Die Gmünder und ihr Einhorn: Eine grosse (und etwas verrückte) Liebe
Während Dübendorf seinem Wappentier vergleichsweise wenig Beachtung schenkt, nutzt Schwäbisch Gmünd das Einhorn intensiv als identifikationsstiftendes Element. In der Stadt ist es an wirklich jeder Ecke anzutreffen. Übertreiben es die Schwaben?
Ja, es gibt doch den einen oder anderen Unterschied zwischen Dübendorf und Schwäbisch Gmünd. Doch etwas eint die beiden Städte: das Einhorn. In Gmünd trat es als Siegelabdruck erstmals im Jahr 1277 in Erscheinung, in Dübendorf 1292, ebenfalls auf einem Siegel. Wobei man sagen muss, dass die Dübendorfer ihr Wappentier vergleichsweise stiefmütterlich behandeln (oder, je nach Betrachtungsweise: Die Gmünder übertreiben es ein bisschen).
Das fängt schon auf der Website an, wo einen ein herumspazierendes und grasendes Einhorn empfängt. Während der hiesige Verschönerungsverein 2019 eine grosse Einhorn-Freiluftausstellung mit 80 lebensgrossen Fabeltieren durchführte, hatte Gmünd schon Jahre früher vorgelegt, und zwar mit nicht weniger als 600 Exemplaren.
Eine Einhorn-Armee
Wie in Dübendorf konnten die Rohlinge von Firmen, Institutionen und Privaten erstanden und nach Herzenslust bemalt und gestaltet werden. Zum Start der Aktion wurden sämtliche Einhörner auf dem Marktplatz aufgestellt – eine wahre Armee dieser mythischen Wesen, von denen mittlerweile aber nur noch wenige im Stadtbild zu sehen sind.











Doch auch so begegnet einem das Einhorn in Gmünd auf Schritt und Tritt: auf Brunnen, an Fassaden, als Skulpturen in Parks, auf Spielplätzen, an Fahnenstangen und natürlich am Rathaus.
Auch die Leute ziehen mit: Es gibt die Einhorn-Apotheke, eine Eisdiele namens Eishorn, eine Bonbon-Manufaktur mit nickenden Einhörnern im Schaufenster stellt Einhorn-Lutscher her, Passanten spazieren mit Einhorn-Ballons durch die Stadt, und dann ist da auch noch das Hotel Einhorn, das mittlerweile aber keine Gäste mehr empfängt.
Grosse Feier zum Einhorn-Geburtstag
Das offizielle Gmünd fördert das Einhorn – ebenso wie die Geschichte des Adelsgeschlechts der Staufer – bewusst als identitätsstiftendes Element. Es werden thematisch unterschiedliche Ausstellungen ausgerichtet. Etwa die Sonderschau «Das Einhorn im Spiegel der Popkultur» – deren Nachbetrachtung als edler Bildband erschienen ist.









In der Touristeninformation kann man sich vom Baby-Strampler über Socken und Mützen bis hin zum Hoodie mit Einhorn-Merchandising eindecken. 2025 wurde anlässlich des 750-Jahr-Jubiläums des Gmünder Wappentiers mit einer Vielzahl an Einhorn-Festivitäten besonders gross aufgetischt. Für den historischen Unterbau sorgte ein aufwendig recherchiertes Buch, das die Geschichte des Einhorns von Schwäbisch Gmünd beleuchtet. Erschienen ist es – natürlich – im Einhorn-Verlag.
Und nicht zu vergessen: In Gmünd gibt es zwei Einhorn-Fussgängerampeln. Da kann man in Dübendorf nur neidisch werden. Als das Tiefbauamt in einem Anflug von Leichtigkeit vor einigen Jahren das Fussgängersymbol einer Ampel durch ein Herzli ersetzte, intervenierte gleich der Kanton.

