Gesundheit

«Bessere Dividende für Gläubiger»

GZO reagiert auf Thurmed-Angebot und beantwortet die wichtigsten Fragen

Jetzt ist es offiziell: Die Thurgauer Spital-Gruppe Thurmed hat den Aktionärsgemeinden des GZO Spital Wetzikon ein Kaufangebot unterbreitet. Das Regionalspital äussert sich in einer ersten Stellungnahme.

GZO reagiert auf Thurmed-Angebot und beantwortet die wichtigsten Fragen

«Bessere Dividende für Gläubiger»

Jetzt ist es offiziell: Die Thurgauer Spitalgruppe Thurmed hat den Aktionärsgemeinden des GZO Spitals Wetzikon ein Kaufangebot unterbreitet. Das Regionalspital äussert sich in einer ersten Stellungnahme.

Ende letzter Woche hatte Rolf Zehnder, Geschäftsführer der Thurmed-Spitalgruppe, ein Kaufinteresse am GZO Spital Wetzikon weder dementiert noch bestätigt. Am Montagmorgen wird das Interesse, von dem zuvor zwei voneinander unabhängige Quellen berichtet hatten, offiziell bestätigt.

Die kantonale, aber privatrechtlich als Aktiengesellschaft organisierte Spital- und Gesundheitsgruppe im Besitz des Kantons Thurgau hat den Aktionärsgemeinden des Wetziker Regionalspitals ein Kaufangebot unterbreitet. Zur Höhe macht Thurmed, das in der Schweizer Spitallandschaft als Paradebeispiel für ein wirtschaftlich stabiles und strukturell erfolgreiches Gesundheitsunternehmen in öffentlicher Hand gilt, keine Angaben.

Das GZO bestätigt in einer Mitteilung das Angebot. «Da das Angebot der Thurmed AG bei Umsetzung eine im Vergleich zum vorliegenden Sanierungsplan der GZO AG nochmals höhere Nachlassdividende für die Gläubiger erlaubt, wird es ebenfalls eingehend geprüft.» Auch geprüft wird derweil noch das im Frühling eingegangene Kaufangebot des Swiss Medical Network und amerikanische Investmentgesellschaft Kawa. Es ist das erste Mal, dass das Spital öffentlich den Namen des Käufers mit vielschichtigem Hintergrund nennt.

Mehrheitsaktionärin und damit Besitzerin des Swiss Medical Network ist mit einem Anteil von 77 Prozent die börsenkotierte Freiburger Aevis Victoria. Zum Konzern gehören neben Gesundheitsunternehmen auch Luxushotels wie das «Victoria-Jungfrau» in Interlaken und das «Bellevue Palace» in Bern.

Das Swiss Medical Network ist die zweitgrösste private Klinik- und Gesundheitsgruppe der Schweiz und für das operative Geschäft zuständig. Zum Netzwerk als Betreiberin gehören 21 Kliniken in 15 Schweizer Kantonen und rund 60 medizinische Zentren sowie mehr als 20 Augenzentren. Insgesamt beschäftigt die Gruppe rund 5000 Mitarbeitende, arbeitet mit rund 2300 Ärztinnen und Ärzten zusammen und verfügt über etwa 1500 Spitalbetten.

Die Kliniken, in denen das Netzwerk tätig ist, gehören der Schweizer Immobilienfirma Infracore, die kurz vor einem Börsengang steht. Sie kauft Spitalgebäude und vermietet diese Betreibern wie dem Swiss Medical Network zurück (sale and lease back). Infracore tritt also als Vermieterin auf. Erst kürzlich kaufte das Unternehmen das Seespital Horgen, nachdem es die Privatklinik Lindberg in Winterthur erworben hatte. Der Verkauf des Seespitals war nötig geworden, weil das Regionalspital ebenfalls eine Anleihe von 100 Millionen nicht zurückzahlen konnte.

Infracore wiederum gehört zu 30 Prozent Aevis Victoria. Den Rest hält der US-Investmentfonds Medical Properties Trust (MPT). Der hoch spezialisierte Akteur im globalen Gesundheitsmarkt macht im Grunde das Gleiche wie Infracore, kauft Spitalgebäude und vermietet diese den Spitalbetreibern zurück. Im März 2021 erwarb MPT einen Anteil von 10 Prozent am Swiss Medical Network. Diese Transaktion zeigt, dass MPT nicht nur in Schweizer Spitalimmobilien investiert, sondern auch strategische Beteiligungen an führenden Betreibergesellschaften eingeht. Gemäss eigenen Angaben entfallen 5,9 Prozent des gesamten Portfolios von MPT auf Immobilien in der Schweiz, was die Schweiz hinter den USA und Grossbritannien zum drittgrössten Markt für das Unternehmen macht. MPT steht in der Kritik, weil zwei Spitalbetriebe, die Mieter bei MPT waren, pleitegegangen sind.

Das System trennt den Betrieb strikt vom Besitz der Gebäude. Aevis Victoria steuert das Geld und die Strategie im Hintergrund. Swiss Medical Network konzentriert sich rein auf die Medizin und die Patienten. Infracore besitzt die Häuser und nimmt dafür die Mieten ein. So wird das risikoreiche medizinische Geschäft strikt vom lukrativen Besitz der Spitalimmobilien getrennt, um für Investoren maximale finanzielle Sicherheit zu schaffen. Kritiker argumentieren, dass die hohen, langfristigen Mietverpflichtungen die ohnehin schon knappen Margen der Spitäler übermässig belasten können. Das Modell wird teilweise als extraktiv beschrieben, da es den Wert der Immobilien in Form von Mietzahlungen abschöpft, was die finanzielle Widerstandsfähigkeit der Betreiber langfristig schwächen kann. (erh)

Da sich aufgrund des Kaufangebots aus dem Thurgau einige Fragen ergeben, versucht das GZO Spital diese in einer Mitteilung gleich selbst zu beantworten:

Wie wirkt sich das Angebot der Thurmed AG auf den Schuldenschnitt aus?

