Band Panikhertz aus Hinwil macht Songs aus Flurnamen – und geht damit auf Mini-Tour
Ein Lied aus Flurnamen? Genau auf diese Idee kam die Band Panikhertz vor einigen Jahren. Für ihre neue Tour setzt sie nun einen obendrauf, mit drei Erstaufführungen.
Es ist ein dickes Buch, das vor Thomas Mäusli liegt. Ganze 576 Seiten lang ist das Buch «9000 Orts- und Flurnamen im Zürcher Oberland». Verfasst hat es der ehemalige Bäretswiler Pfarrer Armin Sierszyn.
Für Mäusli, den Frontmann der Oberländer Band Panikhertz, war die Anschaffung des Buchs aber nicht nur seinem Interesse an der Lokalgeschichte geschuldet. Es lieferte ihm auch die Grundlage fürs Songwriting. Denn Mäusli hat aus Orts- und Flurnamen vier ganze Lieder geschrieben.
«Entstanden ist ja eigentlich alles aus einer Blödelei», sagt der 49-Jährige. Vor einigen Jahren habe Panikhertz-Schlagzeuger Bruno Bertelle angefangen, anstatt Adetswil «Adeteschewile» zu sagen.
Irgendwann ist Mäusli, der alle Texte für die Band schreibt, die Idee gekommen, dies in einem Lied zu verarbeiten. Entstanden ist der Song «Täsche wile». Die Songzeilen bestehen ausschliesslich aus abgewandelten Flurnamen aus Bäretswil. Aus Waswies wird «Wase ische wise» oder aus Bettswil «Bette ische wile».
Blödelei statt Aussagekraft
Mäusli kennt die Gemeinde gut. So findet man im Text auch die Songzeile «Löli isch e Löli». Einen solchen Flurnamen sucht man in der Gemeinde aber vergeblich.
«Es geht um die Schönau», erzählt er. «Dieser Teil der Gemeinde hiess früher einmal Löli, das ist die verkleinerte Form von Loo, also altalemannisch für ‹Wald› oder ‹Gehölz›», erzählt er fachmännisch. Der Eigentümer hatte an dieser Bezeichnung aber keine Freude, da man ihm den Spitznamen «Löli» gab.
Er weibelte dafür, dass man Löli in Schönau umtaufte. Auf den offiziellen Karten wurde dies auch gemacht. «Im Dorf hiess er dann aber einfach der ‹Löli von der Schönau›», sagt Mäusli grinsend und ergänzt: «Die Leute, die lieben etwas Lokalkolorit.» Und auch wenn vielleicht nicht jeder über Flurnamen Bescheid wisse wie Flurnamenexperte Armin Sierszyn, seien die Begriffe doch vielen bekannt.
«Das Lied war auch immer ein Gegensatz zu den meisten unserer anderen Texte», sagt Mäusli. So hat er mit Panikhertz beispielsweise auch schon Gedichte des deutschen Lyrikers und Kinderbuchautors Erich Kästner vertont. «Wir sind generell eher bekannt für aussagekräftige Texte», meint der Sänger. Es gab auch schon Kritik, dass die Lieder zu nachdenklich oder zu kritisch seien.
«Täsche wile» ist ein Gegensatz dazu – einer, der beim Publikum sehr gut ankommt. Und so hat Mäusli entschieden, für die anstehende Tour im Oberland drei weitere Flurnamenlieder zu schreiben – und zwar für Hinwil, Wetzikon und Pfäffikon.
Drei Uraufführungen
Die gewählten Orte sind kein Zufall. An zwei Tagen Ende Juni ist die Band wieder mit ihrem Panikmobil unterwegs – mit Traktor, Anhänger und Verstärker – und spielt in den genannten Ortschaften sowie in Bäretswil Freiluftkonzerte.
Diese mobile Einrichtung ist für die Musiker nichts Neues: «Das haben wir von 2020 bis 2021 wegen der Corona-Pandemie bereits gemacht», sagt Mäusli. Heuer leiht sich die Band den Anhänger wieder vom Turnverein Bäretswil völlig ohne Not aus. Die mobile Bühne sei beim Publikum einfach gut angekommen. «Und da der Anhänger nicht uns gehört, können wir ihn nicht einfach zu jeder Zeit haben.»
An den Konzerten spielt Panikhertz bekannte Lieder aus ihrem Repertoire. An drei der vier Vorstellungen gibt es aber gleichzeitig eine Erstaufführung.
In Wetzikon von «Wenzichofa», in Hinwil von «Hunwilare» – und in Pfäffikon hört das Publikum zum ersten Mal «Faffinchova». Die Songtitel sind alles ehemalige Schreibweisen der entsprechenden Ortschaften. Die Melodie von «Täsche wile» hat die Band beibehalten, nur der Text wurde angepasst.
Und so singt Mäusli bald auch von «Robe ische huuse», «Ringe ische wile» und «Barze ische loä». Die Anschaffung des dicken Buchs von Armin Sierszyn hat sich für Mäusli gelohnt. Und er hofft, dass die lokalen Songs beim Publikum ebenso auf Anklang stossen wie der Bäretswiler Song.
Die Band ging ausserdem ins Studio und hat die vier Lieder aufgenommen. Mitte Mai hat sie diese auf Streaming-Portalen wie Spotify oder Youtube-Music veröffentlicht. Auch wenn Streaming für die Oberländer Band eine vernachlässigbare Einkommensquelle ist, ist Mäusli gespannt, wie sich die Aufrufzahlen entwickeln. «Wer weiss, vielleicht gibt es ja dann ein kleines Battle zwischen den Gemeinden.»
Panikmobil-Tour
Die Band Panikhertz tritt im Rahmen der Panikmobil-Tour «Häsch Wösch» an folgenden Orten auf:
Freitag, 27. Juni, um 17 Uhr beim Restaurant Freihof in Hinwil
Freitag, 27. Juni, um 20.30 Uhr beim Molly Malone in Wetzikon
Samstag, 28. Juni, um 17 Uhr beim Restaurant Ochsen in Bäretswil
Samstag, 28. Juni, um 20.30 Uhr beim Restaurant Braui in Pfäffikon
Wer bereits vorab die neuen Flurnamenlieder hören will, findet sie auf allen gängigen Streaming-Plattformen. (bes)
