Grüningen sucht ein Prinzenpaar zur Tourismusförderung
Zwischen Ballkleid und Sektempfang
Um den Tourismus zu beflügeln, soll ab Januar 2027 ein Prinzenpaar die Oberländer Gemeinde repräsentieren. Gemeindepräsident Carlo Wiedmer erzählt am heutigen Event, was es mit dem unkonventionellen Konzept auf sich hat.
Pompöse Ballkleider und massgeschneiderte Anzüge, Sektempfang und Schlossführung – ab Januar 2027 könnte das Teil Ihres Lebens sein. «Ein Jahr voller einmaliger und spannender Momente erwartet das zukünftige Prinzenpaar», sagt Carlo Wiedmer (SVP), Gemeindepräsident von Grüningen.
Die Idee: Ein Paar soll für ein Jahr die Gemeinde vertreten. «Im Zuge der Stedtli-Umfahrung wollen wir Grüningen nicht nur infrastrukturell aufwerten, sondern auch den Tourismus fördern.»
Haben wir Sie erwischt?
Zwar arbeitet Grüningen tatsächlich an der Tourismusförderung, ein Prinzenpaar wird es aber auch nach diesem 1. April im Stedtli nicht geben. Die Idee ist der redaktionellen Fantasie entsprungen.
Die Idee sei simpel, aber wirksam. «In Deutschland ist ein solches Engagement, auch über die Fasnacht hinaus, durchaus üblich», erklärt Wiedmer. Bewusst setze man auf eine unkonventionelle Idee: «Wir sind die Ersten in der Region, die so was machen.»
Herrschaftliches Flair im Stedtli
Gesucht wird nach zwei volljährigen Personen, die nicht zwingend ein Liebespaar sein müssen, aber gut miteinander auskommen. «Gemeinsame und harmonische Auftritte sind der Kern der Idee, das muss authentisch sein», sagt Wiedmer. Geschlecht, Herkunft, Beruf oder Alter spielen keine Rolle, solange sich die Personen mit der Idee und der Gemeinde identifizieren können.
Geplant sind wöchentliche Führungen im Schloss sowie regelmässige Stedtli-Führungen mit historischen Anekdoten. «Zuletzt herrschte 1798 ein Landvogt über Grüningen, jetzt soll ein Prinzenpaar das herrschaftliche Flair zurück in unser schönes Stedtli bringen.»
Auch an Grossanlässen wie den Grüninger Märkten oder der Fasnacht sowie bei externen Veranstaltungen soll das Prinzenpaar präsent sein. Zudem soll es Schulklassen auf dem Kinderweg begleiten und an den Familiensonntagen im Schloss als Schlossherrin und Schlossherr Gastgeber sein.

Doch die genaue Planung stehe noch aus, konkrete externe Einsätze seien bislang offen – bewusst bleibe Raum für Individualität und persönliche Interessen des zukünftigen Prinzenpaars.
Unterstützung durch die Gemeinde
Den Aufwand des zukünftigen Prinzenpaars schätzt der Gemeindepräsident auf etwa vier Stunden pro Woche und Person, wobei dies saisonal variieren kann. Entlöhnt werde dieses Engagement zwar nicht, dennoch komme man auf seine Kosten, vor allem, weil das Amt einzigartig sei und Türen öffne.
Doch pompöse Kleider und Ausschankrunden kosten Geld – und da will die Gemeinde durchaus unterstützen. «Wir sind uns bewusst, dass Fahrtkosten, Apéros und entsprechende Kostüme ins Geld gehen. Diese Ausgaben werden grösstenteils durch die Gemeinde übernommen», sagt Wiedmer.
Details werden mit den Bewerbenden geklärt. Auch ist noch offen, ob es sich um ein einmaliges oder dauerhaftes Projekt handelt. Nach der ersten Durchführung sollen Kosten und Nutzen bewertet werden. Erst dann werde sich zeigen, ob und wie sehr sich die Idee lohne und weiter fortsetzen lasse.
