Nein zu Asylunterkünften: In Maur verschärft sich das Platzproblem
Konsequenzen einer Abstimmung
Eigentlich wollte der Gemeinderat in Maur zwei bestehende Asylunterkünfte ausbauen. Doch nach dem Urnenentscheid vom Sonntag tritt ausgerechnet das Gegenteil ein.
Maur steht nach dem Abstimmungssonntag vor einer grossen Herausforderung. Das Stimmvolk lehnte den vollumfänglichen Ausbau der Asylunterkünfte für 4,7 Millionen sowie die abgespeckte Variante für 2,7 Millionen Franken ab. Die zweite Variante wurde wegen gerade mal zehn Stimmen verworfen.
Aus Sicht des Gemeinderats dürften dabei verschiedene Faktoren eine Rolle gespielt haben. Auf Anfrage schreibt er: «Dazu gehören insbesondere die Höhe der Investitionskosten und die Tatsache, dass Vorlagen im Asylbereich derzeit in vielen Gemeinden politisch einen schwierigen Stand haben.»
Die Asylunterkünfte in Ebmatingen und in Aesch werden also nicht erweitert. Dies, obwohl die Gemeinde die vom Kanton vorgeschriebene Asylquote nicht erfüllt. Anstatt 163 leben lediglich 139 Asylsuchende in Maur. Und so schnell wird die Gemeinde die Quote auch nicht erfüllen können. Denn das Abstimmungsresultat stellt die Gemeinde vor ein Problem.
Die Container verschwinden
Am Sonntag entschieden die Maurmerinnen und Maurmer nämlich nicht nur über den möglichen Ausbau der Asylunterkünfte, sondern indirekt über die Zukunft der Unterkunft in Ebmatingen. Dort liess die Gemeinde im Jahr 2023 gebrauchte Wohncontainer aufstellen. Es handelte sich um ein Provisorium, weshalb nur eine befristete Baubewilligung vorliegt. Diese läuft Ende August ab.
In der Abstimmungsvorlage zum Ausbau der Asylunterkünfte war deshalb auch die Überführung des Provisoriums in einen sogenannten Dauerbau integriert. Da das Volk in der Abstimmung beide Varianten abgelehnt hat, kann auch dieses Vorhaben nicht umgesetzt werden. Im Umkehrschluss bedeutet das: Die Containeranlage in Ebmatingen wird nach Ablauf der Frist abgebaut. «Ein alternativer Plan für diese Anlage besteht derzeit nicht», bestätigt der Gemeinderat.

Wohin also mit den 21 Geflüchteten, die aktuell noch in der Unterkunft in Ebmatingen wohnen? Für sie muss die Gemeinde in den nächsten Wochen und Monaten ein neues Zuhause suchen. Voraussichtlich müssen deshalb zusätzliche Wohnungen angemietet werden.
Angespannter Wohnungsmarkt
Das Paradoxe dabei ist, dass es der Gemeinde zuletzt Mühe bereitet hatte, überhaupt externe Wohnungen für Asylsuchende zu finden. So hiess es in der Weisung zur Abstimmungsvorlage: «Aktuelle Erfahrungen zeigen, dass der Gemeinde praktisch keine Wohnungen mehr zur Unterbringung von asylsuchenden Personen zur Verfügung gestellt werden.»
Zudem werde die Gemeinde zunehmend zur Konkurrenz für andere Wohnungsbewerber. Dies treffe nun – gemäss Einschätzung des Gemeinderats – besonders Familien in sozial schwachem Umfeld, die Wohnungen im unteren Preissegment suchen. Denn in Maur gebe es nur sehr wenige preisgünstige Wohnungen. «Das kann dazu führen, dass auch Objekte aus dem mittleren Preissegment angemietet werden müssen.»
Aktuell greift die Gemeinde auf 15 externe Wohnungen zurück, in denen insgesamt 51 Menschen wohnen. Die Preisspanne der Wohnungsmieten bewegt sich zwischen 1070 und 2135 Franken. Das teuerste Objekt ist jedoch ein Haus, für das die Gemeinde monatlich 4500 Franken bezahlt.
Baracke in Aesch unbewohnbar
Die Aufgabe des Gemeinderats wird es nun sein, seine Asylstrategie zu überprüfen und an die veränderten Gegebenheiten anzupassen. Theoretisch könnten Asylsuchende auch in Privathaushalten untergebracht werden – sofern die Maurmerinnen und Maurmer freiwillig einen Platz anbieten. Momentan leben in der Gemeinde 15 Asylsuchende in dieser Wohnform.

Zu alledem wird sich die Exekutive mit der Frage auseinandersetzen müssen, was mit der alten Baracke bei der Asylunterkunft in Aesch geschehen soll. Diese hätte beim geplanten Ausbau durch einen Neubau ersetzt werden sollen. Denn aufgrund des baulichen Zustands kann die Baracke nicht mehr als Unterkunft genutzt werden.