Der Schuldenschnitt ist eine der zentralen Säulen des Sanierungskonzepts. Bislang wurde über eine Höhe von 60 bis 70 Prozent kolportiert. Eine Summe, die unglaublich hoch ist und für viel Missmut aufseiten zahlreicher Gläubiger sorgte. Das GZO schreibt nun, die Gläubiger würden mit der Einladung zur Gläubigerversammlung über den definitiven Nachlassvertrag informiert. «Die Höhe des Schuldenschnitts wird nicht im Vorfeld bekannt gegeben. Kommt das Angebot von Thurmed zustande, wird sich der Schuldenschnitt aber nochmals reduzieren.» Eine konkrete Zahl wird nicht genannt.

Wie steht das Angebot der Thurmed AG zum im Frühling eingegangenen Kaufangebot?

«Die Angebote werden parallel weiterverfolgt, sie schliessen sich aber im Vollzug gegenseitig aus. Wenn beide Angebote in verbindliche Verträge umgesetzt werden können, wird die GZO AG im Nachlassvertrag einen Mechanismus vorschlagen, der den Gläubigern die bestmögliche Dividende sichert.» Thurmed habe anerkannt, dass unter diesem Mechanismus das Kaufangebot der US-Investmentgesellschaft Kawa und des Swiss Medical Network (SMN) gegebenenfalls vorrangig umgesetzt würde, wenn es rechtzeitig vollzogen werden könne.

Wie ist der Stand des im Frühling eingegangenen Kaufangebots?

«Das im März eingegangene Kaufangebot von Kawa und SMN befindet sich nach wie vor in Prüfung.» Die GZO AG stehe mit diesen Angebotsparteien in einem intensiven Austausch. «Unter anderem ist die Klärung, ob alle Leistungsaufträge auf die neue Gesellschaft übertragen werden können, noch nicht abgeschlossen.»

Welches ist das bessere Angebot für die Gläubiger?

«Angesichts der Komplexität des Kaufangebots von Kawa und SMN und des andauernden Austauschs zwischen den Parteien lässt sich dies derzeit noch nicht mit Gewissheit sagen.»

Welches Angebot bevorzugt die GZO AG?

«Beide Angebote werden durch die GZO AG unter Aufsicht der Sachwalter ergebnisoffen und mit Fokus auf die bestmögliche Wahrung der Gläubigerinteressen geprüft.» Die Sachwalter sind verpflichtet, die Interessen der Gläubiger zu wahren. Es liegt primär an ihnen und dem GZO, die private Offerte des SMN zu prüfen.

Worin unterscheiden sich die Angebote?

«Beim Angebot der Thurmed AG handelt es sich im Unterschied zum Kaufangebot von Kawa und SMN nicht um einen Verkauf der Spitalaktiven an einen Dritten, sondern um einen Einstieg der Thurmed AG als neue Aktionärin der GZO AG. Die Thurmed AG und die Aktionärsgemeinden würden die GZO AG gemeinsam halten.» Dieser Unterschied ist entscheidend. Beim privaten Angebot können die Aktionärsgemeinden nicht mitreden. Gänzlich verkauft werden kann das Spital auch ohne ihre Zustimmung.

Wie viel Geld erhalten die Gemeinden von der Thurmed AG?

«Das Angebot der Thurmed AG sieht nach Kenntnis der GZO AG keine Geldzahlung an die Aktionärsgemeinden durch die Thurmed AG vor.»

Braucht es für die Umsetzung des Thurmed-Angebots eine Übertragung der Leistungsaufträge?

«Nein, da es sich beim Angebot der Thurmed AG um eine Beteiligung an der bestehenden GZO AG handelt, ist eine Übertragung der Leistungsaufträge nicht erforderlich.» Dieser Punkt ist einer der Vorteile des Thurmed-Angebots. Denn so hatte die Zürcher Gesundheitsdirektion mehrmals klar und deutlich festgehalten, dass Leistungsaufträge sowohl an den Standort wie auch an den jeweiligen Rechtsträger, in diesem Fall die GZO AG, gebunden seien.

Wann besteht Gewissheit darüber, ob das Thurmed-Angebot die Dividendenerwartung für die Gläubiger der GZO erhöht?

«Wir erwarten Gewissheit hierüber im Spätsommer, wenn die zuständigen Organe der Aktionärsgemeinden dem Thurmed-Angebot zugestimmt haben.» Bei den Organen handelt es sich um die Exekutiven, Volksabstimmungen sind nicht nötig.

Warum wurde nicht schon früher, beispielsweise an den Gemeindeversammlungen, transparent über die Verhandlungen mit Thurmed informiert?

«Wir führen seit Monaten Gespräche mit Gläubigern und potenziellen Investoren. Die Gespräche werden vertraulich geführt. Ein bindendes Beteiligungsangebot seitens der Thurmed liegt seit dem 10. Juli vor und konnte entsprechend erst zum jetzigen Zeitpunkt kommuniziert werden.»

Wie geht es nun weiter?

«Die beiden Angebote werden über den Sommer geprüft. Im Anschluss wird über das weitere Vorgehen informiert. Die definitive Nachlassstundung dauert bis zum 19. Dezember. Bis dahin hat die GZO AG maximal Zeit, eine Lösung mit den Gläubigern zu finden.»

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