Band «Panikhertz» rockt das Oberland mit einer Mini-Tournee
Es war ein kurioser Anblick, der sich Wetzikon im letzten Sommer bot: Auf einem 15 Meter langen Anhänger kurvte eine sechsköpfige Band auf einer fahrenden Bühne durch die Stadt und berieselte die überraschten Zuschauer mit rockigen Gitarrensounds und tiefgründigen Mundart-Songtexten.
Auch in diesem Jahr macht sich die Oberländer Band «Panikhertz» wieder mit ihrem Panikmobil und jeder Menge Songs auf den Weg durch in die Region. Am Freitag und am Samstag wird die Band insgesamt fünf Konzerte spielen – vier davon vor Gastro-Betrieben. «Es wird eine Mini-Tournee», erzählt Bäretswiler Bandleader Thomas Mäusli, auch Mouse genannt.
Eine rettende Idee aus der Not heraus
Die Idee zur Panikmobiltour sei im letzten Jahr aus der Not heraus entstanden, erzählt Mäusli. «Es ist im Oberland sowieso nicht immer einfach, eine Bühne zu organisieren, auf der wir spielen können. Mit der Pandemie ist es dann noch schwieriger geworden.»
Mit dem Panikmobil wird nun alles einfacher: «Der Anhänger ist platz- und stromunabhängig», sagt Mäusli. «Ausserdem müssen wir die Rollbühne nur einmal aufbauen und können dann gleich mehrere Konzerte spielen.»
Endlich wieder vor Publikum spielen zu können, sei gerade nach dieser Zeit ein riesiges Ereignis. «Live zu spielen, ist immer das Geilste. Darauf arbeitest du als Band hin.» Dass man jetzt noch draussen unter freiem Himmel spielen könne, mache die Konzertreihe besonders speziell. «Alles in allem werden wir über sieben Stunden spielen. Das wird natürlich anstrengend, aber wir freuen uns darauf.»
Unterstützung für lokale Beizen
Besonders sei die Mini-Tournee aber auch aufgrund der Zusammenarbeit mit regionalen Gastro-Betrieben. «Wir wollen die Chance nutzen, um Beizen aus der Region unter die Arme zu greifen», sagt der Musiker. «Die Gastro-Betriebe sind wirklich ‹armi Sieche›. Sie brauchen moralischen Support von uns allen.»
Diese Unterstützung rollt dieses Wochenende in Form von wummernden Verstärkern und sechs rockenden Musikern an. «Wir tauchen spielend bei den Beizen auf und verlassen sie wieder, während wir noch unseren letzten Song beenden», erzählt Mäusli. «Wir bringen die Musik, die Beizer die Infrastruktur.» Ein Gig dauert ungefähr 90 Minuten.
«Das ist Dorfleben. Man kennt sich und hilft sich aus.»
Thomas Mäusli, Sänger und Bandleader von «Panikhertz»
Die Beizen, die sie am Freitag und Samstag anfahren, kennen und schätzen die sechs Musiker auch privat. «Das Restaurant Freihof, das Linde Pub, das Molly Malone und das Restaurant Braui – das sind alles Betriebe und Leute, die wir seit Jahren persönlich kennen.»
«Wir fokussieren uns deshalb vor allem auf den Bezirk Hinwil», sagt Mäusli. Mit dem Anhänger und dem Traktor, der die Band durch die Gegend ziehe, sei an lange Distanzen nicht zu denken. Dafür zupfen die Sechs die Saiten wie bereits im letzten Jahr auch unterwegs.
2020 hat dies zu einigen lustigen Situationen geführt, wie Mäusli erzählt. «Immer wieder haben Leute im Auto hinter uns gehupt, weil wir so langsam unterwegs waren.» Die Überraschung sei gross gewesen, als die genervten Fahrer beim Überholen merkten: «Da steht ja eine Band auf der Ladefläche!»
Man hilft sich im Dorf
Möglich macht die Mini-Tournee auch, dass man sich in Bäretswil gegenseitig unterstützt. «Ohne den Gartenunternehmer Würmli könnten wir die Tour nicht machen», erzählt Mäusli. Dieser stelle den Traktor zur Verfügung und übernehme auch gleich das Fahren. «Er findet das, was wir machen, eine coole Sache.»
Der Anhänger kann die Band vom Turnverein Bäretswil ausleihen. «Das ist Dorfleben. Man kennt sich und hilft sich aus. Wir schätzen das wirklich sehr.»
«Das Oberland ist eine kulturelle Wüste.»
Thomas Mäusli
Mäusli kann sich vorstellen, auch nach der Coronapandemie mit dem Panikmobil durch die Region zu kurven. Gerade für kleinere Bands sei es extrem schwer, eine Bühne zu finden. «Das Oberland ist eine kulturelle Wüste.» Auftritte an Openairs seien erst Recht ein Ding der Unmöglichkeit. «Selbst bei kleinen Openairs wie dem Stolze in Zürich hat man keine Chance, reinzukommen.»
Jetzt heisst es aber zuerst einmal auf gutes Wetter hoffen. «Momentan sieht es so aus, als sei der Wettergott ebenfalls unser Fan», sagt Mäusli. «Ausserdem glauben wir, dass die Leute ‹giggerig› sind auf Live-Musik.» Unvergesslichen Abenden dürfte also nichts mehr im Weg stehen. «Wir freuen uns unglaublich. Wie Kinder auf Weihnachten.»
Live zu sehen ist «Panikhertz» am Freitag 18. Juni von 17.00 bis 18.30 im Restaurant Freihof in Hinwil und von 19.30 bis 21.00 im Linde Pub in Bäretswil sowie am Samstag 19. Juni von 17.00 bis 18.30 im Molly Malone in Wetzikon und von 19.30 bis 21.00 im Restaurant Braui in Pfäffikon.
