Thomas Mäusli, Sie sind ein grosser Fan von Erich Kästner. Was haben Sie mit ihm gemeinsam?
Thomas Mäusli: Wie er bin ich ein Moralist. In vielen Texten, die er geschrieben hat, erkenne ich mich wieder. Vor allem in den Gedichten. Er legte den Finger auf Themen, die ihn beschäftigten, und schrieb Texte fürs Volk. Für mich ist er der Mani Matter der deutschen Lyrik. Er war auch ein sehr widersprüchlicher Mensch, genau wie ich. Ein Spruch von Kästner lautet: «Entweder man lebt, oder man ist konsequent.»
Die Faszination Erich Kästner scheint bei Ihnen sehr tief zu gehen. Woher kommt sie?
Als ich die Sek in Bäretswil besuchte, hatten wir ein Gedichte-Band zu Hause, wo «Die Entwicklung der Menschheit» von Kästner drin war. Obwohl ich Lyrik damals nicht so gerne hatte, faszinierte mich dieses Gedicht sehr. Ich kaufte schliesslich «Dr. Erich Kästners Lyrische Hausapotheke» und begann, wie ein Verrückter die Texte in Mundart umzuschreiben.
«Ein Moralist – so sagte Kästner – hält der Gesellschaft einen Zerrspiegel vor.»
Wollten Sie nie zu einem Schweizer Lyriker konvertieren?
Der einzige Schweizer, der mich bezüglich Text und Versmass wirklich inspiriert, ist Mani Matter. Aber deutsche Lyriker wie Kästner, Busch oder Rilke haben halt coole Sachen geschrieben. Da gäbe es noch vieles, das sich für spannende Projekte eignen würde.
Haben Sie ein Lieblingsgedicht von Kästner?
Ich habe einen Lieblingssong. Und zwar Kurt Schmidt», die Vertonung des Gedichts «Kurt Schmidt, statt einer Ballade». Am Ende gibt es einen überraschenden Handlungswechsel, was typisch ist für Kästner. Damals gab es den Begriff zwar noch nicht, aber eigentlich beschreibt das Gedicht die Entstehung inklusive tragischem Finale eines Burnouts.

