Gemeindepräsident wünscht sich mehr Weihnachtspullover in Wila
Simon Mösch stellt sich nächstes Jahr nicht mehr zur Wahl des Gemeindepräsidenten. Dennoch hat er mit der Politik noch nicht abgeschlossen – und könnte sich vorstellen, irgendwann wieder im Amt zu sein.
Autoren: Sophia Kaspar, Vera Tonezzer, Diego Heusser und Levin Scheck
Simon Mösch (Die Mitte) ist Gemeindepräsident von Wila. Er ist 31 Jahre alt und somit einer der jüngsten Gemeindepräsidenten im Kanton Zürich.
Obwohl er gerne Gemeindepräsident ist, hat er sich entschieden, sich im März 2026 nicht mehr zur Wahl zu stellen. Grund dafür ist, dass ihm die Zeit aktuell mit seiner Familie wichtiger ist – unter anderem, weil bereits sein viertes Kind unterwegs ist. «Als Politiker ist man oft am Abend unterwegs. Ich möchte in nächster Zeit gerne meine Frau mit der Familie unterstützen und die Zeit mit ihnen geniessen.»
Er könnte sich jedoch vorstellen, irgendwann wieder ein politisches Amt zu übernehmen, denn er findet den Beruf des Politikers einen der spannendsten, den es gibt. Abgesehen von seinem aktuellen Amt als Gemeindepräsident arbeitet Simon Mösch selbständig in einem Treuhandbüro.
Grösste Gefahr für die Gemeinde
In seinem Amt als Gemeindepräsident leitet Simon Mösch viele Projekte rund um die Gemeinde. So unter anderem das Hochwasserschutzprojekt, das seit mehreren Jahren in Arbeit ist. «Obwohl es während meiner Amtszeit kein Hochwasser gab, ist das Projekt sehr wichtig für die Gemeinde», sagt der 31-Jährige.
Da Wila am Huebbach liegt, könnten bei einem Hochwasser nämlich Häuser überschwemmt werden. «Das ist eine der grössten Gefahren für die Gemeinde.»
Obwohl er sich im nächsten Frühling nicht mehr zur Wahl stellen will, hat er sein Amt als Gemeindepräsident genossen. Politik ist ihm nach wie vor sehr wichtig: «Politik bedeutet für mich nicht nur, dass die Gemeinde, der Kanton oder der Bund entscheidet. Mir ist es wichtig, dass demokratisch regiert wird und das Volk so viel wie möglich mitentscheiden kann.»
Kein Kindheitstraum
Geplant hatte Mösch eigentlich nie, irgendwann Politiker zu werden. Er hatte zuvor Wirtschaft studiert und hat die Lehrerausbildung gemacht. Bis er Gemeindepräsident wurde, ist er nie an einer Gemeindeversammlung gewesen. «Ich hatte auch als Kind eigentlich nie einen Traumberuf, auch nicht Politiker.»
Heute ist er froh, dass ihn sein Weg in die Kommunalpolitik geführt hat. «Und das nicht nur, weil ich auch gut von zu Hause aus arbeiten kann», sagt er mit einem Augenzwinkern. Sich mit politischen Themen auseinanderzusetzen, sieht Mösch auch als ein Hobby. Daneben geht er ausserdem gerne Joggen und schaut American Football.
Mehr Weihnachtspullis
Mösch ist in seiner Arbeit als Gemeindepräsident ein Teamplayer. Auch Fehler zu machen, gehört für ihn dazu: «Ich finde es besser, Fehler zu machen, als es gar nicht erst zu versuchen. Denn aus Fehlern kann man lernen.» Mit seiner Amtszeit ist er rückblickend zufrieden.
«Ich denke, ich konnte einige Projekte für die Gemeinde vorantreiben, das freut mich.» Als Ur-Wilemer, der schon dort zur Schule ging, liegt ihm die Gemeinde sehr am Herzen. Er ist so zufrieden, dass er eigentlich auch gar nichts in Wila verändern möchte, selbst wenn er das allein entscheiden könnte. «Vielleicht würde ich eine Pflicht für mehr Weihnachtspullis einführen.»
Über seine Nachfolge will Mösch keine Prognose stellen. «Es ist nicht meine Aufgabe, zu entscheiden, wer nach mir kommt.» Es ist ihm jedoch wichtig, dass die primären Ziele von Wila weiterverfolgt werden.
Menschen brauchen Träume
Auch ist es ihm ein Anliegen, dass der Gemeinderat ausgeglichen ist. Auf die Frage, ob er sich mehr Frauen für den Gemeinderat wünscht, sagt er: «Es wäre schön, wenn es gleichviele Frauen wie Männer im Gemeinderat gäbe, Diversität ist immer ein Plus für ein Team.» Er versteht jedoch auch, wenn manche Frauen andere Prioritäten haben.
Der Gemeindepräsident ist klar in seiner Meinung – auch, was Geld betrifft. Hätte Mösch unendlich viel Geld zur Verfügung, würde er sich nicht ein teures Auto kaufen oder eine Villa bauen. Er bleibt pragmatisch: «Ich finde, dass es gar nicht nötig ist, unendlich Geld zu haben. Menschen brauchen Träume, das treibt sie an.»
Sein Traum ist es, vielleicht irgendwann in ein Haus zu ziehen, wo er mehr Platz hat. Und dann eine glückliche Zeit mit seiner Frau und seinen Kindern zu verbringen. «Ich finde, es gibt eine Zeit für die Arbeit, und ich werde sicher weiterhin engagiert arbeiten. Jetzt ist aber der stärkere Fokus auf die Familie.»
Zukunftstag 2025
Das Gespräch mit Simon Mösch und der daraus entstandene Artikel waren Teil des Zukunftstags der Zürcher Oberland Medien. In Begleitung von erfahrenen Redaktorinnen und Redaktoren konnten die Kinder Redaktionsluft schnuppern, Gespräche mit echten Politikern führen und ihre Erkenntnisse zu Papier bringen.
Lesen Sie hier die beiden weiteren Artikel, die am Zukunftstag entstanden sind, sowie den Artikel zum Zukunftstag selbst. In einer weiteren Gruppe ist ausserdem ein Video zu einer Strassenumfrage entstanden, das Sie auf unseren Social-Media-Kanälen finden.
Artikel zum Gespräch mit Joachim Meissner, Vizepräsident in der Schulpflege Wetzikon
Artikel zum Gespräch mit Philip Hirsiger, Gemeindepräsident aus Russikon
Das waren unsere Nachwuchsredaktorinnen und -redaktoren am Zukunftstag 2025