Schifffahrt auf dem Greifensee braucht weiter die Hilfe der Gemeinden
Jahresbilanz der SGG
Auch im letzten Jahr fuhren weniger Passagiere mit den Schiffen der Schifffahrts-Genossenschaft Greifensee. Jetzt soll die Trendwende erfolgen.
Die Schifffahrts-Genossenschaft Greifensee (SGG) kämpft mit immer weniger Passagieren und roten Zahlen. Nun sucht sie aktiv Hilfe: Sie möchte, dass ihre Rundfahrten in das Tarifsystem des Zürcher Verkehrsverbunds (ZVV) aufgenommen werden. Ein entsprechendes Gesuch sei in Arbeit, sagt SGG-Verwaltungsratspräsident Gianluca Di Modica.
Mit der Aufnahme in den ZVV-Tarifverbund könnte die SGG ihre Rundfahrten deutlich günstiger anbieten – und zu den gleichen Konditionen wie ihre Konkurrenz auf dem Zürichsee: Statt für aktuell 32 Franken (beziehungsweise 16 Franken mit Halbtax) könnten Passagiere künftig für Fr. 9.20 (beziehungsweise Fr. 4.60) eine Rundfahrt buchen.
«Wir brauchen gleich lange Spiesse wie unsere Mitbewerber», findet der Verwaltungsratspräsident. Bisher ist nur der Linienkurs Maur–Uster Teil des ZVV-Tarifsystems.
Auch bei den Gemeinden des Bezirks Uster hat die SGG einen Unterstützungsantrag eingereicht. «Allein schaffen wir die Wende nicht. Es braucht ein Commitment von den Gemeinden, dass ihnen die Schifffahrt auf dem Greifensee wichtig ist», sagt Di Modica.
Einbussen wegen Hochwasser
Die Forderung nach Unterstützung erfolgt vor dem Hintergrund einer anhaltend schwierigen Lage. 2024 verzeichnete die SGG einen weiteren Passagierrückgang um 5 Prozent. Es ist die Fortsetzung eines Trends: Bereits 2023 waren gegenüber dem Vorjahr 7,4 Prozent weniger Passagiere mit den Schiffen unterwegs gewesen. Nur noch 57’107 Passagiere fuhren 2024 auf den 3325 Kursfahrten und 269 Rundfahrten mit, wie aus dem aktuellen Jahresbericht hervorgeht.
Die SGG blickt auf ein herausforderndes Jahr 2024 zurück. Es war von starken Wettereinflüssen geprägt. Insbesondere vom Hochwasser mitten in der Hochsaison im Juni und von der andauernden Schlechtwetterperiode bis zu den Sommerferien. «Das holt eine so kleine Gesellschaft nicht mehr auf», sagt der SGG-Verwaltungsratspräsident, der auch für die FDP im Ustermer Gemeinderat sitzt.
Die Einbussen durch das trübe Wetter schlagen sich in der Bilanz nieder. Der Umsatz lag mit gut 905’000 Franken um 177’000 Franken tiefer als im Vorjahr. Insgesamt resultiert ein Jahresverlust in Höhe von über 244’000 Franken. Das Genossenschaftskapital belief sich Ende Jahr auf gut 850’000 Franken. Vor Jahresfrist hatte die SGG dank der Wiedereröffnung des Restaurants Schifflände in Maur noch auf bessere Zahlen und mehr Passagiere gehofft.
Bedauern über Kioskschliessung
Sein Bedauern drückt der Verwaltungsrat der Schifffahrts-Genossenschaft Greifensee (SGG) im Jahresbericht über die Schliessung des Kiosks Seebrise am Maurmer Seeufer aus. Zwar sei der Imbissstand beliebt gewesen, allerdings sei der kommerzielle Erfolg hinter den Erwartungen geblieben. Für die Schliessung ist aber letztlich die Gemeinde Maur verantwortlich, die dem Kiosk die Betriebsbewilligung nicht mehr ausstellte, weil sich der Stand zu nahe am Seeufer befunden hatte.
Doch nicht nur die widrigen Wetterbedingungen prägten das vergangene Jahr der SGG. Die Genossenschaft hat einschneidende Veränderungen hinter sich, die für einen hohen Wellengang in der Organisation sorgten.