Frischer Wind auch für die Fasnacht
Dafür bleibt aber noch Zeit. Jetzt freut sich der Gemeindepräsident erst mal auf aussagekräftige Bewerbungen möglicher Prinzessinnen und Prinzen, die sich bis Ende Juli melden können. Darauf folgen Gespräche, Ende November soll eine definitive Entscheidung getroffen werden. Der Einstand ist passend am Dreikönigstag anlässlich des Grüninger Neujahrsapéros 2027 geplant, danach folgt die Fasnachtszeit.
Da dürften die Grüninger Repräsentanten auch gleich auf die Probe gestellt werden. «Ein Prinzenpaar ist im deutschen Karneval gang und gäbe – das nun nach Grüningen zu bringen, beflügelt nicht nur den Tourismus, sondern auch die Fasnacht», sagt Lubi Dejanovic, Präsident der Fasnachtsgesellschaft Grüningen.
Seit Jahren ringt der Verein um neue Mitglieder, die die Tradition der Fasnacht aufrechterhalten. Auch deshalb sind die Grüninger Fasnächtler Feuer und Flamme für das Vorhaben. «Wir erhoffen uns, damit neue motivierte Mitglieder zu finden – vielleicht ist das Prinzenpaar selbst begeistert und bleibt danach aktiv.»
So wird auch die Fasnachtsgesellschaft Grüningen das zukünftige Prinzenpaar unterstützen. Es soll ein «Hofstaat» für die ganze Planung und Organisation der Veranstaltungen zur Verfügung gestellt werden, damit sich die beiden auf ihre Auftritte konzentrieren können. «Wir freuen uns auf motivierte Anwärter», sagt Dejanovic.
Auch aus Chur oder dem Aargau
Um nach langen Nächten nicht mehr weit reisen zu müssen, gibt es, ganz nach königlicher Manier, eine Grüninger Unterkunft für die beiden. «Wir freuen uns, das zukünftige Prinzenpaar bei uns im ‹Adler› begrüssen zu dürfen», sagen Nikos Papanikolaou und Reto Mauerhofer.
Die beiden Unternehmer führen seit Februar den Landgasthof im Herzen der Gemeinde. «Wir empfinden die Aktion als erfrischend und möchten uns gerne beteiligen, auch um unseren Einstand im Dorf mit Nachdruck zu feiern», sagt Mauerhofer.
Deshalb stellen die beiden für die Dauer des Engagements ein Doppelzimmer im «Adler» zur Verfügung. Ausserdem ist eine Übernachtungsmöglichkeit im Schloss Grüningen nicht ausgeschlossen, wie Gemeindepräsident Wiedmer ergänzt.
Das erste Grüninger Prinzenpaar muss also nicht zwingend aus der Gemeinde oder der nahen Umgebung stammen. «Grüningen ist ein bisschen klein, um diesen Anspruch zu haben», erklärt Wiedmer.
Entscheidend sei, dass die beiden Freude am Austausch mit Einheimischen und Touristen hätten und sich mit ihrer Rolle identifizierten. «Dann nehmen wir ebenso gerne Bewerbungen aus Chur oder dem Aargau entgegen», sagt er schmunzelnd.
Informationsanlass im Schloss Grüningen
Sie fühlen sich angesprochen und könnten sich das Amt vorstellen? Oder Sie finden das Engagement eine coole Sache und möchten einfach mehr über das Projekt erfahren?
Am Nachmittag des 1. April findet zwischen 16.30 und 17.30 Uhr im Schloss Grüningen eine Informationsveranstaltung statt. Alle Interessierten und Neugierigen sind eingeladen, eine Anmeldung ist nicht notwendig.
Bei einem gemeinsamen Apéro erzählt Gemeindepräsident Carlo Wiedmer Genaueres über das Engagement des Prinzenpaars, die Anmeldevoraussetzungen und Bedingungen. (mar)