Bald sollen auf dem Schönau-Areal neue Wohnhäuser entstehen
Neubauten in Wetzikon
Wo einst gearbeitet wurde, soll bis in drei Jahren vor allem gewohnt werden: In der Wetziker Schönau, auf dem Gelände der ehemaligen Spinnerei, werden rund 80 Wohnungen an schöner Lage erstellt.
Die unendliche Geschichte soll nun doch langsam zu einem Ende finden: Seit mittlerweile 14 Jahren präsentiert die Arealentwicklungsfirma Hiag Pläne für die Entwicklung des historischen Schönau-Ensembles in Wetzikon. Mal um Mal scheiterten diese am Widerstand von Anwohnern und Politik – und die Hiag musste jeweils erneut über die Bücher.
Doch jetzt ist die Firma einen Schritt weiter. Bis Ende Januar lag die Bauausschreibung für die drei Baufelder C, D und E auf. Diese gruppieren sich um das zentrale Parkwäldchen, das vor über 170 Jahren angelegt worden ist und das wie viele historische Bauten auf dem Gelände unter Schutz steht.
Mehrere Anfragen nach Bauentscheid
Kern dieser alten Gebäude ist die Spinnerei, welche Friedrich Nagel in den Jahren 1821 bis 1823 erstellen liess. Der Pariser Fabrikant und Besitzer des Schlosses von Wetzikon liess 1823 den Ostturm seines Schlosses abbrechen, um mit den Steinen seine neue Fabrik zu bauen.
Neben diesen alten Bauten sollen nun zahlreiche neue Wohnhäuser in die Höhe wachsen. Ob den konkreten Bauvorhaben auch wieder Opposition erwächst, ist noch offen. Wie Laura Roth, Mediensprecherin der Hiag, auf Anfrage erklärt, seien mehrere baurechtliche Entscheidanfragen eingereicht worden.
Nur wer eine solche Anfrage platziert hat, ist danach überhaupt zum Rekurs berechtigt. Doch Roth beunruhigt das nicht: «Solche Anfragen sind bei Projekten dieser Grössenordnung nicht unüblich.» Und sie habe keine Kenntnisse von geplanten Rekursen.
Storen müssen in der Nacht runter
Und tatsächlich ist die Grösse des Vorhabens beachtlich. Die Baufelder C, D und E umfassen etwa 7000 Quadratmeter, was der Fläche eines Fussballfelds entspricht. Das ganze Areal, das der Hiag gehört, misst rund 30’000 Quadratmeter.
Das Baufeld C umfasst das ehemalige Gaswerk und einige Lagerräume, die entlang des Schönau-Weihers liegen. Während diese Lagerschuppen abgerissen und durch eine Reihenhaus-Zeile mit acht Wohneinheiten ersetzt werden, wird das Gaswerk umgebaut.


An dieser besonders schönen Lage mit Blick auf den Weiher müssen die künftigen Eigentümer der 5,5- bis 6,5-Zimmer-Wohnungen aber auch eine kleine Einschränkung hinnehmen. Da die auf dem Weiher und am Ufer lebenden Tiere nachts nicht gestört werden dürfen und vor Lichtquellen geschützt werden müssen, werden in diesen Häusern automatisch gesteuerte Storen eingesetzt. Sobald es dunkel wird, gehen diese ferngesteuert hinunter. Erst wenn es tagt, können die Bewohner die Lamellen wieder selbst hochfahren.
23 Reihenhäuser ums Wäldchen
Nördlich und östlich des auf einem kleinen Hügel liegenden Parkwäldchens werden auf dem Baufeld D insgesamt 23 Reiheneinfamilienhäuser entstehen. Diese werden in drei abgestuften Reihen angeordnet. Die 3,5- bis 5,5-Zimmer-Eigentumswohnungen werden jeweils über einen privaten Garten verfügen. Auf diesem Teil wird auch eine Tiefgarage erstellt. Wie schon die Häuser am Weiherufer werden auch diese Einfamilienhäuser eine Holzfassade erhalten.


Auf dem leicht abfallenden Baufeld E südlich des Wäldchens schliesslich müssen zuerst zwei Gebäude weichen. An deren Stelle sind zwei Mehrfamilienhäuser mit 48 Mietwohnungen vorgesehen, samt Tiefgarage. Und hier kommt auch die Zufahrt zur anderen Tiefgarage zu liegen. Der Gestaltungsplan, der die Grundlage für die ganze Überbauung des Schönau-Areals bildet, schreibt mindestens 110 und höchsten 160 Autoabstellplätze vor. Zudem müssen mindestens 25 Töff- sowie 350 Velo-Abstellplätze erstellt werden.
Parkwald bleibt öffentlich
Doch dort soll nicht nur die Garagenzufahrt zu liegen kommen, sondern auch ein grosser Gemeinschaftsgarten, ein Spielplatz sowie Gemeinschaftsräume.


Das ganze Areal wird zudem mit Fuss- und Velowegen erschlossen. Und vor allem: Das Parkwäldchen wird nicht nur Anwohnern vorbehalten, sondern muss öffentlich bleiben.
Investitionen von rund 45 Millionen Franken
Gemäss den Baugesuchen rechnet die Hiag mit Gesamtbaukosten von 44,4 Millionen Franken. Die Bauzeit wird von Mitte 2027 bis Oktober 2029 veranschlagt. Laura Roth gibt sich allerdings optimistisch: «Der Zeitpunkt des Baustarts hängt vom Verlauf und der Dauer des Bewilligungsverfahrens ab. Sofern dieses planmässig verläuft, ist ein Baustart bereits gegen Ende 2026 möglich.»
Die Realisierung ist in Etappen vorgesehen. Die ersten neuen Gebäude könnten laut Roth voraussichtlich ab 2028 bezogen werden.
Weitere Bauetappen stehen bevor
Vorläufig noch unangetastet bleibt das einstige Baumwollmagazin aus dem Jahr 1873, das auf dem Baufeld B liegt. Ideen für dessen Umnutzung sind vorhanden. Vor knapp zwei Jahren meinte Hiag-CEO Marco Feusi, dass dort im Erdgeschoss ein Laden oder ein Restaurant entstehen könnte. Das Obergeschoss eigne sich für Seminarräume oder auch für kulturelle Veranstaltungen. Auch die ehemalige Spinnerei mit ihren Ateliers wird als «Kulturort» erhalten bleiben. Dort kann die heutige Mieterschaft bei der Entwicklung des Gebäudes mitreden.

Mit all diesen Bauvorhaben ist das Projekt «Schönau» für die Hiag aber noch nicht abgeschlossen. Derzeit läuft ein Studienauftrag für das Baufeld F. Dort an der Weststrasse und in der Nähe des Kulti-Weihers soll nochmals ein grosser Wohnblock entstehen – nach den neusten Plänen mit Mietwohnungen. Noch in diesem Jahr soll auch hierfür die Baueingabe erfolgen. Gemäss der «Projektpipeline» will die Hiag dort nochmals 18 Millionen Franken investieren. Dier Fertigstellung dieses Baus ist auf Mitte 2029 vorgesehen.