«30 haben wir schon», sagt die junge Mutter, während ihre kleine Tochter zum nächsten Einhorn rennt und dessen Flanke tätschelt. Schnell ein Foto mit Kind und Fabeltier – und weiter geht’s. Bis der Regen wieder anfängt, sollen noch ein paar dazukommen. Nur wenige Augenblicke später fallen die ersten Tropfen, dann fegt ein Gewittersturm über die Stadt.
Dübendorf ist ein hartes Pflaster für Einhörner, obwohl das Tier auf dem Wappen der Stadt prangt. Anstelle von Regenbögen zucken Blitze am Himmel, und es riecht auch nicht nach Zuckerwatte, sondern nach einer Mischung aus verbranntem Kaffee und Schimmel à la Givaudan.
Die Leute lassen sich davon an diesem Samstag nicht die Freude nehmen. Mit Fotoapparat, Regenschutz und dem speziellen Einhorn-Stadtplan laufen sie die aufgestellten Einhörner ab, streichen Nummer um Nummer auf dem Plan ab. Und versuchen dann, ihre Kinder von den bunt lackierten Fabeltieren wegzureissen, was zuweilen nur mit dem Einsatz mehr der weniger sanfter Gewalt möglich ist. Und ein paar Meter weiter steht schon das nächste, das sogar noch «viiieeel süüüsser» ist.
Der Mitarbeiter wird Art-Director
Ins Leben gerufen hat die Aktion der Dübendorfer Verschönerungsverein VVD zur Feier seines 100-jährigen Bestehens. 83 Firmen, Institutionen und Privatperson sind dem Aufruf gefolgt und haben sich mittels Sponsoring in der Höhe von 2500, 5000 oder 10‘000 Franken beteiligt. Bei der Gestaltung hatten sie freie Hand – lediglich Obszönitäten, Rassismus, beleidigende oder verletzende Aussagen waren nicht erlaubt.

