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Geschichten, die in Erinnerung bleiben

Das Phantom der «Titanic»: Die letzte Spur von Albert Wirz

Diese Geschichten, Reportagen, Porträts, Geschehnisse und Schicksale haben unsere Redaktorinnen und Redaktoren 2025 nachhaltig geprägt. Heute: Albert Wirz, das Titanic-Opfer aus Uster.

Der 27-jährige Ustermer Albert Wirz kam beim Untergang der «Titanic» ums Leben. Ein Ereignis, das bewegt – auch in der Redaktion.

Foto: PD

Das Phantom der «Titanic»: Die letzte Spur von Albert Wirz

Geschichten, die in Erinnerung bleiben

Diese Geschichten, Reportagen, Porträts, Geschehnisse und Schicksale haben unsere Redaktorinnen und Redaktoren 2025 nachhaltig geprägt. Heute: Albert Wirz, das «Titanic»-Opfer aus Uster.

Das Jahr 2025 nähert sich dem Ende. Auch in diesem Jahr blickt die Redaktion auf die spannendsten Momente, packendsten Geschichten und interessantesten Menschen zurück. In persönlichen Einblicken erzählen Redaktorinnen und Redaktoren von ihren High- und Lowlights. (zo)

«Albert Wirz ist Leiche Nummer 131.» Mit diesem Satz begann ich meinen Artikel, der im April dieses Jahrs erschienen war. Er handelt von einem Bauernsohn aus Uster, der in den Vereinigten Staaten ein neues Leben anfangen wollte.

Ich kann mich noch erinnern, dass ich mir lange Gedanken gemacht habe, wie ich in den Text einsteigen sollte. Und entschied mich dann, mit dem Tod von Wirz zu beginnen. Denn Wirz starb nicht irgendwo – sondern beim Untergang der «Titanic».

Als Passagier in der dritten Klasse gehörte er zu den knapp 1500 Menschen, die bei der Schiffskatastrophe im April 1912 ihr Leben verloren.

Den Artikel über Wirz habe ich geschrieben, weil ein Teil seiner Hinterlassenschaften im Stadtarchiv in Uster liegen. Für eine Ausstellung in Bayern wurden sie Anfang Jahr ausgeliehen.

Ich gebe zu: Über den Untergang der «Titanic» wusste ich bis zu meiner Recherche über Albert Wirz nur wenig: Schiff, Eisberg, Untergang. Und ich hätte deshalb nicht gedacht, dass diese Geschichte mich so berührt.

Auch wenn wir mit den Unterlagen aus dem Archiv einige Informationen über sein Leben erhalten, ist Wirz bis heute ein Phantom. Ein Foto von ihm existiert nicht.

Das war für mich speziell. Denn normalerweise schreibe ich Artikel über Menschen, die ich treffen kann. Und selbst wenn nicht, ein Foto habe ich bisher immer auftreiben können.

Ich malte mir aus, wie dieser 27-Jährige ausgesehen hatte – und mit welchen Erwartungen und Hoffnungen er an Bord gegangen war. Träume, die im Nordatlantik ein Ende fanden.

Immerhin konnte seine Leiche geborgen werden. Auf sich trug er auch zwei Taschenuhren. Eine davon ist jetzt im Stadtarchiv.

Sie zeigt die Uhrzeit 6.08 Uhr. Dabei sank die «Titanic» nach 2 Uhr Ortszeit. «Titanic»-Experte Günter Bäbler, mit dem ich für den Artikel sprechen durfte, erklärte mir, dass es sich dabei um die Zeit in der Schweiz handelte. Die vier Stunden Zeitunterschied würden passen.

Und so vervollständigte sich mein Bild vom Phantom Wirz. Er hatte vieles vor in Amerika, doch ein Stück Heimat wollte er wohl weiterhin auf sich tragen. Deshalb hat er seine Taschenuhr immer wieder aufgezogen.

Der Artikel zeigt für mich exemplarisch: Wenn wir von Katastrophen hören, geht es auch immer um Menschen. Um ihre Schicksale, ihre Träume, ihr Leben. Wenn ich jetzt von der «Titanic» höre, denke ich nicht mehr an einen Eisberg – sondern an einen 27-jährigen Ustermer.

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