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Ausgangslage vor den Wahlen

Kommt es zum grossen Wechsel im Egger Gemeinderat?

Die Kandidatenliste für den Gemeinderat in Egg ist überfüllt. Das Volk hat am 8. März also die Qual der Wahl. Wie hoch sind aber die Chancen der einzelnen Kandidaten?

In Egg scheint der beliebteste Treffpunkt nicht etwa der Chilbiplatz zu sein. Die Gemeinderatssitze geniessen derzeit eine grössere Beliebtheit.

Foto: Simon Grässle

Kommt es zum grossen Wechsel im Egger Gemeinderat?

Ausgangslage vor den Wahlen

Die Kandidatenliste für den Gemeinderat in Egg ist überfüllt. Das Volk hat am 8. März also die Qual der Wahl. Wie hoch sind aber die Chancen der einzelnen Kandidaten?

Die FDP geniesst in Egg einen hohen Stellenwert. Im siebenköpfigen Gemeinderat stellen sie drei Sitze. Die SVP, die GLP, die Mitte sowie ein Parteiloser halten jeweils einen Sitz inne. Das Gremium ist demnach bürgerlich aufgestellt. Daran wird sich auch mit den Wahlen am 8. März nichts ändern. Das Kandidatenfeld besteht aus vorwiegend bürgerlichen Vertretern.

Allerdings ist es wahrscheinlich, dass sich die Kräfte im Gemeinderat wegen der Fülle an Kandidaten neu verteilen werden. So kommen neun Interessierte auf sechs Gemeinderatssitze. Der siebte Sitz ist dem Präsidenten der Schulpflege vorbehalten. Diese Funktion übt derzeit Urs Rehhorn (parteilos) aus. Ihm ist die Wahl praktisch sicher, da er als Einziger wieder für diese Position kandidiert.

Erneuter Versuch der SVP

Für die anderen neun Personen gilt es nun, das Stimmvolk von sich zu überzeugen. Die FDP schickt drei Kandidaten ins Rennen – einen Bisherigen und zwei Neue. Letztere sollen die Lücke im Gemeinderat wieder schliessen, da Gemeindepräsident Tobias Bolliger (FDP) und Gemeinderätin Bettina Baumgartner (FDP) nicht mehr antreten. Mit Baumgartners Rückzug aus der Lokalpolitik verschwindet zugleich die einzige weibliche Vertretung in der Exekutive.

Während die FDP, die Mitte und die GLP wieder gleich viele Sitze anstreben, pokert die SVP auf einen Sitzgewinn. Vor vier Jahren scheiterte die Partei mit demselben Vorhaben. Nun setzt sie ihre Hoffnung in Lorenz Kunz. Der Bisherige Markus Ramsauer dürfte bei den Wahlen mit grosser Wahrscheinlichkeit gewählt werden, zumal er auch der einzige Kandidat fürs Gemeindepräsidium ist.

Aller guten Dinge sind drei

Gegen die etablierten Parteien kämpft derweil ein Vertreter einer kleinen Ortspartei an: Sergio Oesch, Mitgründer von proEgg. Die Partei ist links anzusiedeln und stellte von 2014 bis 2022 bereits eine Vertreterin im Gemeinderat.

Oesch selbst liess seit der Gründung von proEgg keine Gelegenheit aus, für ein politisches Amt zu kandidieren. Bisher wollte es mit der Wahl aber nicht klappen. Nun steht die dritte Kandidatur für den Gemeinderat an. «Ich sehe das nicht als Misserfolg, sondern als Teil eines demokratischen Entwicklungsprozesses», sagt er dazu.

Ein Mann schaut in Richtung Kamera.
Sergio Oesch von proEgg hat bereits zweimal für den Gemeinderat und einmal für die Rechnungsprüfungskommission kandidiert. Jetzt aber soll es mit der Wahl klappen.

So habe die Partei erst Vertrauen in der Bevölkerung aufbauen müssen. Nun sei man jedoch sichtbarer geworden, habe Projekte angestossen und sich in der Gemeinde verankert. «Heute stehen wir auf einem deutlich stärkeren Fundament.»

Durch seine Arbeit in der Partei wisse er, wo der Schuh in Egg drücke und welche Anliegen die Bevölkerung bewegten. Durch Fachwissen, Erfahrung, die Nähe zur Bevölkerung und die Dialogfähigkeit hebe er sich zudem von seiner Konkurrenz ab.

Ein nicht zu unterschätzender Kandidat

Schwung in den Wahlkampf bringt ausserdem der Parteilose Roger Meister. Er möchte im Gemeinderat sein erstes politisches Engagement wahrnehmen. Anzutreffen ist Meister meist im Umfeld von Vereinen. Seit gut 30 Jahren ist er Mitglied des Turnvereins Egg. Ebenso lange engagiert er sich in Organisationskomitees für Sportveranstaltungen.

Ein Mann schaut in Richtung Kamera.
Roger Meister kann sich auf eine jahrelange Erfahrung in Vereinen und bei sportlichen Veranstaltungen stützen.

Ein Höhepunkt war für ihn das Regionalturnfest GLZ 2024 in Mönchaltorf, welches er als OK-Präsident mitgestaltete. Des Weiteren ist er Teil des Vorstands der Trainingshalle Schürwies, die mehrere Vereine gemeinsam in Eigenregie gebaut hatten. Auslöser dafür waren die mangelhaft vorhandenen Trainingshallen. Die Bevölkerung wuchs schneller als die Infrastruktur.

Durch sein Engagement sei er gut vernetzt. «Die Leute kennen mich als Organisator und als Macher.» Das könnte ihm bei den Wahlen den entscheidenden Vorteil bringen, da sich das Stimmvolk erfahrungsgemäss stärker an Personen als an Parteizugehörigkeiten orientiert.

Politisch ordnet sich Meister Mitte-rechts ein. Als Gemeinderat wolle er sich für ein attraktives Dorfleben und die Vereine einsetzen. «Zudem möchte ich in naher Zukunft die aktuellen Spannungen, die in Egg zwischen der Bevölkerung und der Verwaltung herrschen, lösen.» Damit spielt er auch auf den Streit rund um die Gemeindepolizei an, über deren Zukunft ebenfalls am 8. März abgestimmt wird.

Komplette RPK wird neu besetzt

Der Initiant, der die Abschaffung der Gemeindepolizei fordert, ist zugleich der Präsident der Rechnungsprüfungskommission (RPK). Diese steht seit einiger Zeit in einem Konflikt mit dem Gemeinderat. Letztes Jahr entschieden sich dann die RPK-Mitglieder geschlossen dazu, auf eine weitere Kandidatur zu verzichten. Deshalb muss die Behörde komplett neu besetzt werden. Nun buhlen sieben Interessierte um einen Sitz in der Behörde, Platz hat es lediglich für fünf.

Die Kandidaten für den Gemeinderat Egg

Ramon Baumann (FDP, neu)

Leslie Bächler (Die Mitte, bisher)

Christoph Domeisen (GLP, bisher)

Pascal Graf (FDP, neu)

Lorenz Kunz (SVP, neu)

Oliver Künzler (FDP, bisher)

Roger Meister (parteilos, neu)

Sergio Oesch (proEgg, neu)

Markus Ramsauer (SVP, bisher), auch als Präsident (neu)

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