Rechts eine Gebietsänderung anordnen. Sie gehen selbst davon aus, dass dann die betroffenen Schulgemeinden gar nicht mehr mitbestimmen können. Also, was sagen Sie Leuten, die sich fragen, ob sie überhaupt abstimmen sollen?

Ich versuche allen zu erklären, dass wir jetzt eine Win-win-Situation haben. Davon bin ich nach wie vor überzeugt. Die ausgearbeitete Aufgabenaufteilung ist die beste Lösung für die Sekundarschule Uster wie auch für die Oberstufenschule Nänikon-Greifensee respektive deren Rechtsnachfolgerin, die geplante Sekundarschule Greifensee. Etwas konsterniert bin ich, weil einige diesen Weg zur Neuorganisation einfach nicht akzeptieren wollen oder uns nicht glauben.  

Sie haben vorhin die finanziellen Folgen angesprochen. Sie rechnen mindestens mit einer Angleichung des Steuerfusses der neuen Sekundarschule Greifensee an jenen der Sekundarschule Uster. Das würde eine Steuererhöhung um mindestens 2 Prozentpunkte bedeuten.

Richtig. Aber eben, diese Erhöhung wird mit der vorzunehmenden Gebietsaufteilung so oder so kommen. Da kann man gar nichts dagegen machen. Heute hat die Oberstufenschulgemeinde Nänikon-Greifensee einen Satz von 16 Prozent, die Sekundarschulgemeinde Uster 18 Prozent. Mit der neuen Gebietszuteilung werden die Näniker ab 2027 diesen Aufschlag um 2 Prozentpunkte haben. Allerdings: Ob der Steuerfuss der Sekundarschule Uster gleich bleiben wird, wissen wir nicht. Die Greifenseer werden sicher auch ihren Satz um 2 oder mehr Prozentpunkte anpassen müssen. Das ist eine Folge davon, dass die Steuereinnahmen der juristischen Personen auf Näniker Boden wegfallen. Bisher haben die Greifenseer profitiert. Aber nochmals: Die Steuern für die Näniker und die Greifenseer werden auch bei einem Nein zu dieser Vorlage ansteigen, da dann der Bezirksrat die Gebietsänderung durchsetzen muss.

Der zweite Kritikpunkt ist die Mitsprache. Aber ist es nicht so, dass sich für diese Mitsprache bis anhin nicht allzu viele Leute interessiert haben. Jedenfalls war die Beteiligung an den Versammlungen der Oberstufenschulgemeinde Nänikon-Greifensee eher dürftig.

Genau das gebe ich jenen zur Antwort, die sich jetzt beschweren. Die Näniker haben nicht wirklich mit hoher Präsenz geglänzt. In der Regel sind mehr Greifenseer gekommen. Wir werden weiterhin das Elternforum haben. Dort können sich alle, auch die Näniker, verstärkt einbringen. Ich hoffe innigst, dass die Leute da auch mitmachen.

Die jetzige Abstimmungsvorlage ist nicht gerade einfach, immerhin geht es gleichzeitig um drei Verträge: einen für Gebietsänderung, einen Anstalts- und einen Anschlussvertrag. Bei welchem dieser drei Verträge gibt es am meisten zu erklären?

Ich denke, beim Anstaltsvertrag. Das ist die Lösung, die wir miteinander gefunden haben, um die Schule Wüeri und das Land nicht aufteilen zu müssen. Das hätte grosse Diskussionen gegeben, gerade wegen der Kosten. Zur Führung dieser Anstalt wollen wir Leute mit dem nötigen Wissen, zum Beispiel über Liegenschaftenverwaltung, gewinnen. Zu diskutieren geben wird jetzt sicher noch, was diese Anstaltsführung überhaupt zu sagen hat. Mit unserem Ansatz, über welches Profil diese Leute verfügen müssen und woher sie kommen sollen, haben wir aber einen guten Lösungsvorschlag.

Wie gross ist eigentlich das Informationsbedürfnis über die Vorlage in der Bevölkerung? 

Es ist da. Deshalb veranstalten wir auch nochmals zwei Anlässe. Der eine ging am 3. Februar im Landenberghaus in Greifensee über die Bühne. Der andere findet am 5. Februar hier im Schulhaus Wüeri in Nänikon mit Beginn um 19 Uhr statt.

Was sagen Sie jenen, die lieber einzeln über die Verträge abstimmen möchten, weil sie sich beispielsweise an der Organisation des Anstaltsvorstands stören? 

