In Wetzikon stauen sich die Investitionen
Standortförderung steht wieder zur Diskussion
Ein «erfreulicher Ertragsüberschuss», aber viel zu tiefe Investitionen: Das Wetziker Parlament wünscht sich eine bessere Planung – und eine baldige Entwicklung des Industrielands Tannenrain.
Neben dem Kredit für das GZO Spital stand am Montag auch die Jahresrechnung 2024 der Stadt Wetzikon auf der Traktandenliste des Parlaments. Diese hat bei einem Umsatz von 325,8 Millionen Franken mit einem Ertragsüberschuss von 5,9 Millionen abgeschlossen. Immerhin lag das Plus damit gut fünfmal höher als budgetiert, was Finanzvorsteherin Sandra Elliscasis (FDP) als «erfreulich» taxierte. Gut sei auch, dass der Schuldenberg der Stadt um 10 Millionen habe reduziert werden können.
Weniger gut sei, dass von den knapp 70 Millionen Franken an geplanten Investitionen nur die Hälfte habe umgesetzt werden können, gestand Elliscasis ein. Dabei helfe die Entwicklung auf dem Kapitalmarkt mit sinkenden Zinsen, dass die 200 Millionen schweren Investitionsvorhaben – mit dem GZO-Kredit kämen nun nochmals knapp 13 Millionen dazu – in den nächsten Jahren eigentlich gut gestemmt werden könnten.
Dieser Investitionsstau wurde denn auch von der Rechnungsprüfungskommission und einzelnen Parlamentariern moniert. «Je länger Investitionen aufgeschoben werden, desto teurer werden sie», meinte etwa Saamel Lohrer (SP). Dem hielt Toni Zweifel (Die Mitte) entgegen, dass die Investitionsquote völlig irrelevant sei. Der Stadtrat brauche den Spielraum, damit er möglichst viele Vorhaben ins Budget hineinpacken, davon dann aber aus verschiedenen Gründen nicht alles umsetzen könne.
Führungsausschuss fürs Wildbach
Zu reden gab die schlechte Finanzlage des Pflegezentrums Wildbach. Statt des eingeplanten einmaligen Verlusts von 1,1 Millionen Franken waren es dann 1,8 Millionen. «Der Stadtrat soll dort möglichst schnell die Führungsverantwortung übernehmen», forderte Raphael Zarth (Grüne) namens der Rechnungsprüfungskommission.

Die Finanzvorsteherin hielt fest, dass nun ein Führungsausschuss eingesetzt worden sei. «Es passierten Fehler bei der Strategie, aber auch bei deren Umsetzung», gestand sie ein. Eine rasche finanzielle Gesundung des Heims sei zwingend, ansonsten werde es nicht mehr die nötige Zertifizierung erhalten. Gleichwohl wurde die Jahresrechnung samt Geschäftsbericht einstimmig verabschiedet.
Standortförderung für Industrieareal
Am 27. September 2020 beschlossen die Wetziker an der Urne, das Grundstück Tannenrain mit einer Fläche von 13'300 Quadratmetern für 7,1 Millionen Franken vom Kanton Zürich zu erwerben. Mit dem Industrieland sollen Arbeitsplätze in Wetzikon geschaffen werden, und das Land soll im Baurecht vergeben werden.

Andrea Grossen-Aerni (EVP) wollte nun vom Stadtrat wissen, was seither eigentlich unternommen worden ist. Die Finanzvorsteherin erklärte, dass die Stadt für die Entwicklung des Areals eine externe Projektbegleitung beigezogen hat und eine Erschliessungsstudie erstellen liess. Für die Planungsarbeiten wurden bisher knapp 42'000 Franken ausgegeben. An einer Klausur kam der Stadtrat überein, dass sowohl die Abgabe von Parzellen an das lokale Gewerbe wie auch Neuansiedlungen angestrebt werden. Zudem besteht die Absicht, das Areal mit dem Kauf eines Nachbargrundstücks abzurunden.
Die Interpellantin meinte, dass es nun darum gehe, die Pläne erfolgreich umzusetzen. Was in Wetzikon fehle, sei eine eigene Standortförderung. Deshalb müsse nun die Standortförderung Zürcher Oberland aktiv in dieses Projekt eingebunden werden. Stadtpräsident Pascal Bassu (SP) erinnerte daran, dass das Parlament genau diese kommunale Standortförderung dieses Jahr aus dem Budget gestrichen hat. «Das Parlament sollte sich in dieser Frage schon einig werden», fügte er hinzu.
Nur wenige «kreative» Bushäuschen
Ein weiterer Vorstoss von Andrea Grossen-Aerni betrifft kreative Bushäuschen auf der Bahnhofstrasse. Der Stadtrat hat seit dem Einreichen des Postulats im vergangenen September alle Bushäuschen unter die Lupe genommen. Geprüft wurde nur, ob sich die Haltestellen durch eine Begrünung der Rückwände oder eine kreative Folierung aufpeppen lassen.
Stadtrat Heinrich Vettiger (SVP) entschuldigte sich dafür, nur an fünf Standorten teilweise Potenzial für Auffrischungen ausgemacht zu haben. Die Exekutive sei aber gewillt, einzelne im Postulat angeregte Elemente wie die Begrünung bei zukünftigen Projekten auch über die Bahnhofstrasse hinaus aufzunehmen.

«Vom kreativen Aufbruch zur bürokratischen Ernüchterung», so könne der Gang dieses Vorstosses betitelt werden, meinte eine enttäuschte Andrea Grossen-Aerni zum dürftigen Resultat.
Vereine wollen mehr Verdienstmöglichkeiten
Auch nicht zur Zufriedenheit der Initianten ging der erste Wetziker Jugendvorstoss «Ohne Fleiss kein Preis» aus. Diesen hatte der Cevi eingereicht. Trotz über einjähriger Suche ist die Stadt kaum fündig geworden, neue Verdienstmöglichkeiten für Vereine zu schaffen. Früher sorgte das Altpapiersammeln für einen regelmässigen Zustupf in die Vereinskassen. Doch 2022 entschied der Stadtrat, dass die Kezo das Papiersammeln übernehmen soll.
Als Alternative präsentiert der Stadtrat nach einer Zusatzrunde nun die App Smalljobs, eine digitale Jobbörse. Auf dieser fänden Interessierte beispielsweise Einsatzmöglichkeiten bei der Bänkli-Pflege oder bei Wildschutzmassnahmen, meinte Stadtrat Remo Vogel (Die Mitte).

Der anwesende Cevi-Vertreter kritisierte, dass mit der App die Stadt die Verantwortung einfach zurück an die Vereine schiebe. Die Vereine benötigten regelmässige Beschäftigungsmöglichkeiten. «Die App ist für uns jedenfalls noch keine fertige Lösung.» Auch hier wurde das Postulat trotz ungenügendem Resultat einstimmig abgeschrieben.
