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Zwei Tunnel und eine Doppelbrücke im Aatal

Der erste Variantenentscheid zur Oberlandautobahn ist gefallen

Der Variantenfächer für die Oberlandautobahn wird kleiner: Im Aatal ist aus fünf möglichen Trassees das beste ausgewählt worden.

Marco Knecht, Projektleiter Oberlandautobahn beim Astra, stellt die neusten Planungsschritte vor.

Foto: Christian Brändli

Der erste Variantenentscheid zur Oberlandautobahn ist gefallen

Zwei Tunnel und eine Doppelbrücke im Aatal

Nun ist klar, wie die Autobahnlücke im Aatal geschlossen wird – sofern es einen Anschluss Wetzikon geben sollte. Die meisten betroffenen Gemeinden wollen auf diesen verzichten.

Letztes Jahr wartete das Bundesamt für Strassen (Astra) in Sachen Lückenschliessung der Oberlandautobahn gleich mehrfach mit Überraschungen auf. Zum einen präsentierten die Verantwortlichen einen Variantenfächer für den Abschnitt vom heutigen Autobahnende in Uster bis zum geplanten Anschluss Wetzikon. Zum anderen wurde die Idee eines langen, tiefen Tunnels, ebenfalls in mehreren Varianten, in die Runde geworfen. Dies alles zusätzlich zu den bereits in Prüfung befindlichen Varianten für einen Tunnel zwischen dem Anschluss Wetzikon bis zum Hinwiler Betzholz.

Doppelbrücke an der engsten Stelle

Mindestens in einem Abschnitt herrscht nun aber Klarheit, wie das Trassee geführt werden soll. Marco Knecht, Projektleiter Oberlandautobahn beim Astra, lüftete an der diesjährigen Mitgliederversammlung des Vereins Zusammenschluss Oberlandstrasse im Garten-Center Meier in Dürnten am Dienstag den Schleier: Zwischen dem Anschluss Uster Ost und einem möglichen Anschluss Wetzikon hat in der Prüfung durchs Astra die Variante «Horn hoch» klar das Rennen gemacht.

Diese sieht nach der heutigen Wildüberführung Höchi beim Autobahnende in Uster einen 800 Meter langen Tunnel nördlich des Aatals durch den Horn vor. An der schmalsten Stelle wird das Aatal auf zwei Brücken gequert. Anschliessend verschwindet die Autobahn in einem 1500 Meter langen Tunnel unter dem Seegräbner Ortsteil Sack hindurch. In der Cherschiben kommt die Strasse wieder ans Tageslicht. Dort, zwischen Aathal und dem Wetziker Flos, käme der Anschluss Wetzikon zu liegen.

Wie Knecht aufzeigte, hat die Variante «Horn hoch» ganz deutlich die anderen vier untersuchten Varianten übertroffen. Zwar gibt es auch hier noch einige Punkte zu klären. Zum Beispiel, ob schützenswerte Objekte wie das Fabrikensemble im Flos und die Kanäle oder die Wasserrinnen durchs Aatal beeinträchtig werden.

Wetzikon befürchtet Mehrverkehr

Auch wenn nun dieser Variantenentscheid gefallen ist, heisst das noch nicht, dass «Horn hoch» auch zum Zug kommt. Das wäre nämlich nur der Fall, wenn es einen Autobahnanschluss Wetzikon gäbe. In dieser Frage hat der Wind gekehrt. «Die betroffenen Gemeinden unterstützen einen möglichen Verzicht auf den Anschluss Wetzikon», machte Knecht deutlich. Einzelne Gemeinden im Einzugsgebiet hätten dagegen «geringfügige Nachteile» zu erwarten, weshalb sie an einem Anschluss festhalten wollten.

Der Wetziker Stadtrat Stefan Lenz (FDP), Ressortvorsteher Hochbau und Planung, erklärte den rund 120 Versammlungsteilnehmern die ablehnende Haltung der Standortgemeinde damit, «dass Wetzikon nicht der Zubringer für eine ganze Region» sein könne. Das lokale Strassennetz sei nicht dafür ausgelegt. Ohnehin fehle der nötige Stauraum im Bereich Cherschiben/Flos.

Knecht stimmte dem zu und verwies auf die schon heute hohe Belastung mit über 30'000 Fahrten pro Tag in diesem Bereich. Bis 2050 sei in der ganzen Region mit einem Plus von 30 bis 50 Prozent zu rechnen. Ein Verzicht auf einen Anschluss Wetzikon hätte vor allem für die Wetziker, aber auch für die Bäretswiler und die Gossauer zur Folge, dass sie sich auf die Anschlüsse Uster Ost oder Nord ausrichten müssten.