Diese Frage ist noch gar nicht an mich herangetragen worden. Man schaut das Vorhaben wirklich als Gesamtpaket an. Jenen, die an der heutigen Organisation der Oberstufenschulgemeinde Nänikon-Greifensee festhalten wollen, muss ich einfach sagen: Das geht nicht. Wir haben den juristischen Weg eingeschlagen und sind unterlegen. Das Gesetz schreibt die neue Gebietsaufteilung vor. Bei der von uns präsentierten Lösung hätte eine künftige Sekundarschulgemeinde Greifensee ein Schulhaus. Wird die Vorlage abgelehnt, besteht die Gefahr, dass sie nachher gar nichts haben. Über einen Anschlussvertrag müssten sie versuchen, in Uster ihre Sekundarschüler unterzubringen. Dann gäbe es in Greifensee auch keine eigene Sekundarschulpflege mehr.  

Mehrere Schüler gehen unter einem überdachten Weg in ein Schulhaus.
Im Schulhaus Wüeri in Nänikon sollen auch künftig Sekundarschüler aus Greifensee und Uster zur Schule gehen.

Kann sich die Gemeinde Greifensee, die über eine neue Sekundarschulpflege Greifensee beim Betrieb des Schulhauses Wüeri eingebunden wäre, einen weiteren Ausbau des Schulhauses überhaupt noch leisten? Schliesslich müsste Greifensee 65 Prozent der Kosten tragen.  

Wir haben vor zwei Wochen das Baugesuch für die Aufstockung des Trakts C eingegeben. Das wird rund 3,2 Millionen Franken kosten. Um diesen Bau zu finanzieren, verfügen wir noch über Eigenkapital. Aber es ist natürlich schon so, Uster wie Greifensee müssen künftig jeweils einen gewissen Grundstock liefern, Uster ein Drittel, Greifensee zwei Drittel. Greifensee wird sich einen solchen Ausbau leisten müssen. Schliesslich kommen zwei Drittel der Schüler von dort.

Wo sehen Sie die grössten Knackpunkte nach einem Ja zu dieser Vorlage?

Ehrlich gesagt sehe ich keine. Man muss einfach miteinander reden. Ich sehe sogar den Vorteil, dass wir schneller eine – vielleicht temporäre – Umplatzierung nach Uster vornehmen können, wenn ein Kind an der Schule hier in Nänikon nicht mehr tragbar wäre. Für den normalen Schulbetrieb wird sich mit der Neuorganisation nichts ändern. Mit rund 250 Kindern sind wir eine relativ kleine Schule und verfügen dadurch über kurze Entscheidungswege. Wenn nun künftig etwas mit Uster abgestimmt werden muss, könnte es etwas länger dauern, da wir es mit einer grossen Schulgemeinde zu tun haben, die standardisierte Prozesse kennt. Da müssen wir uns in Nänikon und Greifensee etwas anpassen müssen.

Die Wahlen für die neuen Sekundarschulpflegen in Uster und Greifensee finden ja erst am 27. September statt. Kann man trotzdem schon herausspüren, ob es vor allem in Greifensee überhaupt genug Kandidaten geben wird für die neue Behörde?

Das habe ich mich auch schon gefragt. Von den fünf jetzigen Mitgliedern der Oberstufenschulpflege Nänikon-Greifensee kommen zwei aus Greifensee. Diese beiden Frauen haben mir gegenüber gesagt, dass sie weitermachen wollen. Demnach gälte es, drei weitere Personen zu finden. Offenbar gibt es in Greifensee für die Primarschulpflege eine Bewerbung zu viel. Vielleicht könnte diese für die Sekundarschule gewonnen werden.

Wie hoch wird der Ja-Stimmen-Anteil zur Vorlage in der Sekundarschulgemeinde Uster sein? 

Ich rechne mit etwas mehr als 80 Prozent.

Ulrich Schmid steht an einem Töggeli-Kasten.
Oberstufenschulpräsident Ulrich Schmid (SVP), hier im Lehrerzimmer des Schulhauses Wüeri, versucht, mit der grossen Abstimmungsvorlage einen Volltreffer zu landen.

Und wie hoch in der Oberstufenschulgemeinde Nänikon-Greifensee? 

Nun, ich hoffe auf 55 Prozent. Ich könnte mir aber auch vorstellen, dass er hier unter 50 Prozent zu liegen kommt. Dann wäre es am Bezirksrat, zu entscheiden, wie es weitergeht.

Wie schnell müsste der Bezirksrat bei einem Nein reagieren?

Bis Ende dieses Jahrs. Wenn unsere Vorlage scheitert, ist die Amtsperiode unserer Behörde Ende Juni zu Ende. Das hiesse auch, dass wir ab Juli nicht ganz korrekt unterwegs wären.

Wie tönt Ihr Werbespot für die Vorlage?

Wir müssen miteinander reden – dann kommt es gut.

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