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Politik

Für die Oberlandautobahn kommt neue Tunnelvariante ins Spiel

Eine dritte Variante für die Oberlandautobahn: Der Astra-Direktor lässt unterirdische Verbindung von Uster bis ins Betzholz prüfen.

Astra-Direktor Jürg Röthlisberger präsentiert die Idee eines langen, tiefen Tunnels für die Oberlandautobahn.

Foto: Christian Brändli

Für die Oberlandautobahn kommt neue Tunnelvariante ins Spiel

Verzicht auf Anschluss Wetzikon wird geprüft

Eine lange Röhre von Uster bis zum Betzholz: Das Bundesamt für Strassen erarbeitet noch eine Variante für die Oberlandautobahn.

Bei der Prüfung der verschiedenen Untervarianten scheint das Bundesamt für Strassen (Astra) auf den Geschmack gekommen zu sein. Denn am Montag hat Astra-Direktor Jürg Röthlisberger an einer Veranstaltung des Bezirksgewerbeverbands Uster mit einer weiteren Hauptvariante überrascht, und zwar mit der Verlängerung des bereits angedachten tiefgelegenen Tunnels. «Wir haben bei unserer Planung festgestellt, dass der Fels viel tiefer liegt, als wir ursprünglich gedacht haben. Wenn wir schon dort unten sind, dann können wir dort auch gleich bleiben.»

Kein Anschluss in Wetzikon

Die neue Variante sieht eine lange Röhre vom heutigen Autobahnende bei Uster Ost bis zum Betzholz bei Hinwil vor. In der Konsequenz würde auf den Anschluss Wetzikon verzichtet. «Das könnte auch im Interesse der betroffenen Gemeinden sein», meint Röthlisberger. Das Astra hat diese bereits vororientiert.

«Am Schluss ist aber die Meinung des Kantons und der Gemeinden entscheidend, ob sie auf einem solchen Anschluss Wetzikon bestehen.» Für diesen spreche etwa die Erschliessung von Industriequartieren. Umgekehrt gäbe es aber auch neuen, unerwünschten Verkehr auf dem bestehenden Netz. Die Gemeinden seien diesbezüglich ambivalent.

Ein ganzer Variantenstrauss

Dieser neuen Hauptvariante vorausging bereits eine ganze Palette von Untervarianten. So wurde im Juli bekannt, dass das Astra bei seinen Untersuchungen für die Streckenführung der Oberlandautobahn zwischen Uster und Gossau respektive dem Betzholz den Fächer weit aufgemacht hat.

2020 hatte der Bund vom Kanton Zürich zwei Hauptvarianten für die Lückenschliessung übernommen. Einerseits die Richtplanvariante, die von Uster Ost über ein Viadukt und einen Tunnel durchs Aatal führt und für den Anschluss Wetzikon wieder an die Oberfläche kommt. Von dort ginge es dann durch die Tunnels Grüt und Ottikon zur Verzweigung Ottikon und weiter auf der Forchautobahn zum Betzholz.

Andererseits legte der Kanton einen «Tunnel tief» für die Strecke vom Anschluss Wetzikon bis zum Betzholz im Bereich Zürcherstrasse/Rapperswilerstrasse vor. Für jenen Abschnitt hat das Astra neben der vom Kanton präsentierten Linie gleich vier weitere Varianten untersucht.

Fels liegt tiefer als gedacht

Diese ergaben sich aufgrund der Bohrungen, die das Bundesamt durchführen liess. Dabei zeigte sich, dass die grosse Felsschicht teilweise deutlich tiefer als angenommen liegt. Und in diesen Fels muss die geplante Röhre, damit sie nicht das Grundwasser im Aatal-Schotter tangiert. Dadurch wird auch die Rampe, also die Steigung im Tunnel, grösser. Drei der zusätzlichen Untervarianten führen nun näher zur Bahnlinie entlang, und eine vierte Untervariante sogar statt ins Betzholz hinüber zur Verzweigung Ottikon.

Übersichtskarte mit verschiedenen Routenvarianten.
Die Karte zeigt den ganzen Fächer an Untervarianten des Astra für die Lückenschliessung der Oberlandautobahn. 

Das Astra beugte sich aber auch im Aatal nochmals über das ursprüngliche Projekt. Das dort vorgesehene, gut 600 Meter lange Viadukt taxierte es als nicht mehr realisierbar. Stattdessen prüfte es drei Alternativen. Zwei führen unterirdisch vom Anschluss Uster Ost direkt zum Anschluss Wetzikon. Eine weitere sähe Tunnels und eine kurze Brücke im Aatal vor.

Variantenentscheid nochmals später

Das Astra arbeitet nun alle möglichen Varianten aus. Diese erhalten dabei eine Angabe zur Bauzeit, ein Preisschild, und zu allen gibt es eine Liste mit Chancen und Risiken – auch prozessualen Risiken. «Wir wollen jedenfalls keinen Angriffspunkt bieten, um in eine weitere Schlaufe vor Gericht geschickt werden zu können», hält Röthlisberger fest.  

Um auch den langen tiefen Tunnel genau unter die Lupe nehmen zu können, wird laut dem Astra-Direktor eine zweite Bohrkampagne nötig. «Die Verträge dafür sind bereits unterschrieben. Wir wollen noch dieses Jahr beginnen. Im nächsten Frühling sind wir damit fertig.»

Damit wird sich aber der Zeitpunkt des Variantenentscheids ein weiteres Mal leicht verschieben. Dieser dürfte nun erst im Frühling 2026 fallen.  

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