Autobahn als Zubringer fürs Oberland

Ob mit oder ohne Anschluss Wetzikon ist laut dem Projektleiter aber klar, dass die Lückenschliessung eine grosse Entlastung für das ganze Strassennetz im Oberland brächte. Der Befürchtung, dass mit einer durchgehenden Autobahn auch zusätzlicher Verkehr angezogen würde, trat Marco Knecht mit der Feststellung entgegen: Beim heutigen Anschluss Uster Ost hätten gemäss Erhebungen 80 Prozent des Verkehrs das Ziel Zürcher Oberland. Eine Autobahn diene also in erster Linie der Region.

Die Haltung der Region sowie des Kantons zu einem Anschluss Wetzikon werde in die Entscheidfindung zur Wahl der Bestvariante für den Gesamtplan einfliessen. Welche das ist, soll Ende 2026 klar sein. Bis dahin werden noch weitere Bohrungen und flankierende Massnahmen geprüft. Bis Ende dieses Jahrs dürfte die Vorzugsvariante für einen Tunnel tief zwischen Wetzikon und Betzholz vorliegen.

2026 wird sich entscheiden, welche der drei Grundvarianten für die Lückenschliessung als Bestvariante weiterverfolgt wird.
2026 wird sich entscheiden, welche der drei Grundvarianten für die Lückenschliessung als Bestvariante weiterverfolgt wird.

Und bis Mitte 2026 jene für einen langen, tiefen Tunnel ohne Anschluss Wetzikon. Diese beiden werden dann auch noch der Variante Richtplan gegenübergestellt, ehe die Bestvariante aus allen dreien gewählt wird. Wie Knecht ausführte, hatten die Bohrungen übrigens ergeben, dass ein solcher tiefer Tunnel im Fels in einer Tiefe von 50 bis 100 Metern geführt würde.

Appell für Einigkeit

Auch wenn im vergangenen November die nationale Strassenvorlage an der Urne gescheitert sei, sei das nicht der Todesstoss für die Lückenschliessung, wie das von links-grünen Kreisen herbeigeredet werde, betonte Horst Meier, Präsident des Vereins Zusammenschluss Oberlandstrasse. «Zuversicht gibt uns die vom Bund Ende Januar 2025 kommunizierte Überprüfung von allen Nationalstrassen- und Bahnprojekten. Wir sind der festen Überzeugung, dass dabei die hohe Priorität für die Oberlandautobahn bestätigt wird», unterstrich Meier. Immerhin werde der fehlende Lückenschluss vom Astra schon lange «als grösster Systemfehler im Nationalstrassennetz» bezeichnet.

Dem pflichtete Nationalrat Gregor Rutz (SVP), der auch dem Vereinsvorstand angehört, bei. Wichtig sei, dass die Strassenvorlage in der Region eine viel höhere Zustimmung gefunden habe als im Rest der Schweiz. Das habe durchaus Signalwirkung. Einigkeit sei wichtig.

Der Wetziker Jürg Kägi nahm diesen Ball auf. 1972 habe er als Bauingenieur eine Brücke beim Betzholz realisiert, die die Oberlandautobahn hätte aufnehmen sollen. Dass diese bis heute nicht realisiert sei, hänge auch damit zusammen, dass es lange keine Einigkeit unter den Gemeinden und dem Kanton zur Streckenführung gegeben habe. Im Interesse einer Lückenschliessung solle nun auf individuelle Verbesserungsvorschläge verzichtet werden. «Denn das Bessere ist der Feind des Guten.»

1500 Mitglieder als Ziel

Der Verein Zusammenschluss Oberlandstrasse zählt aktuell 1348 Mitglieder. Diese Marke liegt zwar deutlich unter dem Tiefstwert von 1021 im Jahr 2014, aber ebenso klar unter dem Höchstwert mit 1478 Mitgliedern im Jahr 2003. «Ich möchte die 1500er-Marke knacken», unterstrich Präsident Horst Meier an der Versammlung von Dienstag. Eine starke Basis sei wichtig, um eine Lückenschliessung endlich erreichen zu können.

Dies strebt der Verein auch in der Politik an, auf kommunaler, kantonaler und eidgenössischer Ebene. So ist der Vorstand nun auf seine maximale Grösse von 15 Mitgliedern angewachsen. Gleich vier Frauen wurden neu gewählt. Darunter befindet sich auch die Rütner Gemeindepräsidentin und Nationalrätin Yvonne Bürgin (Die Mitte). Mit ihr erhöht sich die Zahl der Nationalräte im Vorstand auf vier. Bestätigt wurden nämlich die Bisherigen Bruno Walliser (SVP, Volketswil), Gregor Rutz (SVP, Zürich) sowie Erich Vontobel (EDU, Bubikon).      

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