Veränderungen und Zuversicht
Der neue Verwaltungsrat um Präsident Di Modica, der seit knapp einem Jahr im Amt ist, will die Schifffahrts-Genossenschaft Greifensee neu ausrichten und vermehrt auf kommerzielle Fahrten setzen. Dazu gehören Schiffsvermietungen für Erlebnisgastronomie, Hochzeitsrundfahrten oder Seebestattungen. Der Verwaltungsrat hat darum eine neue Geschäftsleitung eingesetzt, die diese Zielvorgaben mitträgt.
«Solche Veränderungen bringen Unruhe in eine Organisation», erklärt Di Modica. Doch inzwischen sieht er die SGG auf einem guten Weg. «Ich bin zuversichtlich», sagt er. Die aktuelle Saison sei gut angelaufen. Insbesondere am sonnigen Muttertagswochenende waren die Schiffe voll.
Verhalten optimistisch gibt sich der Verwaltungsrat der Genossenschaft auch in Bezug auf die Budgetplanung. «Wir budgetieren zwar auch in diesem Jahr mit einem Verlust, aber in deutlich kleinerem Umfang», sagt Di Modica. Zudem erwartet er einen deutlich höheren Umsatz.
Dennoch rechnet der Verwaltungsratspräsident nicht sofort mit einer Trendwende. «Das ist nach nur einem Jahr nicht möglich.» Bei der Gastronomie müsse man nun wieder Vertrauen aufbauen. In der Angebotsqualität habe man die Defizite bereits ausgemerzt.
Hohe Investitionen in die Schiffe
Die Herausforderungen für die kleine Genossenschaft bleiben gross. In den nächsten anderthalb Jahren stehen hohe Investitionen in die Revision der Schiffe an. Diese Arbeiten sind regelmässig in einem Zyklus von sechs Jahren vorgeschrieben. Nur schon das Auswassern der Schiffe kostet gegen 100’000 Franken. Die nötigen finanziellen Mittel habe man bereits in den vergangenen Jahren zurückgestellt.
Darin noch nicht eingerechnet ist die Elektrifizierung der Schiffe, die ebenfalls auf die SGG zukommen wird. Langfristig soll der öffentliche Verkehr in der Schweiz elektrisch unterwegs sein. «Als Bürger und Lokalpolitiker weiss ich nicht, woher die Gelder für die Elektrifizierung kommen sollen», sagt Di Modica. Das Motorschiff «Heimat», das seit 2022 elektrisch auf dem Greifensee unterwegs sei, sei zwar ein Erfolg. «Es ist im Betrieb attraktiv und ökologisch sinnvoll.» Doch die Umrüstung sei teuer.
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Für Di Modica ist deshalb klar, dass es eine Kombination von Massnahmen braucht, damit die Schifffahrts-Genossenschaft Greifensee langfristig wieder auf stabilen finanziellen Beinen steht. Denn die vermehrte Ausrichtung auf kommerzielle Fahrten reiche nicht aus.
Doch was passiert, wenn die SGG weder von den Gemeinden noch vom ZVV eine finanzielle Unterstützung erhält? «So weit ist es noch nicht, und ich bin da auch zuversichtlich», sagt Di Modica. Ein solches Szenario mag er sich deshalb nicht konkret ausmalen. Er sagt nur: «Dann müssten wir Entscheide – auch unpopuläre – fällen, bevor das Genossenschaftskapital verbrannt ist.»
Im laufenden Jahr setzt die SGG aber erst einmal auf Jubiläums- und Happy-Hour-Angebote, um die Passagiere wieder auf ihre Schiffe zu locken. Denn die Genossenschaft hat ein Jubiläumsjahr ausgerufen. Ihre Schiffe verkehren nun schon seit 135 Jahren auf dem Greifensee.
Saisonstart Dampfschiff «Greif»
Das historische Dampfschiff «Greif» startet am Sonntag, 18. Mai, in die neue Saison. Das Schiff mit Baujahr 1895 verkehrt nun schon 130 Jahre auf dem Greifensee. Inzwischen kümmert sich eine Stiftung um den Betrieb des Schiffs.

Geplant sind bei schönem Wetter jeden Sonntag jeweils drei Rundfahrten. Die «Greif» startet die Rundfahrt um 12.30 Uhr, um 14 Uhr und um 15.30 Uhr ab Maur.
Das Dampfschiff ist zudem für Familienfeste, Seminare oder weitere Anlässe buchbar. Details sind auf www.dampfschiff-greif.ch oder unter Telefon 044 982 21 11 erhältlich. (lel)