Auch der Aabach geht in die Ferien
Grossputzete in Kanälen und Stollen im Aatal
Im Kanalsystem im Aatal fliesst zurzeit kein Wasser mehr. Schuld daran ist aber nicht etwa fehlender Regen, sondern der Schlamm, der aus den alten Rinnen ausgebaggert werden muss.
Die Sommerferien sind angebrochen. Viele Familien zieht es in die Weite. Manche Unternehmen schicken ihre Angestellten in die Ferien. Und die Energie Uster AG gleich einen ganzen Bach – mindestens jenen Teil des Aabachs, der normalerweise durch das Kanal- und Stollensystem im Aatal fliesst.
Vier grosse Mulden Schlamm
Jahr für Jahr wird jeweils für rund zwei Wochen der Kanal, der zum Wasserkraftwerk Trümpler auf dem gleichnamigen Areal in Oberuster führt, trockengelegt. «Wir nutzen diese Aabach-Ferien, um die Wanne des rund 1,6 Kilometer langen Kanals samt den beiden Stollen visuell zu kontrollieren und das Geschwemmsel zu beseitigen», erklärt Romeo Comino, Bereichsleiter Netze der Energie Uster AG. Dieser gehört die Trümpler-Anlage.



Die Schlammmenge, die sich in den offenen Rinnen ansammelt, ist beträchtlich. Dieses Jahr dürften es rund 150 Kubikmeter sein. Das entspricht rund vier Lastwagenmulden. Das Material, es handelt sich meist um vermodertes Laub, Geäst und Sedimente, wird für ein Jahr zwischengelagert. Danach muss es entsorgt werden, wie Comino erklärt.
Lästige Fadenalgen
Im offenen Kanalteil wird jetzt mit einem kleinen Bagger und einem Muldenkipper der Schlamm herausgeholt. Schon seit zehn Jahren ist dafür Thomas Lück verantwortlich. Für den Polier der Baufirma Gadola ist diese Aufgabe eine gute Abwechslung zu den üblichen Strassen- und Tiefbauarbeiten, die er sonst ausführt. «Hier vorne in der Nähe des Filterhauses ist es ganz schön dreckig. Hinten im Wald, wo das Wasser aus dem Stollen kommt, dafür richtig idyllisch.»

Lück nimmt sich besonders den Fadenalgen an, die an den Kanalwänden ganze Krusten gebildet haben. Diese kratzt er nun ab und meint: «Diese Algen hat Rolf Fischer gar nicht gerne, denn die können Anlageteile verstopfen.» Als Anlagewart bei der Energie Uster AG ist Fischer seit 15 Jahren – und noch bis zu seiner Pensionierung im Herbst – für den Betrieb der historischen Kraftwerkanlagen im Aatal und in Oberuster verantwortlich.
Fische zügeln temporär
Während das Eindringen des feinen Materials in den Kanal kaum verhindert werden kann, verhindert ein grosser Rechen, dass Gröberes in die Stollen geschwemmt wird. Das Sammelgut wird dort automatisch herausgefiltert. «Nach einem Gewitter fischen wir hier innert eines Tags schnell einmal eine Mulde voll Geäst heraus», erklärt Rolf Fischer. Diese Menge erstaunt nicht, liegt doch die ganze Strecke im Grünen. Zudem fliesst der grösste Teil des Aabachwassers normalerweise durch den Trümpler-Kanal und spült entsprechend viel «Mitbringsel» an.


Abgefischt werden jeweils auch die vielen Wassertiere, bevor der Kanal trockengelegt wird. Mit einem Team von acht Personen ist am vergangenen Montag, 14. Juli, zum Start der Aabach-Ferien die kantonale Fischerei- und Jagdverwaltung vor Ort gewesen. Sie sammelten die zahlreichen Fische ein. Die allermeisten werden nach den Aabach-Ferien ins Aatal zurückkehren. Einige landen aber auch im Pfäffiker- und dem Greifensee.
Im gefüllten Kanal tummeln sich durchaus auch grössere Fische. «Einmal haben wir sogar einen prächtigen Hecht herausgezogen», meint Fischer. Ganz alle Fische müssen übrigens im Sommer nicht zügeln. Für die kleinen Exemplare gibt es nämlich auch während der Wasserumleitung an mehreren Stellen tiefe Pfützen, in denen sie überleben können.
Stollen normalerweise nicht zugänglich
Eine solche Lache liegt hinter dem unteren Stolleneingang. Ohne Gummistiefel gäbe es hier nasse Füsse. Abgesehen von der Zeit während der Aabach-Ferien sind die beiden um 1857 aus dem Nagelfluhfelsen geschlagenen Stollen, der eine ist 600, der andere 275 Meter lang, gar nicht zugänglich. «Die sind sonst komplett gefüllt», hält Fischer fest. Das heisst, dass dann bis zu 2,8 Kubikmeter nutzbare Wassermenge pro Sekunde durch den rund 1,8 Meter hohen und ebenso breiten Stollen fliesst. Damit ist das Wasser relativ träge. Immerhin bleiben aber am Ende des Kanals 19 Meter Gefälle für die Druckleitung ins Kraftwerk Trümpler.




Die Temperatur in den Stollen entspricht der jeweiligen Wärme des Wassers. Im Sommer sind das um die 20 Grad. Das wäre eigentlich ganz angenehm für einen Schwumm. Doch Fischer, der selbst Tauchlehrer ist, würde sich nicht in einen gefüllten Stollen hineingetrauen. «Das würden sich höchstens Höhlentaucher wagen», meint er. Diese Ausbildung habe er nie absolviert.
Auf dem Rundgang durch die nun leeren Stollen stösst Fischer aber auf andere Lebewesen. Eine Libelle hat es sich an der Nagelfluhwand gemütlich gemacht.
Doppelspurausbau braucht Platz
Dieses Jahr nutzt die Energie Uster AG die Aabach-Ferien auch für den Ersatz eines durchgerosteten Stücks des sogenannten Bypasses im Turbinenhaus. Grössere Anpassungen an der Kraftwerkanlage wird der Bau der SBB-Doppelspur durchs Aatal bringen. Die Druckleitung beim Trümpler-Areal und ein Teil des Kanals müssen verlegt werden, da die Bahn den Platz braucht.

Und bis 2030 müssen die insgesamt zwölf Kraftwerke entlang des Aabachs zwischen der Schönau in Wetzikon und dem Turicum in Niederuster wegen neuer Gewässerschutzbestimmungen ohnehin saniert werden.
