Deshalb stoppt Eigentümerin das Flugplatz-Comeback auf dem Hasenstrick
Nach Jahren der Planung zieht die Fluggruppe Hasenstrick ihr Gesuch zurück – der Traum vom Flugbetrieb mit E-Gleitern ist geplatzt. Denn die Eigentümerin will keinen unnötigen Knatsch – und findet alles halb so tragisch.
Ende 2009 hob die Fluggruppe Hasenstrick zum letzten Mal mit einer Maschine vom beliebten Ausflugsziel ab. Es war ein Aus nach 62 Jahren. Dem Ende vorausgegangen war ein jahrelanger Streit der Gruppe mit dem Eigentümer des Flugplatzes.
Das Ziel der Fluggruppe war stets, wieder auf den «Hasi» zurückzukehren. Und bis vor Kurzem sah alles danach aus, dass dies möglich ist – wenn auch nicht mit Flugzeugen.
Der Verein arbeitete ein neues Betriebsreglement aus, das im März öffentlich aufgelegt wurde. Anstatt wie früher auf Flugzeuge, wollte die Fluggruppe neu auf elektrische Hängegleiter setzen. Mit diesen startet und landet man wie bei einem regulären Hängegleiter mit den Füssen, sie verfügen aber zusätzlich über einen Elektroantrieb.
Daraus wird nichts. Wie die Gemeinden Hinwil und Dürnten mitteilen, hat die Fluggruppe ihr Gesuch für die Wiederaufnahme des Flugbetriebs zurückgezogen. Damit wurde das laufende Bewilligungsverfahren durch das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) eingestellt.

Der Grund: «Wir haben keinen Nutzungsvertrag mehr.» Das sagt Martin Brem, Präsident der Fluggruppe Hasenstrick.
Die Flugplatz-Eigentümerin Agensa AG, der auch der Landgasthof Hasenstrick gehört, hat ihre Vereinbarung mit dem Verein per Ende Juli gekündigt. Damit ist die Fluggruppe nicht mehr berechtigt, das Verfahren weiterzuführen.
Raus aus dem «Kampfmodus»
Die Gründe für die Kündigung kennt die Fluggruppe nicht – ein Gespräch habe die Agensa bisher abgelehnt. Uns gegenüber nimmt Inhaber Hans Ulrich Kobelt Stellung. «Es ist rund um den Flugplatz Hasenstrick ein Kampfmodus entstanden», sagt er. Viele Nachbarn sehen eine Rückkehr der Fluggruppe auf den «Hasi» kritisch.
Das zeigte sich beispielsweise daran, dass zahlreiche Personen aus Hinwil und Dürnten Einsprache gegen das neue Betriebsreglement einlegten. Auch bei einer Info-Veranstaltung der Gemeinden äusserten sie ihren Unmut. «Wir haben schlichtweg kein Interesse daran, einen Streit zu entfachen», betont Kobelt.
Der Rückzieher der Agensa AG kommt dabei nicht nur für die Fluggruppe überraschend. Denn als die Immobilienentwicklerin 2017 den Landgasthof und den Hangar ersteigerte, ging Hans Ulrich Kobelt umgehend auf die Fluggruppe zu.

Er sehe gute Chancen, dass auf dem Hasenstrick bald wieder geflogen werden kann, meinte der Immobilienunternehmer damals. 2022 konnte die Agensa auch einen grossen Teil der Flugpiste erwerben.
Etwa drei Jahre lang arbeitete die Fluggruppe im Anschluss auf die Wiedereröffnung des Flugplatzes hin. Arbeit, die nun für die Katz ist. «Wir sind natürlich sehr frustriert», sagt Präsident Martin Brem.
Verein steht vor dem Aus
Wie es mit dem Verein weitergeht, ist noch offen. Die Fluggruppe, die vor einigen Jahren all ihre Flugzeuge verkauft hatte, hat in den letzten Jahren ihre ganze Kraft für das Projekt aufgewendet. Nun steht laut Brem auch eine Auflösung des Vereins zur Debatte.
Dass es je wieder einen regelmässigen Flugbetrieb auf dem Hasenstrick gibt, schliesst er aus. «Ich glaube, der Flugplatz Hasenstrick ist für immer Geschichte.» Ein Revival mit elektrischen Gleitern scheint ausgeschlossen.
Hans Ulrich Kobelt sieht das gelassener. «Fliegen können sie auch in Fehraltorf», meint er. Der Flugplatz auf dem Hasenstrick sei für ihn nicht das Wichtigste. «Diese Zeiten sind einfach vorbei.» Heute kommen die Leute auf den Hasenstrick, um die Aussicht und die Ruhe zu geniessen. «Es ist ein touristischer Ort.»
Weniger Helikopterflüge
Flüge wird es auf dem Hasenstrick wohl auch künftig geben – mit Helikoptern. Touristische Rundflüge sind auch ohne Flugplatz möglich. Dass dies rechtens ist, hat das Bundesgericht bereits 2017 entschieden.
Diese Rundflüge fanden bisher an zwei Wochenenden im Februar und Oktober statt. Für den Anlass braucht es eine Bewilligung der Gemeinde Dürnten. Auch gegen diese Flüge regt sich Widerstand.
«Mit dem Verfahren zur Änderung des Betriebsreglements Flugfeld Hasenstrick zeigte sich, dass sich ein nicht zu vernachlässigender Teil der Bevölkerung sehr an den Helikopter-Rundfluganlässen stört», sagt Gemeindeschreiber Daniel Bosshard.
Bisher hatte die Gemeinde keine Kenntnis vom Ärgernis. Es habe nur vereinzelt Reklamationen gegeben. Der Gemeinderat nimmt das Anliegen ernst – künftig erteilt er für Anlässe an Sonn- und Feiertagen keine Erlaubnis mehr. Ausserdem finden die Rundflüge nur noch an drei Tagen im Jahr statt.
Ganz verbieten kann die Gemeinde die Helikopterflüge aber nicht. Denn Bundesrecht schliesst solche Veranstaltungen nicht aus, sondern sieht die Zustimmung der Standortgemeinde vor.
Würde die Gemeinde die Zustimmung generell verweigern, käme dies einem Verbot gleich. «Und dazu sind wir nicht befugt», sagt Bosshard. Dürnten wird die Gesuche für solche Rundflüge weiterhin einzeln beurteilen.